Die Bundeswehr übt den Informationskrieg
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Mayen
- Lesedauer:
- 3 MIN
Die Luftwaffe hat Kampfflugzeuge, das Heer Panzer, die Marine Schiffe. Doch welche Waffen nutzt der Cyber- und Informationsraum? Die Antwort: Informationen. In aktuellen Konflikten sind Worte oft genauso mächtig wie Waffen. Werden sie gezielt eingesetzt, können sie die Kampfkraft des Gegners schwächen, das eigene Lagebild verbessern oder die Zivilbevölkerung beeinflussen.
Schauspieler fordern die Übungsteilnehmer als demonstrierende Zivilisten heraus und sollen Reaktionen provozieren
Bundeswehr/Maximilian MaiwaldWährend früher Flugblätter aus Flugzeugen abgeworfen wurden, ist der Kampf um die Köpfe heute digital: Social-Media-Kampagnen, Deep Fakes und gezielte Fehlinformationen sind aktuelle Werkzeuge im Arsenal der Informationskrieger. Wer die Deutungshoheit über Ereignisse hat, kann die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten beeinflussen. Informationsoperationen sind daher längst integraler Bestandteil der Verteidigungsstrategie.
„Die Übung Active Vulcano zeigt, dass das Informationsumfeld als Teil aktueller Kriege und Bedrohungen immer wichtiger wird“, erklärt Oberstleutnant Heiko L., der gesamtverantwortliche Übungsplaner.
Das Übungsszenario von Active Volcano ist zwar fiktiv, orientiert sich aber an realen geopolitischen Entwicklungen. In diesem Jahr lag der besondere Fokus auf dem Trainieren der Arbeitsprozesse unter möglichst realistischen Einsatzbedingungen sowie auf der weiteren Verbesserung und Stärkung der Zusammenarbeit mit befreundeten Nationen.
„Bei unserer Übung Active Vulcano 2026 wurde dieses Jahr auch erstmalig zivile Infrastruktur als Übungsgelände genutzt. Das hilft uns, die Szenarien realistischer darzustellen und auch den Aspekt der Landes- und Bündnisverteidigung mehr zu integrieren. Dadurch konnten die Soldatinnen und Soldaten üben, sich an reale Bedingungen anzupassen, die im Ernstfall auf sie zukommen könnten“, so Oberstleutnant Heiko L.
Die Tactical Psychological Operations Teams (TPTTactical Psychological Operations Teams) unterstützen das Geschehen auf dem Gefechtsfeld und darüber hinaus. Sie sind zum Beispiel besonders geschult in der Gesprächsführung und bei Lautsprecheraufrufen, die den Gegner zur Aufgabe oder zum Überlaufen bringen sollen. TPTTactical Psychological Operations Teams setzen aber nicht nur auf Worte, sondern auch auf psychologische Täuschung. Schlafraubende Störgeräusche, Motorenlärm oder simulierte Bedrohungen sollen die gegnerische Truppe zermürben.
Dieses Jahr trainierten die TPTTactical Psychological Operations Teams in einer ehemaligen Militärliegenschaft ihre Abläufe. Eingesetzt wurden hier auch Drohnen. „Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg sehen wir, dass beide Seiten – sprich die ukrainischen Streitkräfte und die Streitkräfte der russischen Föderation – Drohnen zur eigenen Aufklärung und zur Bekämpfung von Zielen nutzen. Diese Szenarien müssen wir natürlich in unsere Techniken und Taktiken überführen und üben. Dazu haben wir Drohnen zur Feinddarstellung und zur Eigensicherung eingesetzt“, erklärt Oberstleutnant Florian M. Er ist Kompaniechef und hat mit seiner Einheit die taktische Direktkommunikation trainiert.
Die Übung Active Volcano startete als Abschluss der Offizierausbildung und hat sich mittlerweile auf ein großes internationales Umfeld ausgeweitet. Organisiert und durchgeführt wird sie vom Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr.
Ein Highlight sind die sogenannten Academics, eintägige Workshops mit Vorträgen zu aktuellen Entwicklungen in der psychologischen Kriegsführung. Zu den Themen gehören unter anderem hybride Kriegsführung in modernen Konflikten, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und der Umgang mit Fake News.
Die Bundeswehr rüstet sich für den Kampf um Informationen in einem zunehmend digitalen Informationsumfeld. Mit AV26 zeigt sie, wie moderne Konflikte dort und nicht nur auf dem Gefechtsfeld entschieden werden.
„Active Vulcano 2026 schlug gezielt die Brücke zwischen wissenschaftlicher, politischer und militärischer Expertise und stärkte so unser gemeinsames strategisches Verständnis“, sagt Oberst Thomas Böttger, Kommandeur ZOpKomBw Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr.
Drohnen sind im militärischen Umfeld nicht mehr wegzudenken. Auch während der AV26 wurden Drohnen zur Feinddarstellung und zur Eigensicherung eingesetzt.
Bundeswehr/Maximilian Maiwald
Neben den deutschen Soldatinnen und Soldaten sind auch andere Nationen mit Delegationen beteiligt. Dadurch wird die multinationale Zusammenarbeit im Feld der Operativen Kommunikation geübt.
Bundeswehr/Maximilian Maiwald
2026 fand die ganztägige Vortragsreihe „Academics“ bereits zum zweiten Mal statt. Vortragende aus verschiedenen Nationen haben dort Präsentationen in den Themenfeldern Politik, Militär und Innovation gezeigt.
Bundeswehr/Nadine Salzer
In diesem Jahr wurde auch zivile Infrastruktur als Übungsraum genutzt. Dies ist vor allem wichtig, um realitätsnah im Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung zu üben.
Bundeswehr/Maximilian Maiwald
Oberst Böttger, Kommandeur ZOpKomBw Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr, zeichnet Übungsteilnehmende aus, die besonders herausragende Leistungen gezeigt haben.
Bundeswehr/Maximilian Maiwald