MINUSMA: Wasser ist nicht gleich Wasser

MINUSMA: Wasser ist nicht gleich Wasser

  • Einsatz
  • MINUSMA
Datum:
Ort:
Gao
Lesedauer:
3 MIN

Hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit: In vielen Regionen, in denen Angehörige der Bundeswehr ihren Dienst in Auslandseinsätzen leisten, herrschen extreme klimatische Bedingungen. Insbesondere die Soldatinnen und Soldaten bei EUTMEuropean Union Training Mission und MINUSMAMultidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali in Mali müssen enorm hohe körperliche Herausforderungen meistern. Wer viel schwitzt, verliert nämlich nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Mineralstoffe.

Wasserverlust kann die Leistung schwächen

Ob Fußpatrouillen im Norden Malis oder das Sichern einer Baustelle innerhalb des Camps Castor: Die Soldatinnen und Soldaten in Mali tragen je nach Auftrag rund 30 Kilogramm Schutzausrüstung mit sich. In Kombination mit Temperaturen, die selbst im Schatten die 40-Grad-Marke nicht unterschreiten, ist vermehrtes Schwitzen unumgänglich. Bis zu drei Liter Flüssigkeitsverlust pro Tag sind ganz normal. Dies kann nicht nur zu einem Volumenmangel, sondern auch zu einem großen Mineralstoffmangel führen. Solche Mängel müssen laufend ausgeglichen werden, um die körperliche Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Natrium, Calcium, Magnesium: Mineralstoffe sind wichtig

Drei verschiedene Wasserflaschen stehen auf einem Tisch

Deutschland und Mali im Vergleich: Das malische Wasser links im Bild enthält zum Teil nur ein Viertel der Mineralstoffe

Bundeswehr/Johann Flaum

Schweißmenge und der Verlust an Mineralstoffen sind bei jedem individuell verschieden. „Dabei kommen Calcium und Magnesium in eher geringen Mengen im Schweiß vor und schwanken zwischen 20 und 70 beziehungsweise 20 und 50 Milligramm pro Liter. Natrium und Chlor hingegen kommen in größeren Mengen vor: 700 bis 2.000 beziehungsweise 1.000 bis 2.000 Milligramm pro Liter Schweiß sind durchaus normal“, erklärt Stabsapotheker Janick R. Ein solcher Verlust kann sich schnell bemerkbar machen: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder auch Koordinations- und Konzentrationsstörungen sind nur einige Beispiele. 

Brausetabletten für den Ausgleich

„Das in den Einsatzgebieten beschaffte Flaschenwasser ist häufig sehr mineralstoffarm“, erläutert Janick R. Um die fehlenden Mineralstoffe auszugleichen, kommen Brausetabletten zum Einsatz. Je nach körperlicher Belastung und Flüssigkeitsbedarf kommen auf eine Flasche Wasser zwischen einer und fünf Tabletten pro Tag. Aber auch die Verpflegung spielt eine wichtige Rolle. „Eine regelmäßige und ausgewogene Truppenverpflegung ist wesentlich für den Mineralstoffhaushalt. Da nicht jedes Element in jedem Lebensmittel vorkommt, kann nur eine Kombination aus richtigem Trinkverhalten und einer ausgewogenen Ernährung einem Mangel vorbeugen“, macht der Stabsapotheker deutlich.

Kleine Tricks mit großer Wirkung

Eine Soldatin in Sportkleidung trinkt aus einer Wasserflasche

Immer eine Flasche Wasser zur Hand zu haben ist das A und O

Bundeswehr/Meike Reetz

Da das Trinkwasser in den Einsatzgebieten nicht nur mineralstoff-, sondern auch geschmacksärmer ist, kommt es bei vielen zu „Trinkmüdigkeit“. Vor allem bei Bürotätigkeiten im klimatisierten Container oder an Tagen mit wenig körperlicher Belastung neigt man dazu, zu wenig zu trinken. Hierbei können kleine Tricks schon viel bewirken. Zum Beispiel sollte man immer eine Flasche Wasser griffbereit auf dem Schreibtisch haben oder ein wenig Abwechslung ins Trinkverhalten bringen. Statt immer nur Wasser kann man zum Essen einen Becher Saft oder am Abend ein Softgetränk zu sich nehmen. „Wichtig ist vor allem, das verlorene Flüssigkeitsvolumen im Körper wieder aufzufüllen“, fasst der Stabsapotheker zusammen.


Der Körper passt sich an

Ein Soldat trinkt aus einer Wasserflasche

Bis sich der Körper an das neue Klima gewöhnt hat, vergehen im Schnitt zwei Wochen

Bundeswehr/Johann Flaum

Bei längerem Aufenthalt im heißen Klima passt sich der Körper an: Das „Schweißprofil“ verändert sich. Man schwitzt weniger am Körperstamm, dafür mehr an Armen und Beinen. Darüber hinaus ist der Verlust an Elektrolyten geringer, wodurch der Schweiß schneller verdunsten kann. Damit wird die Kühlung durch Schwitzen noch effektiver.

Diese Stoffwechselanpassungen gehen vor allem darauf zurück, dass sich die Ablesehäufigkeit bestimmter Gene ändert. Dem Körper werden Enzyme zur Verfügung gestellt, welche die Zusammensetzung des Schweißes und die Volumenregulation verändern. Die Produktion dieser Enzyme anzuschieben dauert jedoch einige Tage: Ungefähr zwei Wochen braucht der Körper, um sich an das neue Klima zu gewöhnen.

von Meike Reetz

Mehr zum Thema