Cyber- und Informationsraum

Innovation in der Bundeswehr - Von der Idee zur nutzerfreundlichen Anwendung

Innovation in der Bundeswehr - Von der Idee zur nutzerfreundlichen Anwendung

  • Digitalisierung
  • Cyber- & Informationsraum
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
5 MIN

Das Referat Digitalisierung des Kommando Cyber- und Informationsraum (KdoCIR), das Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs) Berlin und die BWI mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) arbeiten seit dem vergangenen Jahr gemeinsam daran, identifizierte Innovationspotenziale im Bereich des Sanitätsdienstes der Bundeswehr zu erproben und zur nutzerfreundlichen Anwendung zu bringen.

Eine Ärztin sitzt vor ihrem Computer und spricht per Videotelefonie mit einem Patienten.

Behandlung eines Patienten per Videosprechstunde.

Bundeswehr/Bundeswehrkrankenhaus Berlin

Innovation in der Bundeswehr dient nicht dem Selbstzweck, sondern der Truppe. Sie kann dort jedoch erst dann einen effektiven Nutzen erbringen, wenn ihr Mehrwert langfristig verankert wird. Gerade deshalb ist die Verstetigung von Innovationen ein erfolgskritischer Aspekt: Eine positiv evaluierte Idee muss von den Beteiligten aus dem Ideenstatus gehoben und in die Praxis umgesetzt werden. Der entwickelte Prototyp ist nicht das Ziel, sondern ein wichtiger Zwischenschritt. Der Fokus muss darauf liegen, eine Innovation der Bundeswehr nachhaltig zur Verfügung zu stellen.

Eine Innovation ist dann erfolgreich, wenn sie in den dauerhaften Einsatz überführt ist

Innovationseinheiten, Digital Innovation Units oder Innovation Labs liegen derzeit voll im Trend. Überall auf der Welt wird kräftig in Innovationen investiert. Doch nicht immer erzielen die Protagonisten damit die gewünschten Erfolge. Im Gegenteil, die Erkenntnis vieler Studien lautet: Durch Innovationseinheiten allein werden Unternehmen nicht zwingend innovativer. Aber woran liegt das?

Ein Grundprinzip des Innovationsmanagements lautet „Fail fast, learn fast, improve fast“. Eine Organisation muss eine Kultur bieten, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter experimentieren und Ideen ausprobieren können. Erfolgreich wird eine Innovation jedoch erst dann, wenn sie aus dem Innovationsstatus herausgehoben und zum dauerhaften Einsatz bestimmt ist, also erwachsen und in einen regulären Betrieb überführt wird. Erst dann steht sie allen potenziellen Nutzern für ihre Arbeit zur Verfügung und kann Mehrwerte schaffen.

Videosprechstunde und PflegeApp als erfolgreiche Beispiele für Innovation

Das KdoCIRKommando Cyber- und Informationsraum, das BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin und die BWI haben diesen Faktor als erfolgskritisch identifiziert und arbeiten gemeinsam daran, innovative Ideen in eine dauerhafte Nutzung zu überführen. Ein Beispiel hierfür ist die Videosprechstunde, bei der (zunächst) Patientinnen und Patienten des BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin ihren Termin über das private Smartphone oder Tablet in Form eines Video-gestützten Gesprächs mit einem Arzt wahrnehmen können. Dieses Vorhaben wurde jüngst mit dem Paul-Schürmann-Preis ausgezeichnet. Dieser Preis wird seit 1968 alle zwei Jahre durch die Deutsche Gesellschaft für Wehrmedizin und Wehrpharmazie e. V.eingetragener Verein für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Wehrmedizin und Wehrpharmazie vergeben. 

Ein weiteres Beispiel ist die sogenannte PflegeApp Sie vereinfacht die Kommunikation zwischen stationären Patientinnen und Patienten des BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin mit dem Pflegepersonal und trägt damit zur Entlastung in der Pflege bei. So können Patientinnen und Patienten über die App beispielsweise ihr konkretes Anliegen direkt mitteilen und das Personal kann effizienter auf dieses eingehen. „Das medizinische Personal der Urologie möchte auch zukünftig sehr gerne die PflegeApp nutzen und diese Arbeitserleichterung nicht mehr missen“, hält Hauptfeldwebel Manja Liebrenz, Stationsleitung der Urologie im BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin, ihre Erfahrung fest.

Ein Patient liegt in seinem Bett und hantiert an seinem Tablet.

Entlasten der Stationspflege durch Einsatz der PflegeApp.

Bundeswehr/Thilo Pulpanek

Von der Idee über Live-Testung zur flächendeckenden Einführung

Die Ideen für diese beiden Innovationsvorhaben haben Ärzte und Pflegepersonal des BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin beim Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw), einer Innovationseinheit der BWI, eingebracht. Bevor es in die Umsetzung gehen konnte, hat das KdoCIRKommando Cyber- und Informationsraum über eine Redundanzprüfung festgestellt, dass in der Bundeswehr kein gleichartiges Projekt besteht. Nach dem „Go“ aus dem KdoCIRKommando Cyber- und Informationsraum konnte der CIHBw geeignete Prototypen bereitstellen und sie gemeinsam mit dem BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin im Live-Betrieb testen. Zum Abschluss des Innovationsvorhabens hat der CIHBw die dokumentierten Ergebnisse dem KdoCIRKommando Cyber- und Informationsraum als zentralem Bedarfsdecker für das Teilportfolio Cyber/ITInformationstechnik übergeben. Mit Hilfe weiterer Beiträge des BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin konnten die Beteiligten die Resultate aus den Innovationsvorhaben innerhalb kurzer Zeit so aufbereiten, dass ein so genannter erweiterter Abschlussbericht unmittelbar die Planungs- und Beschaffungsprozesse anstoßen konnte. „Auf diese Weise haben sich die beteiligten Einheiten optimal gegenseitig ergänzt“, so Oberstleutnant i.G.im Generalstabsdienst Tim Frenzel, Referatsleiter Digitalisierung im KdoCIRKommando Cyber- und Informationsraum. „Wir haben von der ersten Idee bis zur Überführung in den Planungsprozess einen kontinuierlich erfolgreichen und zügigen Durchlauf erreicht.“ Was nun folgt ist die Beschaffung und flächendeckende Einführung über die im Customer Product Management (CPM) geregelten Prozesse.

Nutzung der Prototypen bis zur offiziellen Einführung

Es wird eine komplizierte Grafik dargestellt.

Der Prozess von der Idee bis ins Portfolio – Innovationskultur über Organisationsgrenzen hinweg.

Bundeswehr/Archiv

Um die Wartezeit zwischen dem Abschluss des Innovationsvorhabens und der Übergabe der zu beschaffenden Lösung an die Truppe zu überbrücken, erhält die BWI die Prototypen der Videosprechstunde und der PflegeApp für die am Innovationsvorhaben Beteiligten des BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin in Funktion und Umfang weiterhin aufrecht. „Zum Zwecke der weiteren Erprobung der Lösung werden wir die PflegeApp künftig auch der Station der Dermatologie zur Verfügung stellen“, so Stephanie Kreppold, Innovation & Technology Engagement Managerin bei der BWI. „Jedoch verändern wir den Prototypen entlang der Erkenntnisse des ersten Innovationsvorhabens.“ Hierdurch können die Beteiligten weitere Anforderungen ermitteln und andere Anwendungsmöglichkeiten testen, die im Zuge des Beschaffungsprozesses ohnehin zu prüfen wären. Im besten Fall trägt dies zu einer weiteren Beschleunigung der Beschaffung bei.

Zwischenzeitig sind auch andere Bereiche der Bundeswehr abseits des Sanitätsdienstes auf die Funktionalität der Videosprechstunde aufmerksam geworden. Aus diesem Grund führt der CIHBw parallel ein weiteres Innovationsvorhaben durch, bei dem die Anwendung beispielsweise auf die Anforderungen der Karrierecenter der Bundeswehr und des Sozialdienstes der Bundeswehr angepasst und in Zusammenarbeit mit diesen getestet wird.

Videosprechstunde und PflegeApp sind nur zwei Beispiele für Innovationen, die bereits ihren Nutzen belegt haben und bereit sind für die Übernahme in den Regelbetrieb. Auch das „Virtuelle Truppenbesuchszentrum“ zur Bewerbung von spezifischen Berufsbildern der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Personalwesen in der Bundeswehr oder die App „BwSmartFit“ zur digitalen Abnahme des Basis Fitness Tests (BFT) in Kooperation mit der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf schaffen Mehrwerte für die Bundeswehr und sollten nach Aussage der an der Erprobung beteiligten Nutzer ihren Weg ins Portfolio finden – um nur zwei weitere Beispiele zu nennen.

Ein Mehrwert für die Anwender

Innovation bedeutet Kulturwandel. Das BwKrhsBundeswehrkrankenhaus Berlin, das KdoCIRKommando Cyber- und Informationsraum und die BWI mit dem CIHBw haben gemeinsam gezeigt, dass es über Organisationsgrenzen hinweg möglich ist, eine Innovationskultur zu etablieren und Innovation mit den Planungs- und Beschaffungsprozessen sinnvoll zu verzahnen – immer mit dem Ziel, einen direkten, zügigen Mehrwert für die Endanwender zu generieren, an dieser Stelle für die Behandler und ihre Patient/Innen im Krankenhaus der Bundeswehr in Berlin.

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