So läuft die Namensfindung für militärische Übungen
Militärische Übungen tragen ihre Namen nicht zufällig. Initiator, Art und Zweck bestimmen den Übungsnamen – aber nicht immer. Ein Einblick.
Landen, Sichern, Betreiben – und das Ganze unter einsatz- und kriegsnahen Bedingungen: Um nichts Geringeres ging es bei der diesjährigen Übung Friesischer Löwe. Dieser Aufgabe stellten sich rund 400 Männer und Frauen aus dem Objektschutzregiment „Friesland“, das mit seinem Fähigkeitsspektrum in der Luftwaffe einzigartig ist.
Der Truppentransport – hier mit dem A400M – war eines der Übungsszenarios beim Friesischen Löwen 2026
Bundeswehr/Max-Joseph KronenbitterTruppenbewegungen jenseits der Grenze zum fiktiven Staat Danskland, Aufmarschaktivitäten und Drohnensichtungen im Bereich kritischer Infrastruktur – schon in den Tagen vor Beginn der Übung Friesischer Löwe 2026 wurden die Vorwarnzeiten herabgesetzt und die NATO-Bereitschaftsstufen erhöht. Als die Übung beginnt, ist es Zeit für die Alarmierung der Objektschutzkräfte der Luftwaffe aus Schortens.
Fahrzeugkolonnen setzen sich auf vorher erkundeten Wegen in Marsch, parallel erfolgt der luftgestützte Material- und Personaltransport. Das Ziel des Luftumschlags: eine sogenannte Bare Base, also ein rudimentärer, unter Bedrohungslage stehender Flugplatz, auf dem es nicht viel mehr als eine Start- und Landebahn gibt. „Im Prinzip müssen wir für den Betrieb alles dorthin verlegen – vom Flugbenzin bis zum Sanitätsmaterial, von der Verpflegung bis zur Munition“, berichtet Hauptfeldwebel Michael S.*, der sich um die Einsatzlogistik kümmert. Geschützt werden die Einsatzlogistikkräfte durch die spezialisierten infanteristischen Objektschützer.
„Mit unserem breit gestreuten Fähigkeitsprofil verstehen wir uns als das Schweizer Taschenmesser der Luftwaffe“, berichtet Oberstleutnant André Knappe nach der kürzlich zu Ende gegangenen Übung Friesischer Löwe 2026. Er ist Kommandeur des Objektschutzregiments „Friesland“.
Der diesjährige Schwerpunkt der regelmäßig stattfindenden Verbandsübung lag auf der fliegenden Luftwaffe. „Wir wollen möglichst viel Flugbetrieb realisieren, und das unter einem kriegsähnlichen Bedrohungsszenario“, so Knappe. Dies bedeute, Routineabläufe aus dem Friedensbetrieb zu hinterfragen und stattdessen möglichst nah an Kriegsbedingungen zu operieren. Dazu gehöre auch, die Grenzen des Risikomanagements auszuloten.
Der Friesische Löwe diente gleichzeitig dazu, Dispersed Operations zu trainieren. Damit ist die schnelle Verlegung auf andere, durchaus auch zivil genutzte Flugplätze gemeint, um die Verwundbarkeit am Heimatstandort zu minimieren.
„Brand im Gebäude, Person vermisst“ – so lautete die Alarmmeldung für die Brandschützer in einer der eingespielten Lagen während der Übung Friesischer Löwe 2026
Bundeswehr/Max-Joseph KronenbitterBis zu 20 Flugbewegungen – vom Hubschrauber EC 135 über die Transportmaschinen A400M und C-130J bis zum Eurofighter – wickelten die Objektschützer weitestgehend unabhängig von lokalen Kräften täglich ab. Die Kommunikation und der Betrieb der als Landezone betriebenen Piste erfolgte dabei durch die sogenannten Air Land Integration Operator (ALI Operator) des Objektschutzregiments.
Betankt wurden die Luftfahrzeuge teilweise mit laufenden Triebwerken. Auch die Brandschützer entlang der Startbahn hatten samt ihrer schweren Tanklöschfahrzeuge aus Schortens hierher verlegt. Immer wieder wurden verschiedene Lagen in die Übung eingespielt: ein Gebäudebrand, ein Kampfmittelfund, eine verunfallte Person oder ein infanteristischer Angriff auf den Flugplatz, der mit Unterstützung der Diensthundeführer abzuwehren war. Die Verpflegung erfolgte ganz einsatznah mittels Einpersonenpackungen (EPa), und geruht wurde auf Feldbetten in Flugzeughallen.
Übungserfolge hatten aber nicht nur die Objektschützer zu verzeichnen, sondern auch die beteiligten Geschwader der Luftwaffe. Das Wunstorfer Lufttransportgeschwader 62 flog erstmals eine mobile Fanganlage im A400M, die deutsch-französische Super-Herkules-Staffel aus Évreux zeigte, was es bedeutet taktisch zu fliegen, und die Eurofighter-Piloten vom Taktischen Luftwaffengeschwader 73 aus Laage nutzten die Gelegenheit, sich vom Joint Terminal Attack Controller (JTAC), dem Fliegerleitoffizier, zum Ort der angeforderten Luftnahunterstützung lotsen zu lassen.
*Name zum Schutz der Person abgekürzt
von Max-Joseph Kronenbitter