Streitkräftebasis

Nach der Katastrophe: Helfen, da wo Not herrscht

Nach der Katastrophe: Helfen, da wo Not herrscht

  • Amtshilfe
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Nordrhein-Westfalen
Lesedauer:
3 MIN

Die Flutwelle und das Hochwasser hinterließen eine Spur der Verwüstung in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Menschen machen sich ans Aufräumen und an den Wiederaufbau. Ohne Behörden, Hilfsorganisationen, freiwillige Helfer und die Bundeswehr ist diese Mammutaufgabe nicht zu schaffen. Die Bundeswehr hilft, so lange wie es nötig ist.

Blick über ein Trümmerfeld auf Fahrzeuge der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks.

Hand in Hand mit den Hilfsorganisationen und lokalen Behörden hilft die Bundeswehr den Flutopfern. Die Truppe ist in der betroffenen Region im Amtshilfe-Einsatz.

Bundeswehr/Patrik Bransmoeller

Auch eine Woche nach dem verheerenden Hochwasser sind viele Orte der betroffenen Regionen noch ohne Strom, Trinkwasser, Nahrungsmittel und Internet. Die Infrastruktur ist in großen Teilen zerstört, Straßen unpassierbar. Die Flüsse und Nebenflüsse in der Eifel und den umliegenden Gebieten in Nordrhein-Westfalen sowie Rheinland-Pfalz waren nach tagelangem Starkregen über die Ufer getreten. Sie rissen – teils in reißende Ströme verwandelt – alles mit, was im Weg stand. Viele Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Die Bundeswehr ist nunmehr in einem weiteren Amtshilfe-Einsatz und packt dort an, wo Hilfe gebraucht wird.

Sicheres Trinkwasser

Soldaten an einer Wasseraufbereitungsanlage

Trinkwasser ist ein hohes Gut. Vor allem in Krisenzeiten. Spezialisten der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr bereiten Trinkwasser zu. Der nationale Territoriale Befehlshaber, Generalleutnant Martin Schelleis, informiert sich im Katastrophengebiet.

Bundeswehr/Patrik Bransmöller

Wie etwa in Bad Münstereifel. In der mittelalterlichen Altstadt hat die sonst so friedlich dahinfließende Erft massiven Schaden angerichtet. Häuser sind zerstört, Brücken weggerissen worden. Darüber hinaus ist die Trinkwasserversorgung im Kreis Euskirchen vielerorts eingeschränkt. Hier helfen 14 Soldatinnen und Soldaten der 3. Kompanie des ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrbataillons 750 aus Bruchsal in Baden-Württemberg. Sie haben in der Eifel zwei Wasseraufbereitungsanlagen aufgestellt. Im Schichtdienst können die Spezialisten der Streitkräftebasis 3.200 Liter Trinkwasser pro Stunde herstellen. „In derselben Qualität, wie es die Menschen von der ‚normalen‘ Versorgung her gewohnt sind“, erklärt Truppführer Hauptfeldwebel Klaus W. Dazu saugt seine Mannschaft Wasser aus der Erft und pumpt es zur sogenannten Umkehrosmose mit Druck durch die beiden Anlagen, wo es mehrfach gefiltert wird. Mitarbeiter der Stadt Bad Münstereifel holen das schließlich in Beutel abgefüllte Trinkwasser ab und stellen es an der Verteilerstation der Bevölkerung und den Hilfskräften zur Verfügung.

Mahlzeit!

Szene an einer Feldküche, Essensausgabe.

Eintopf aus Freiburg im Breisgau: Soldaten vom Deutsch-/ Französischen Versorgungsbataillon versorgen die Menschen mit Essen. Die Feldküchen können unabhängig von Stromversorgung betrieben werden.

Bundeswehr/Nathalie Poulheim

Rund 30 Kilometer entfernt im Örtchen Flamersheim ist immer noch kein Strom vorhanden. Die Häuser standen größtenteils auch im Erdgeschoss unter Wasser. Küchen und Kochgerätschaften sind daher hier und in den Nachbarorten Mangelware. Stabsunteroffizier Pascal Zander hat darum mit zwei Feldküchen der ersten Kompanie des Deutsch-/Französischen Versorgungsbataillon aus Müllheim bei Freiburg im Breisgau Stellung bezogen. Mit einem Team aus sechs Soldaten können bis zu 1.000 Menschen mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden. Die „Kundschaft“ besteht aus der betroffenen Bevölkerung und den eingesetzten Hilfskräften. „Wir bieten Schöpfgerichte an“, erklärt Feldkoch Zander, „also Eintöpfe und Suppen.“ Diese sind schnell zuzubereiten, enthalten aber wichtige Nährstoffe und Vitamine, um die Menschen bei Kräften zu halten. Die Zutaten sind trotz der Lage frisch und von hoher Qualität, so dass die Mahlzeit nicht nur gesund ist, sondern auch schmeckt. Die Bevölkerung ist für diese Hilfe sehr dankbar und kann sich die Rationen mit eigenen Behältern abholen.

Wegbereiter

Eine militärische Brücke überspannt einen Fluss, im Hintergrund ein betroffener Ort.

Eine Panzerschnellbrücke „Biber“ überspannt die Ahr. Die Pioniere aus Minden befestigen die Zufahrten.

Bundeswehr/Jens Schmidthaus

Rech liegt an der Ahr in Rheinland-Pfalz. Normalerweise ist die Gemeinde ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel, gemeinsam mit dem Nachbarort Mayschoß. Doch von Normalität sind die Menschen im Ahrtal seit Tagen weit entfernt. Im Landkreis Ahrweiler hat das Hochwasser besonders heftige Spuren hinterlassen und sogar Todesopfer gefordert. Hier sind es vor allem die Verkehrswege, die zur Versorgung und Rettung der Menschen ertüchtigt werden müssen. 53 Soldatinnen und Soldaten des Panzerpionierbataillon 130 aus Minden sind in den beiden Ortschaften im Einsatz. Die 2. Kompanie rückte mit schwerem Gerät an: Bagger, Tieflader, Raupen, Radlader und LKWs wurden schnell herbeigeschafft. Besonders wichtig sind die Panzerschnellbrücke Biber und der Pionierpanzer Dachs aus dem Portfolio der Spezialisten. So ersetzt nun eine Kriegsbrücke die zerstörte Brücke von Rech. 20 Meter breit überspannt sie die langsam zur Ruhe kommende Ahr. Dazu tragen die Pioniere gemeinsam mit Hilfsorganisationen und zivilen Baufirmen an beiden Ufern Erdreich ab und befestigen sie mit Kies. Dabei verarbeiten sie sogleich den vielen Schutt, um gleichzeitig eine behelfsmäßige Zufahrt zur Bundesstraße 267 zu schaffen. „Diese ist im Bereich der Ortschaften stark zerstört“, erläutert Hauptmann Lukas Schöps, stellvertretender Kompaniechef, die Baumaßnahmen. Über einen alten Bahndamm führen seine Frauen und Männer die Behelfsstraße an die intakten Teile der Bundesstraße heran. „Das nimmt noch etwas Zeit in Anspruch, aber wir kommen gut voran.“ Damit werden die Versorgungswege in die beiden Ortsteile erheblich verkürzt. Bisher musste auf die umliegenden Wald- und Feldwege sowie die Weinberge ausgewichen werden. Fußgänger können die Ahr inzwischen über einen Schützenschnellsteg überqueren, der in unmittelbarer Nähe zur „Biberbrücke“ angelegt wurde.

von Ralf WIlke  E-Mail schreiben

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