Luftwaffe

Einmal volltanken bitte: Was unsere Jets wo tanken

Einmal volltanken bitte: Was unsere Jets wo tanken

  • Technik
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
5 MIN

Die fliegenden Tankstellen der Luftwaffe kennt fast jeder. Spektakuläre Bilder von A400M oder A310 MRTTMulti Role Tanker Transport, an die Eurofighter oder Tornados andocken, um in der Luft nachzutanken. Doch woher bekommen die aktuell 392 Luftfahrzeuge der Luftwaffe in Deutschland am Boden ihren Kraftstoff?

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Vor dem Shelter parkt ein Tanklastwagen, im Shelter steht der Eurofighter, der betankt wird.

Sie alle brauchen F-34, um fliegen zu können: Die Eurofighter ….

Bundeswehr/Jennifer Güngör
Ein Tornado im Shelter wird aufgetankt.

… und die Tornados der Luftwaffe, …

Bundeswehr/Falk Barwald
Ein A400M wird betankt.

… aber auch der A400M, …

Bundeswehr/Simon Otte
Ein Transporthubschrauber CH-53 wird betankt.

… der Transporthubschrauber CH-53, ….

Bundeswehr/Jerg Maier
Eine Transall wird betankt.

… die Transall und alle anderen Luftfahrzeuge.

Bundeswehr/Jennifer Güngör

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Die Antwort auf diese Frage liegt größtenteils tief unter der Erde und heißt NATO-Pipeline. Zu erkennen ist sie nur an den rot-weiß oder orange-weiß gestreiften Pfosten, die den Verlauf der Pipeline anzeigen. Aktuell verlaufen durch Deutschland rund 1.800 Kilometer dieses Rohrleitungssystems. Durch sie wird der Flugturbinenkraftstoff Jet A-1 transportiert. Er ist der Treibstoff für zivile Flugzeuge und die Basis für die militärische Variante F-34, die beispielsweise Eurofighter und Tornado benötigen.

Die Alliierten verlegten diese Pipelines schon in den 1950er-Jahren, um ihre Luftstreitkräfte schnell mit Treibstoff versorgen zu können. Insgesamt gibt es in Europa heute neun NATO-Pipeline-Systeme in insgesamt zwölf Ländern. Durch Deutschland verlaufen Teile des Central Europe Pipeline System (CEPS) und des North European Pipeline System (NEPS).

Das CEPS erstreckt sich über Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg und wird durch die USAUnited States of America mitgenutzt. Es umfasst rund 5.200 Kilometer Pipeline und 36 Tanklager, davon in Deutschland circa 1.640 Kilometer Pipeline und 13 Tanklager. Das NEPS läuft durch Schleswig-Holstein und Dänemark. Der deutsche Anteil umfasst circa 125 Kilometer Pipeline und ein Tanklager.

Karte des deutschen Anteils des CEPS und des NEPS

Diese Karte gibt einen Überblick über den von der FBG betriebenen Anteil der zwei NATO-Pipelines, die auch durch Deutschland verlaufen

FBG

Auch Ferienflieger tanken bei der NATO

Eigentümer und Betreiber des Pipeline-Netzes in Deutschland ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBwBundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr). Pflege, Wartung, Instandhaltung, Betrieb, Bewachung und Absicherung übernimmt die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft (FBG), die genau dafür 1956 gegründet wurde.

Ein Pipelineabschnitt wird in den Boden verlegt.

Die FBG mit Sitz in Bonn-Bad Godesberg hat über 300 Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass das Pipelinenetz der NATO in Deutschland reibungslos funktioniert

FBG

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Verkleinerung der Bundeswehr sank der militärische Bedarf. Zur Aufrechterhaltung der vollen technischen und personellen Einsatzbereitschaft des Systems wurde die zivile Mitnutzung des rein militärischen Pipelinesystems gestattet, im Rahmen freier Kapazitäten und unter strikter Wahrung militärischer Vorrangrechte. Damit stieg der Anteil ziviler Mitnutzer stetig. Er liegt heute bei 90 Prozent. So erhalten die Flughäfen Frankfurt am Main und Köln/Bonn einen Teil des Kerosins für die dort zu betankenden Flugzeuge direkt über die NATO-Pipeline. Darüber hinaus werden über das CEPS unter anderem die Flughäfen München, Berlin-Schönefeld, Leipzig und Stuttgart sowie in der Schweiz der Flughafen Zürich mitversorgt.

Unterirdisch umweltfreundlich

„Eine Pipeline ist das umweltfreundlichste Transportmittel, das es gibt“, sagt Christian Jonnas, Business Director der FBG und Oberst der Reserve beim Kommando Heer. „Der Betrieb funktioniert praktisch emissionsfrei und entlastet die Straßen von Gefahrgut-Transporten.“

Durch die Leitungssysteme läuft reines Jet A-1. 2019 waren es insgesamt fünf Millionen Kubikmeter. Jonnas: „Allein eine Million davon ist an den Flughafen Zürich gegangen, der das Kerosin per Eisenbahnkesselwagen von Kehl aus erhält.“

An einer Befüllstation stehen rechts und links Eisenbahnkesselwagen, die über Schläuche mit Jet A-1 befüllt werden.

In Kehl und Bramsche betreibt die FBG zwei Eisenbahnkesselwagen-Befüllanlagen

FBG
Die blau-weiße Diesellok der FBG rangiert einen Eisenbahnkesselwagen.

Neben den zwei Befüllanlagen für Eisenbahnkesselwagen betreibt die FBG elf Anlagen für Tankkraftwagen

FBG

Der Zusatz macht’s: Aus Jet A-1 wird F-34

Doch wie wird aus Jet A-1 der Treibstoff für die Bundeswehr-Flieger? F-34 unterscheidet sich vom zivilen Treibstoff Jet A-1 durch verschiedene chemische Zusätze, sogenannte Additive. Einer davon ist der Fuel System Icing Inhibitor (FSII). Er verhindert, dass sich in den Kraftstofftanks und -leitungen Eiskristalle bilden. Denn im Gegensatz zu zivilen Linienflugzeugen besitzt beispielsweise der Eurofighter keine beheizten Treibstofftanks. Weitere Zusätze verringern die Korrosion in den Tanklagern und erhöhen die Leitfähigkeit.

Diese Zusatzstoffe setzt die FBG an verschiedenen Verteilerstationen und Schiebekammern über Dosieranlagen zu und kontrolliert alles genau. Jonnas: „Wir haben ein eigenes Labor in Idar-Oberstein, das die Spezifikation jeder einzelnen Charge vor der Abgabe prüft.“

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In einer Halle sind viele sich verzweigende Rohre zu sehen.

In Verteilerstationen, wie hier in Zweibrücken, wird das Jet A-1 in die verschiedenen Pipelines geleitet. Hier werden auch die Proben entnommen und die Molche, von denen weiter unten noch die Rede sein wird, in das Rohrleitungssystem eingebracht.

FBG
Ein Mann mit Warnjacke steht auf einem Eisenbahnkesselwagen und zieht eine Probe aus der Öffnung.

Die FBG kontrolliert das von ihr beförderte Produkt regelmäßig, bevor es an die Kunden abgegeben wird. Die Proben, die wie hier entnommen werden, …

FBG
Eine Frau im Laborkittel fühlt eine Flüssigkeit in ein großes Reagenzglas.

… kommen dann in das FBG-eigene Labor in Idar-Oberstein und werden nach den gesetzlichen Anforderungen genau untersucht, unter anderem auf Wassergehalt und Sedimente.

FBG

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Tankstelle NATO-Pipeline

Wenn der Flugturbinenkraftstoff F-34 in den Tank eines Eurofighters, Tornados, A400M oder einer CH-53 kommt, hat er also schon einen langen Weg hinter sich. Denn jeder deutsche Militärflugplatz erhält seinen Treibstoff über das Pipeline-System der NATO, sei es durch einen direkten Anschluss oder indirekt, also per Straßentankwagen oder Eisenbahnkesselwagen.

Beim Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf beispielsweise kommt das F-34 mit Eisenbahnkesselwagen aus Bramsche ins zentrale Tanklager. Von da aus wird es in Flugfeldtankwagen zum Flieger gebracht. Dabei werden für einen A400M fast zwei Flugfeldtankwagen-Füllungen gebraucht, denn der große Transportflieger fasst maximal 50 Tonnen F-34. Das entspricht etwa 60.000 Litern.

Ein Flugfeldtankwagen steht an einem A400M, der Tankschlauch ist verlegt.

Um einen A400M vollzutanken, braucht es nicht nur einen, sondern zwei Flugfeldtankwagen

Bundeswehr/Simon Otte

Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau mit seinen Eurofightern hat einen direkten Anschluss an die Pipeline. Hier wie an allen anderen Militärflugplätzen ist für das Betanken der Luftfahrzeuge eine sogenannte Teileinheit POLPetroleum, Oil and Lubricants verantwortlich. POLPetroleum, Oil and Lubricants steht für Petrol, Oil, Lubricants, zu Deutsch: Kraftstoffe, Öle, Schmierstoffe. In Neuburg gehören 29 Leute zur Teileinheit POLPetroleum, Oil and Lubricants, darunter Betriebsstofffeldwebel, Kraftfahrer, Chemielaboranten und Tankanlagenmechaniker. „Wie sind die Ansprechpartner für alles, was mit F-34, Diesel, Ölen und Fetten im Geschwader zu tun hat“, erklärt Oberfeldwebel Alexander Nowak, Betriebsstofffeldwebel und gelernter Logistikmeister.

Zwei POL-Soldaten stehen hinten am Flugfeldtankwagen.

Die zwei kleinen Flugfeldtankwagen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 fassen je 14.500 Liter, die sieben großen je 33.000 Liter

Bundeswehr/Niclas Kottner
Ein Eurofighter wird in seinem Shelter betankt.

Durch den angedockten Schlauch laufen dann bis zu 7.000 Liter F-34 in den Jet. Dann ist er vollgetankt.

Bundeswehr/Jennifer Güngör

Damit alle Eurofighter genügend Treibstoff haben und auch Gastmaschinen versorgt werden können, meldet die Gruppe wöchentlich ihren Bedarf an F-34 beim Logistikzentrum an. „Wir haben auch ein Fliegerhorst-Kleinlabor, das für die Qualitätsüberwachung unerlässlich ist“, so Nowak. „Bei Auslandseinsätzen ist das benötigte F-34 nicht immer verfügbar. Somit gehört es zum Aufgabenbereich POLPetroleum, Oil and Lubricants, durch eine Dosieranlage die speziell benötigten Additive beizumischen und im Anschluss die Qualität zu kontrollieren.“ Wie das zum Beispiel bei der Verstärkung Air Policing Baltikum in Ämari abläuft, erklärt dieser Artikel.

Was macht der Molch in der Pipeline?

In Deutschland ist die FBG nicht nur für die richtige Mischung des militärischen Kraftstoffes und den Transport zuständig, sie prüft auch regelmäßig den Zustand der Pipelines. Grundsätzlich sind Pipelines sichtgeschützt und es gibt keine Witterungseinflüsse. Gegen ihren größten Feind, den Rost, sind sie mit einem Korrosionsschutz ummantelt. Durch die Leitwarte in Idar-Oberstein wird das Leitungssystem rund um die Uhr überwacht, insbesondere hinsichtlich eines Druckabfalls. Die „innere“ Kontrolle erfolgt regelmäßig mit sogenannten Molch-Läufen.

Großaufnahme eines Reinigungs- oder Inspektionsgeräts für Pipelines, der Molch genannt wird.

So sieht ein Reinigungs- oder Inspektionsgerät für Pipelines aus, ein sogenannter Molch. Auf Englisch heißt es Pipeline Inspection Gadget, abgekürzt PIG.

FBG
Acht aneinander gekoppelte Molche liegen auf einer Wiese.

Wenn so eine Molchkette durch die Pipeline geschickt wird, um sie zu prüfen oder zu reinigen, nennt man das molchen, auf Englisch ist es pigging

FBG

Ein Molch ist ein Reinigungs- oder Inspektionsgerät mit Sensorköpfen. Jonnas: „Jeder Molch hat in etwa den Durchmesser eines Fußballs. Von ihnen werden mehrere hintereinander gekoppelt und dann durch die Pipeline geschickt, um Wandstärken zu prüfen und Normabweichungen zu finden. Es gibt auch Kalibrierungsmolche, die unter anderem Dellen in der Pipeline finden und andere, die die Pipeline reinigen, wie ein Pfeifenreiniger.“

Muss ein Abschnitt repariert oder stillgelegt werden, wird Stickstoff eingeleitet, um die Pipeline zu leeren. Die Angehörigen des Spezialpionierregiments 164 „Nordfriesland“ der Streitkräftebasis unterstützen die FBG auf Anforderung bei Bau- und Wartungsarbeiten und helfen, Störungen und Schäden zu beseitigen.

von Stefanie Pfingsten

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