Der Weg zu den spezialisierten Kräften – Ein LEKE-Soldat im Interview
Datum:
Ort:
Frankenberg/Eder
Lesedauer:
1 MIN
Hauptfeldwebel Sven M.* ist seit zehn Jahren Teil von LEKE, der Luftlandefähigen Komponente für den Elektronischen Kampf zur Nahunterstützung im Einsatz. Im Interview berichtet der 37-Jährige über seinen Weg zu den Spezialisierten Kräften und was die besondere Verwendung im Cyber- und Informationsraum (CIR) ausmacht.
Aus der Fallschirmjägerei zu den LEKE-Kräften: Für Sven M.* war dies der Weg in seine Traumverwendung
Bundeswehr/Maximilian Bosse
Eine anspruchsvolle Ausbildung, kurze Alarmierungszeiten, ein mitunter gefährliches Einsatzumfeld: LEKE kommt dort zum Einsatz, wo die Fähigkeiten der „normalen“ Elektronischen Kampfführung (EloKa) ausgeschöpft sind. Schnell, leise, luftbeweglich und unentdeckt – wer hier dient, hat sich in einer Bestenauslese bewährt und darf sich zu den Spezialisierten Kräften der Bundeswehr zählen, die eng mit Spezialkräften wie dem KSK zusammenarbeiten. Sven M. ist einer von ihnen und berichtet von seinem ganz persönlichen Weg in seine Traumverwendung.
Der Weg zu LEKE
Sven, du bist seit zehn Jahren Teil von LEKE, den Spezialisierten Kräften im CIR. Wie kommt man da hin?
Bei mir war es tatsächlich so, dass ich erstmal das Kommando-Auswahlverfahren gemacht habe, dort dann aus gesundheitlichen Gründen rausgegangen bin und in Calw, dem Standort des Kommandos Spezialkräfte, erstmals Kontakt zu LEKE hatte. Ich wollte in diesen Kreis der Spezial- und Spezialisierten Kräfte bleiben, und nach Rücksprache mit meinem damaligen Chef aus der Fallschirmjägertruppe habe ich mich für LEKE entschieden – und das war auch genau richtig. Für mich ist das eine der interessantesten Verwendungen überhaupt, die man in der Bundeswehr machen kann.
Du hast einen Background bei der Infanterie, in deinem Fall bei den Fallschirmjägern. Würdest du sagen, dass das ein typischer Werdegang bei euch ist?
Früher ja. Heute müssen wir ehrlicherweise für unsere Nachwuchsgewinnung ein bisschen flexibler sein. Ziel sollte es immer sein, Leute für uns zu gewinnen, die zumindest schon teilweise eine Ausbildung in einem relevanten Bereich mitbringen. Seien das IT-Kenntnisse, EloKa-Kenntnisse oder eben ein Hintergrund aus der Kampftruppe. Das Alter spielt natürlich auch eine Rolle. Wenn ich junge Kameradinnen und Kameraden aus der Infanterie vor mir stehen habe, ist es kein Problem, diesen auch noch zeitgerecht die Kenntnisse für IT und EloKa beizubringen. Im Gegenzug haben diese dann schon einen Vorteil bei den notwendigen Belastungslehrgängen wie dem Einzelkämpfer I und II. Am Ende ist LEKE einfach viel Gelb, aber auch viel Grün (Litzenfarben der IT-, Fernmelde- und EloKa-Truppen sowie der Infanterie; Anmerkung der Redaktion). Es kommt auf eine gesunde Mischung an: Solange das Alter und das Mindset stimmen, können wir die Leute ausbilden.
Verwendung mit Perspektive
Stichwort Ausbildung: Was sind denn die wesentlichen Schritte und wie lange dauert es, bis jemand wirklich aktiv bei LEKE mitwirken kann?
In erster Linie sind wir Teil der EloKa. Wer zu uns kommt, benötigt die Feldwebellehrgänge und dann die fachspezifische Ausbildung dazu, sofern nicht ohnehin schon vorhanden. Dann wäre er oder sie grundsätzlich auch für uns einsetzbar, wenn auch begrenzt. Denn wir sind schließlich Unterstützer für die Spezialkräfte KSK und KSM. Um das zu realisieren, gehören dann noch ein paar Aufbaulehrgänge dazu, beispielsweise Fallschirmspringen, Überlebens- und Einzelkämpferlehrgänge und, ganz wichtig, weil wir autark einsatzfähig sein müssen, auch eine gewisse medizinische Befähigung. In Summe sind das nach der rund drei Jahre dauernden Feldwebelausbildung noch mal ungefähr weitere drei Jahre obendrauf, bis man wirklich voll einsetzbar ist. Das ist notwendig, um diese Unterstützerrolle wirklich wahrnehmen zu können.
Man braucht also Soldatinnen und Soldaten mit einer gewissen Erfahrung, bildet diese dann über mehrere Jahre weiter aus und erwartet dann, dass diese einen auch körperlich mitunter sehr fordernden Job übernehmen. Macht das Alter dem nicht irgendwann einen Strich durch die Rechnung?
Du kannst das so lange machen, wie du deine ärztlichen Tests bestehst. Ich selbst bin jetzt 37 Jahre alt und fühle mich bestens. Aber ganz generell sollte man den Job eben auch mit 41, 42 und darüber hinaus noch machen können, weil es eben nicht unbegrenzt Nachwuchs gibt und die Ausbildung einfach Zeit braucht. Im internationalen Vergleich sind viele Operatoren bei den Spezialkräften Anfang bis Mitte 40. Alter ist also keine Ausrede: Wer körperlich fit ist, kann auch arbeiten. Ansonsten begibt man sich in einen Bereich innerhalb unserer Bubble, in dem man nicht mehr an vorderster Front kämpft, sei es die Ausbildungsplanung oder ähnliches. Wer nicht aktiv weg will, der kann langfristig und gegebenenfalls auch bis zur Pensionierung bei uns bleiben.
Die Mischung aus „Gelb“ und „Grün“ macht für Viele die Besonderheit der LEKE-Verwendung aus. Abhören von Frequenzen im elektromagnetischen Spektrum unter Gefechtsbedingungen ist ein Beispiel hierfür.
Bundeswehr/Maximilian Bosse
Für Sven M. ist die Richtung klar: Er hat seine militärische Heimat gefunden und möchte bei LEKE weiterhin Karriere machen
Bundeswehr/Maximilian Bosse
Viel Licht, aber auch Schatten?
Du selbst bist schon viele Jahre dabei. Was waren dabei Highlights oder besondere Erlebnisse, sofern du darüber sprechen kannst?
Es ist eine super Verwendung, weil man viel mit Spezialkräften zusammenarbeitet und in die Ausbildung, Planung, Briefings und letztlich auch in die Missionen integriert ist. Direkte taktische Unterstützung der Spezialkräfte, für mich ist das eigentlich schon Highlight genug und etwas, dass uns von den „normalen“ EloKa-Kräften abhebt. Trotzdem sind wir aber auch abseits davon einsatzfähig und nehmen als Einheit auch eigene Aufträge wahr. Und diese Mischung macht es für mich aus.
Gibt es denn Schattenseiten? Ich stelle mir als Außenstehender zum Beispiel vor, dass es sicherlich einfachere Jobs in der Bundeswehr gibt, die besser mit Familie und Privatleben vereinbar sind?
Wenn man wie ich aktuell mit zusätzlicher Ausbildung bei den Spezialkräften gebunden ist, ist man natürlich zu dieser Zeit auch weniger zu Hause. Was man aber dazu sagen muss: Wir leben bei uns sehr flache Führungshierarchien. Wenn es die Auftragslage zulässt, kann man dann auch mal schon Donnerstag ins Wochenende starten oder generell sehr einfach seine Abwesenheiten abstimmen. Dadurch gleicht es sich wieder aus. Die Flexibilität hier ist enorm, wenn es der Auftrag eben zulässt. Für mich überwiegen aber eindeutig die Vorteile.
Ich bin ja schließlich hier, weil ich das machen wollte, weil ich Spezialkräfte unterstützen will. Wenn ich also in diesem Bereich „mitspielen“ will, weiß ich, dass ich gegebenenfalls mal ein paar Monate unterwegs bin. Das heißt aber nicht, dass es durchgängig so ist. Es ist einfach eine der interessantesten, für mich sogar die interessanteste Verwendung. Dafür kann ich auch mal Entbehrungen auf mich nehmen. Wer technikaffin ist und eine gewisse körperliche und geistige Flexibilität mitbringt, der ist bei uns genau richtig.