Das System Panzergrenadier auf dem Vormarsch

Das System Panzergrenadier auf dem Vormarsch

  • Modernisierung
  • AIN
Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
3 MIN

Das System Panzergrenadier– der enge Verbund aus dem Schützenpanzer Puma und seinen mit dem Infanteristen der Zukunft-Erweitertes System (IdZ-ES) ausgestatteten, abgesetzten Soldaten - ist reif für den Einsatz. Dies hat der jüngste Test auf dem Truppenübungsplatz Bergen ergeben. Auch die Einsatzbereitschaft des Puma muss den Vergleich mit anderen Hauptwaffensystemen nicht mehr scheuen: Pünktlich zum erreichten Meilenstein System Panzergrenadier konnte diese innerhalb eines Jahres auf aktuell über 60% mehr als verdoppelt werden.

Drei Soldaten mit Gewehren vor einem Panzer

Grenadiere sitzen vom Schützenpanzer Puma ab. Gemeinsam bilden sie das "System Panzergrenadier".

Bundeswehr/Weber

Unter Federführung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) wurde im engen Zusammenwirken mit dem Heer und der Industrie im Jahr 2017 ein Konzept entwickelt, wie der bislang nur für die Ausbildung zugelassene Schützenpanzer Puma schnellstmöglich für den Einsatz im Rahmen der schnellen Eingreiftruppe der NATO fit gemacht werden kann. Neben einer Hochrüstung des Puma wurde noch deutlich mehr erreicht. Der wesentliche Mehrwert ergibt sich durch die enge und digital vernetzte Anbindung des abgesetzten Schützentrupps. Dank Informationsüberlegenheit sind schnelle, effiziente und effektive Interaktionen möglich. Damit ist das „System Panzergrenadier“ in Gänze umgesetzt.

Bereits Mitte 2019 schlossen das BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr und die Industrie einen entsprechenden Vertrag. Die Industrie hatte dazu eigens eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die neben den bisherigen Herstellern des Schützenpanzers Puma (Firma PSM als Joint Venture der Firmen KMWKrauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall Landsysteme) nun auch den Hersteller des IdZ-ES (Firma Rheinmetall Electronics) einband, um die hohen Anforderungen an den Zusammenschluss von Puma und dem Infansteristen der Zukunft-Erweitertes System (IdZ-ES) umsetzen zu können.

Das System Infanterist der Zukunft, kurz IdZ, ist der Begriff für die moderne persönliche Ausstattung der Infanteristen. In einem weiteren Schritt wurde das System IdZ-ES neu entwickelt. Nur in einem geschlossenen und abgestimmten Systemansatz sind alle wesentlichen geforderten Fähigkeiten, die der Infanterist für seine Arbeit benötigt, erfüllt. Alle enthaltenen Komponenten (Bekleidung, Optronik, Waffen, Kommunikation und Vernetzung) wurden optimiert, um die Leistungsfähigkeit des Soldaten zu verbessern.

Ein Panzer fährt im Sand und wirbelt Staub auf

Mit Vollgas in ein neues Zeitalter: Neben der Hochrüstung von 41 Schützenpanzer Puma und zehn Zugsystemen des IdZ-ES werden bis Ende 2024 auch Ausbildungsgeräte beschafft.

Bundeswehr/Schulz

Der Vertrag umfasst neben der Hochrüstung von 41 Schützenpanzern Puma und zehn Zugsystemen des IdZ-ES (beides aus dem Bestand der Bundeswehr) auch Ausbildungsgeräte und ein Logistikpaket bis Ende 2024. Gleichzeitig wurden eine Vielzahl von Nutzererfahrungen ausgewertet, wo sinnvoll umgesetzt und Schwachstellen abgestellt. Beim Puma wurden beispielsweise erheblich verbesserte Sichtmittel für Periskop, Waffenoptik und Fahrer, die Panzerabwehrfähigkeit durch die Waffenanlage MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System sowie hochmoderne, digitale Funkgeräte realisiert. Diese wiederum sind auch Kern der Verbesserungen beim IdZ-ES. Damit wird der enge und schnelle Informationsaustausch umgesetzt. Von großer Bedeutung ist auch die zwischen Puma und IdZ-ES vereinheitlichte, durchgängige Software zur Gefechtsführung.

Während der Einsatzprüfung im Sommer 2020 konnten trotz der hohen technischen Komplexität, dem enormen Zeitdruck und nicht zuletzt auch der pandemiebedingten Einschränkungen viele Anforderungen als erfolgreich bestätigt werden. Durch den zielorientierten und kontinuierlichen Dialog zwischen allen Beteiligten wurden anschließend die noch verbliebenen erforderlichen Maßnahmen abgearbeitet und die Einsatztauglichkeit des Systems Panzergrenadier beschieden. Generalleutnant Stephan Thomas, Kommandeur Deutsche Anteile Multinationales Korps, und der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, hoben die Leistungsfähigkeit des Systems und die erreichten Fortschritte deutlich hervor.

Der Schützenpanzer Puma hatte Mängel. Jetzt, signifikant verändert, ist der Puma auf einem guten Weg in die Zukunft. Optiken, Waffenwirkung und der Schutz der Soldaten wurden noch einmal verbessert. Die engmaschige Vernetzung von Fahrzeug und den Schützen ist wohl das herausragende Merkmal des Systems.

Das BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr und seine Wehrtechnischen Dienststellen haben wesentlich zu diesen in knapper Frist erreichten Ergebnissen beigetragen. Innerhalb kurzer Zeit wurde das komplexe System Panzergrenadier konzipiert, Risiken reduziert, die Leistungsbeschreibung erstellt und unter Vertrag genommen. Das Erprobungsprogramm zur Erfüllung dieser vertraglichen Leistungen und die sichere Verwendbarkeit des Systems konnte trotz der pandemiebedingten Herausforderungen zeitgerecht durchgeführt werden. Hierzu gehörten fahrzeugtechnische Untersuchungen zu Fahrdynamik und -leistungen, die Zulassung für den Straßenverkehr und vieles mehr. Außerdem gab es zahlreiche waffentechnische Untersuchungen. Ein besonderer Schwerpunkt der Untersuchungen lag auf den Führungs- und Fernmeldegeräten, auf Antennen, aber auch auf der neu eingesetzten Software.

Die Streitkräfte müssen sich auf den Schützenpanzer Puma verlassen können. Deshalb testen Beschäftigte der WTDWehrtechnische Dienststelle 91 die Maschinenkanone, das Maschinengewehr und vieles mehr am Panzer. Auch für die Zivilbeschäftigten ist das Tragen von Schutzbekleidung ("Panzerkombi") beim Umgang mit dem Panzer gesetzlich vorgeschrieben.
Transkription des Videos

Entscheidend für diesen Erfolg war die seit Beginn sehr enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr mit seinen Dienststellen, dem Heer und der Industrie. Kurze Reaktionszeiten, direkte Wege und eng verzahnte Entwicklung und Erprobung waren hohe Erfolgsgaranten. Ursächlich war auch die enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten, die im Rahmen einer Zielvereinbarung ein Maßnahmenbündel zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft geschnürt hatten und damit über das Projekt hinaus neue Maßstäbe setzen konnten.

von Christiane Rodenbücher

Der Schützenpanzer Puma VJTFVery High Readiness Joint Task Force