Cyber- und Informationsraum

Das Battle Management System – Der Weg zur Einsatzreife

Das Battle Management System – Der Weg zur Einsatzreife

  • Digitalisierung
  • Cyber- & Informationsraum
Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
5 MIN

In puncto Digitalisierung ist es notwendig, Neuerungen schnellstmöglich in die Truppe einzuführen, um am Puls der Zeit zu bleiben. Das gilt auch für das Battle Management System (BMS), dem neuen digitalen Führungssystem für landbasierte Operationen. Für die erforderliche Integration der benötigten Software bedarf es vieler Tests, um zivile Programmpakete an die Bedingungen in der Bundeswehr anzupassen. Für diese Tests ist das Zentrum für Softwarekompetenz der Bundeswehr (ZSwKBw) mit seiner Außenstelle in Munster zuständig. Hier wird, gemeinsam mit den nutzenden Organisationsbereichen, das BMS auf Herz und Nieren getestet.

Ein Soldat spricht vor einigen anderen Soldaten.

Was ist wie, wann und wo zu tun. Oberstleutnant R. (* geändert durch die Redaktion) sammelt Informationen und verteilt Aufträge, die für den Testlauf notwendig sind.

2021 Bundeswehr/Stefan Uj

Die Sonne strahlt über Munster in der Lüneburger Heide. Nach den frostigen Wochen des Winters breitet sich zunehmend frühlingshafte Aufbruchsstimmung aus. Auch in der Örtzetal-Kaserne, in der sich Soldaten des Zentrums für Softwarekompetenz der Bundeswehr um ein Geländefahrzeug vom Typ Wolf versammelt haben. Oberstleutnant R. (* geändert durch die Redaktion) gibt Anweisungen für den anstehenden Übungsablauf: „Wir fahren mit vier Fahrzeugen raus. Dann möchte ich, dass wir noch einmal darstellen, wie der Test aussehen kann.“ Wenn R. von Test spricht, meint er die Erprobung des Battle Management Systems, für die er mit seinem Team verantwortlich ist. Der Stabsoffizier ist Sachgebietsleiter Technik Einsatzprüfung für mobile Führungssysteme in der Außenstelle des ZSwKBw in Munster. In dieser Funktion ist er Testleiter für das Zusammenspiel des BMS mit den Systemen für Kommunikation und Routing von Fahrzeugen, wie beispielsweise dem Geländewagen Wolf.

Zusammenarbeit und ständiger Austausch

„Das heißt, wir nehmen das fertige Produkt, hier ein Softwarepaket, adaptieren es in die bestehende Hardware in den Bundeswehrfahrzeugen und testen dann, ob das alles funktioniert“, beschreibt Oberstleutnant R. in Kürze, worin die Aufgabe des Teams liegt. Doch so einfach, wie es klingt, ist die Aufgabe dann doch nicht. Insbesondere die Vorbereitung der Testreihen war anspruchsvoll und nahm die Soldatinnen und Soldaten monatelang in die Pflicht. Zunächst einmal musste überprüft werden, ob sich das Softwarepaket, das von der BWI GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung bereitgestellt wird, auch auf den Bundeswehrsystemen installieren lässt. Zu dem Paket gehört ein Betriebssystem auf Windowsbasis, mehrere Konfigurationsprogramme sowie die eigentliche Software, Sitaware, der Firma Systematic GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Software soll künftig den Kern des BMS bilden und wird für die Oberflächendarstellung auf den Bildschirmen zuständig sein, welche die Bediener in den Fahrzeugen dann vor sich haben.

Eine Frontalaufnahme des Herrn Hauptmann J.

Als stellvertretender Leiter verantwortet der Hauptmann die reibungslose Durchführung der Test mit dem System.

Bundeswehr/Stefan Uj

„Wir stehen in ständigem Austausch mit den Herstellern und auch mit der BWI, um Probleme sofort zu beheben“, erklärt Hauptmann Jäger, der für eben diesen Austausch zuständig ist. Jäger ist stellvertretender Leiter des Sachgebiets und verantwortet die reibungslose Durchführung der Tests am und mit dem System. „Grundsätzlich funktioniert das System gut. Kleinere Stellschrauben gibt es natürlich immer“, sagt Hauptmann Jäger während er einen Laptop mit der Testsoftware startet. In mehreren Büros sind Plattformen aufgebaut, die zum Teil selbst konstruiert sind und denen in den Fahrzeugen nachempfunden sind: Mit Kommunikationseinrichtungen, den entsprechenden Servern und Funkgeräten. Nur so können die IT-Expertinnen und -Experten in Oberstleutnant R.´s Team das System unter Laborbedingungen testen.

Zusammenarbeit mit dem Heer

Vor dem Start der Testreihe wurde zudem überprüft, ob die Systeme sich konfigurieren ließen, denn nur so kann die Adaption an bundeswehrtypische Umgebungen und Systeme gelingen. Anschließend wurden Kommunikationsserver aufgesetzt, mit denen die Anbindung an die Fahrzeuge überprüft und getestet wurde. Zu diesem Zeitpunkt steckten die Soldatinnen und Soldaten des Sachgebiets Technik Einsatzprüfung bereits tief im Austausch mit den Kameradinnen und Kameraden aus dem Stab Test und Versuch, die als Verbindungselement des Heeres nur gut 500 Meter Luftlinie weiter, ebenfalls in der Örtzetal-Kaserne, ihre militärische Heimat haben. Das ständige Feedback aus Sicht des späteren Nutzers ist dabei essenziell, wie Oberstleutnant R. verrät: „Die Vorgaben kommen klar aus dem Heer: wie ist die Kommunikationsstruktur, sprich ganz konkret, wie sehen die Funkkreise auf den taktischen Ebenen aus, die wir dann umsetzen müssen.“ Letztlich ist genau das auch das Ziel des neuen digitalen Führungssystems: Die schnelle Übertragung von Information zum taktischen Nutzen der Führungsebenen.

Kleines Team, viel Know-How

Eine Herausforderung in der Zusammenarbeit sei seiner Ansicht nach das zum Teil fehlende gemeinsame Verständnis sowie ein unterschiedlicher Wortschatz gewesen. Für den Luftwaffenuniformträger R. waren nicht immer alle Begrifflichkeiten mit derselben Bedeutung besetzt, wie für die Heereskameraden. Doch im gemeinsamem Austausch konnten diese Stolpersteine schnell ausgeräumt werden. Viel anspruchsvoller war demnach die Koordination aller anfallenden Arbeiten auf den doch geringen Personalkörper in seinem Bereich. „Damit alles zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle getan wird“, wie B. es beschreibt, „müssen Teamleistung und Eigenengagement stimmen.“ Dass sich Oberstleutnant R. dabei jederzeit auf seine Soldatinnen und Soldaten verlassen konnte, war für ihn keine Überraschung. Ohnehin schwärmt er in höchsten Tönen von seinem Team, dass die geringe Personalstärke mit umso höherem Know-How auszugleichen vermag: „Wir haben hier Spezialisten versammelt, die zum Teil zwei, drei Expertisen in sich vereinen. Solche Leute finde ich kein zweites Mal in der Bundeswehr“.

Hauptmann Jäger, einer dieser Experten, erklärt anhand eines Beispiels, was explizit für die Tests programmiert und konfiguriert wird: „Jedes Einzelfahrzeug soll seine Eigenposition über das System melden. Über die jeweiligen Teileinheitsführer oder Einheitsführer werden diese Positionen gesammelt an die nächst höhere Ebene geschickt, bis auf Höhe Gefechtsstand.“

Und genau das versuchen die Soldatinnen und Soldaten in den Erprobungen der Systeme mit den Fahrzeugen darzustellen. Mittels vorgefertigter Szenarien, die vom Heer vorgegeben sind, werden einsatznahe Gefechtsszenarien dargestellt. Die Fahrzeuge sollen nun, wie beschrieben, ihre Positionen übermitteln, bis in die Ebene Gefechtsstand, die mit einem Übungssystem dargestellt wird. Zudem können über das Touch-Display Meldungen aufgerufen und weitergeleitet werden. In diesem Rahmen prüfen die Experten vom ZSwKBw, ob die Anforderungen, die an das System gestellt werden, erfüllt sind. Einfacher: ob die Software und Technik hinter dem BMS funktioniert und ob es in die Truppe integrierbar ist. Die taktische Erprobung, auch im Zusammenspiel zwischen allen eingebundenen Führungsebenen, liegt dagegen in Verantwortung des Heeres.

Weitere Arbeit steht bevor

Innenaufnahme des BMS in einem der Fahrzeuge.

Fehler die jetzt erkannt werden, werden direkt korrigiert - denn später, im Ernstfall, könnte der Ausfall des Systems Leben kosten.

Bundeswehr/Stefan Uj

Bis jetzt verlaufen die Tests positiv, und Oberstleutnant R. ist optimistisch, dass sie die technische Einsatzreife der Software des BMS zur Jahresmitte nachweisen können. Dann sollte die Panzergrenadierbrigade 37 die Zertifizierungsübung für die Very High Readiness Joint Task Force 2023 mit ersten ausgestatteten Fahrzeugen bestreiten können. Für die Zukunft wartet jedoch noch weitere Arbeit im Zusammenhang mit dem BMS auf das ZSwKBw: „In der Folge wird es natürlich auch die üblichen Updatezyklen geben“, blickt Oberstleutnant R. voraus. Für die Software hinter dem BMS wird es jährliche Updates sowie zusätzliche Sicherheitsupdates geben, die für die Bundeswehr ohnehin unerlässlich sind. Ebenso wie die Anbindung der Fahrzeugsensorik an das BMS, die parallel im Sachgebiet Test der Außenstelle in Munster getestet wird. Darüber hinaus wird auch an den Schnittstellen innerhalb der Fahrzeuge weiter getestet. Bis jetzt ist das System nur mit den Funkgeräten kompatibel nutzbar, doch weitere Kommunikationswege sollen folgen.

von Patrick Schüring  E-Mail schreiben
Ein Soldat sitzt im Fahrzeug und pflegt Daten in das BMS ein.

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