Flaggengruß und Zapfenstreich: Brauchtum der Bundeswehr

Warum legen Soldaten zur Begrüßung die Hand an die Mütze? Warum wird „Zapfenstreich“ befohlen? Weil beides und vieles andere zum Brauchtum der Bundeswehr gehört. Doch was ist der Unterschied zwischen dem Brauchtum der Bundeswehr und ihrer Tradition?

Ein Soldat in Rückenansicht legt grüßend die Hand an die Mütze
Bundeswehr/Sebastian Wilke

Brauchtum der Bundeswehr und Tradition: Hülle und Kern

Die Bundeswehr und das Soldatenleben sind tief von Brauchtum geprägt - doch kaum einer weiß es: Zum Beispiel gehören der militärische Gruß, die Uniform oder das Feierliche Gelöbnis zum Brauchtum der Bundeswehr. Ohne sie wäre es nicht die Bundeswehr, die wir kennen.

Mehrere Soldaten in Formation angetreten

Das Wachbataillon in der Uniform der Luftwaffe. Über dem blauen Dienstanzug tragen die Soldaten und Soldatinnen das so genannte Weißzeug. Die Lederkoppel wird zu protokollarischen Anlässen wie zum Beispiel bei Staatsempfängen getragen.

Bundeswehr/Jane Hannemann

Vielfach herrscht Unwissen über die Fülle des Brauchtums der Bundeswehr, da es fälschlicherweise oft mit Tradition gleichgesetzt wird. Aber: „Viele überlieferte Formen, Sitten und Gepflogenheiten sind nicht Tradition, sondern Brauchtum, also militärische Gewohnheiten und Förmlichkeiten“, so der Traditionserlass der Bundeswehr. Tradition ist der „Kern der Erinnerungskultur der Bundeswehr“ und des „werteorientierten Selbstverständnisses.“ Ein Brauch transportiert jedoch keinen Wert, auch im Brauchtum der Bundeswehr steht vielmehr die Form vor dem Inhalt: „Tradition hat einen Kern aus Werten. Brauchtum ist bloße Hülle“, fasst Oberst im Generalstabsdienst Dr. Sven Lange aus dem Verteidigungsministerium zusammen. Tradition müsse einen Wertebezug haben wie „Freiheit, Demokratie oder Rechtsstaatlichkeit“, so der Historiker in der Abteilung Innere Führung.

Ein Soldat im Porträt
Oberst i.G.im Generalstabsdienst Dr. Sven Lange
Tradition hat einen Kern aus Werten. Brauchtum ist bloße Hülle.

Brauchtum: Orientierung und Halt

Eine Soldatin in Rückenansicht beim Flaggengruß, dahinter bläst ein Soldat in eine Bootsmannspfeife

Marinesoldaten tragen unterschiedliche Uniformen. Ein Offizier in Einsatzuniform grüßt die Heckflagge des Schiffes. Der Unteroffizier in Khaki gibt dazu eine Seite, ein Signal mit seiner Bootsmannmaatenpfeife, wenn ein Offizier an Bord kommt.

Bundeswehr/Marcus Rott

Uniformen: Kleider machen Leute

Angetretene Bundeswehrsoldaten

Beim Heer lassen die Farben der Litzen an den Uniformen sofort die Profession der Soldaten erkennen: Grün trägt die Infanterie, wie hier angetretene Panzergrenadiere aus Frankenberg

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Aus der Vergangenheit bis heute: Militärischer Gruß

Ein Soldat grüßt mit gestreckter Hand am Barett

Militärisch zu grüßen, bedeutet Respekt zu zeigen. Es ist wichtig, korrekt zu grüßen: Die Finger sind durchgestreckt und die Handfläche leicht nach außen gedreht. Unterarm und Hand bilden eine Linie, wenn die Finger zur Stirn geführt werden

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Ritual und Zeremonie: Feierliches Gelöbnis und Großer Zapfenstreich

Soldaten mit Fackeln bei Nacht

Die Soldaten des Wachbataillons tragen Fackeln beim Großen Zapfenstreich in der Nacht. Ihr Dienstanzug orientiert sich am Kieler Matrosenanzug, ein Brauchtum, das auf die lange Geschichte und Wurzeln der Deutschen Marine verweist.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Weitere Beispiele für Brauchtum der gesamten Bundeswehr sind das Feierliche Gelöbnis und der Große Zapfenstreich. Doch hier fließen Brauchtum und Tradition ineinander. Der Brauch des Gelobens ist zu einer Tradition geworden, da er auf Werte verweist, wie Recht und Freiheit. Das Gelöbnis und sein festgelegter Ablauf sind rituelles Brauchtum: Ein Ritual markiert das Überschreiten einer Schwelle in der Entwicklung. Beim Gelöbnis werden Rekruten in die Gemeinschaft der Soldatinnen und Soldaten aufgenommen. Obwohl Eid und Gelöbnis für den Rechtsstatus keine Bedeutung mehr haben, ist das Gelöbnis unverändert ein Zeichen für die Aufnahme in die militärische Gemeinschaft und für die freiwillige Übernahme soldatischer Pflichten. Jede Soldatin und jeder Soldat der Bundewehr schwört oder gelobt, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

Der Große Zapfenstreich ist das höchste Zeremoniell der deutschen Streitkräfte. Hier tritt die Truppe gemeinsam an, um einen verdienten Amtsträger zu seinem Dienstende zu ehren. Seinen historischen Ursprung hat das in der Zeit der Landsknechte, als der „Profos“ mit seinem Säbel über den Zapfhahn der Bier- und Weinfässer strich und damit symbolisch den Ausschank beendete und Nachtruhe befahl. Seine feierlich-festliche Form erhielt der Große Zapfenstreich im 19. Jahrhundert.

Brauchtum im Wandel der Zeit

Angetretene Soldaten vor dem Ehrenmal der Bundeswehr

Das Wachbataillon ist vor dem Ehrenmahl der Bundeswehr angetreten. Seit 2009 wird hier der Soldaten und zivilen Angestellten gedacht, die ihr Leben im Dienst für die Bundesrepublik Deutschland verloren haben.

Bundeswehr/Jane Schmidt

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