Software Defined Defence beschleunigt Weiterentwicklung von Waffensystemen
Digitalisierung- Datum:
- Ort:
- Bonn
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Software Defined Defence revolutioniert die militärische Technologie: Durch die Trennung von Hardware und Software können Systeme flexibel aktualisiert und sicherer betrieben werden. Die Bundeswehr setzt künftig verstärkt auf diesen Ansatz, um ihre Streitkräfte für die digitale Zukunft zu stärken und Cyberrisiken frühzeitig zu begegnen.
Mit der Software Defined Defence stärkt die Bundeswehr ihre digitale Einsatzfähigkeit und reagiert schneller auf neue Bedrohungen
Bundeswehr/Andreas WiemerZunehmende digitale Bedrohungen bedeuten eine Herausforderung für bestehende Waffen- und Aufklärungssysteme. Denn ob Panzer, Fregatte oder Kampfflugzeug – heutige Waffensysteme sind mehr als Hardwareplattformen. Ihre Leistungsfähigkeit hängt immer häufiger von Software ab, die präzise Steuerung, Lageanpassung und taktische Vernetzung ermöglicht. Doch mit der höheren Komplexität wachsen auch die Angriffsflächen. Cybersicherheit umfasst daher längst die gesamte Systemarchitektur – von der Leitstelle bis zum eigentlichen Waffensystem.
Software Defined Defence (SDDSoftware Defined Defence), also die software-definierte Verteidigung, steht für einen grundlegenden Wandel in der Verteidigungstechnologie. Durch softwarebasierte Anpassungen lassen sich Systeme schneller aktualisieren, Sicherheitslücken schließen und sogar Fähigkeiten erweitern. So steigt die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte, während gleichzeitig ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberbedrohungen wächst.
„Klassische Systeme wie Kampfflugzeuge oder Kampfpanzer werden in der Regel über Jahrzehnte genutzt. Während die Hardware in diesen Systemen in Zyklen von fünf bis zehn Jahren erneuert wird, verändert sich Software in Monaten oder Wochen – wenn es sich um sicherheitsrelevante Updates handelt, teilweise sogar noch schneller“, sagt Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Innovation und Cyber im Verteidigungsministerium. Er betont: „Dafür brauchen wir eine offene Architektur, die wir nur gemeinsam mit der Industrie entwickeln können. Proprietäre Lösungen dürfen der Vergangenheit angehören.“
In der Vergangenheit lag der Fokus auf der Hardware der Waffensysteme. Die Entwicklung neuer Technologien nahm oft Jahre in Anspruch. Das führte zu langen Wartezeiten für Updates zur Systemverbesserung. Während dieser Wartezeit waren viele Waffensysteme nicht einsatzbereit. Die langsamen Innovationszyklen beeinträchtigten nicht nur die militärische Bereitschaft, sondern auch die Fähigkeit, schnell auf neue Bedrohungen zu reagieren.
SDDSoftware Defined Defence durchbricht diesen Zyklus: Da die Funktionalität primär von Software bestimmt wird, können technologische Anpassungen viel schneller umgesetzt und bestehende Systeme optimiert werden. Ein weiterer Vorteil ist die Modularität und Interoperabilität von SDDSoftware Defined Defence. Schnittstellen ermöglichen das Zusammenwirken verschiedener Systeme und Partnernationen, was besonders im Rahmen von Multi-Domain-Operationen, also der vernetzten Zusammenarbeit über Land, Luft, See, Weltraum und Cyber- und Informationsraum, von Bedeutung ist. Durch die Möglichkeit, Over-the-Air-Updates durchzuführen, können Systeme auch während des laufenden Betriebs aktualisiert werden – ohne lange Wartezeiten.
In Deutschland arbeitet das Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr an der Entwicklung und Umsetzung von SDDSoftware Defined Defence. Der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBwCyber Innovation Hub der Bundeswehr) spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle, indem er innovative Lösungen zwischen Start-ups und der Truppe vermittelt. Seit seiner Gründung im Jahr 2017 treibt dieser Hub bedeutende Fortschritte in der digitalen Transformation der Bundeswehr voran.
Ein Beispiel für Software Defined Defence: Minesweeper
Minen bleiben auch Jahrzehnte nach einem Konflikt eine Gefahr – für Truppen wie für Zivilisten. Gerade in aktuellen Konflikten zeigt sich die Dringlichkeit moderner Multi-Sensor-Instrumente, um Minenfelder großflächig zu erkennen und sicher zu beseitigen. Hier setzt die Software Minesweeper an.
Soldaten auf der Suche nach Minen und anderen Kampmitteln im Rahmen eines Brückenbaus in Chahar Dara, Afghanistan 2009. Durch die Software Minesweeper können solche Missionen künftig nicht nur effizienter, sondern auch sicherer werden.
Bundeswehr/Alexander SchöffnerDie aktuell bei der Luftlandepionierkompanie 270 in Seedorf erprobte Software nutzt Drohnen zur Erkundung von Minensperren und kampfmittelbelastetem Gelände. Ursprünglich vom Start-up ASDRO GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung entwickelt, um mögliche Kampfmittel im Baugrund aufzuspüren, wurde die Software gemeinsam mit dem CIHBwCyber Innovation Hub der Bundeswehr und den Luftlandepionieren an die Bedürfnisse der Truppe angepasst.
Minesweeper kombiniert dabei Drohnentechnik mit Künstlicher Intelligenz. Sensoren erfassen Magnetfelder, die Software wertet die Daten aus und erzeugt präzise Karten mit markierten Minen- und Freiflächen. Zukünftig sollen weitere Sensoren integriert und eine Schnittstelle zum SitaWare Battle Management System geschaffen werden, damit Informationen nahtlos geteilt werden können. SitaWare wurde als Softwaresystem für militärische Führungs- und Informationssysteme entwickelt. Es ermöglicht eine umfassende Lagedarstellung, Planung und Datenübertragung über alle taktischen Ebenen hinweg, von der Gefechtsführung im Hauptquartier bis zum Soldaten im Einsatz. SitaWare ist bei über 50 Nationen, einschließlich der NATONorth Atlantic Treaty Organization und der Bundeswehr, im Einsatz.
Durch SDDSoftware Defined Defence erhalten auch