Zurück in Deutschland

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  • Gottesdienst
  • Evangelische Militärseelsorge
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Dass symbolträchtige Gegenstände in Gottesdiensten und Andachten eine Rolle spielen, ist in der Militärseelsorge nicht selten. Dass solche Dinge aber noch verpackt sind, schon. Die Bestandteile aus dem „Haus Benedikt“, das seit 2007 im Camp Marmal ein Ort der Ruhe und Besinnung und zahlreicher Gottesdienste und Veranstaltungen - nicht nur der deutschen - Militärseelsorge gewesen ist, sind gewissermaßen auf der Durchreise und darum noch verpackt. Am Dienstag, dem 06.07.2021 begrüßten Soldatinnen und Soldaten aus dem Einsatzführungskommando sie nun auch mit einer kurzen Andacht - auf dem Hof des Außenlagers, unter strahlend blauem Himmel und von  besinnlichen Gitarrenklängen begleitet.

Die Glocke des Hauses Benedikt

Die Glocke des Hauses Benedikt

Bundeswehr

Es handelt sich um den steinernen Türrahmen des Hauses Benedikt mit der Aufschrift „Omnia Gratia Dei“ und um den Altarstein, gewissermaßen das „Herz des Hauses“. Diese Bauteile sollen - so wird es gerade geplant und geprüft - in einer Replik des Hauses Benedikt ihren Platz finden. Und dazu gesellt sich die Glocke, die 2006 zunächst in Kabul im Camp Warehouse, ab 2007 dann im Camp Marmal in Mazar-e Sharif ihren Dienst tat. Sie wird - dem Willen ihrer Stifter entsprechend - wieder in einen Einsatz gehen, wenn es möglich ist, nach Mali.

Der evangelische Einsatzdekan Bodo Winkler bedankte sich zunächst bei den vielen an dieser Rückführung beteiligten Soldatinnen und Soldaten: für die Anregung zur  „Rettung“ dieser Dinge und für die gelungene Durchführung.

„Es hätte auch ohne diese Originalteile gehen müssen ...„, sagte Winkler, aber es ist ein großartiges Zeichen, dass sie erhalten werden: „Man muss ja gar nicht besonders religiös sein, um zu spüren, dass auch Dinge etwas von Geist und Bedeutung aufnehmen und wieder ausstrahlen können.“ Wichtig sei vor allem, wofür diese Dinge stehen: für sehr viel menschlichen Einsatz und innere Bewegung.

Bei allein 160 000 deutschen Soldatinnen und Soldaten: So viele Menschen haben eine tief ernsthafte Geschichte mit diesem Afghanistaneinsatz, und unendlich viele einzelne Geschichten und Erinnerungen sind damit verknüpft!

Militärdekan Bodo Winkler stellte in seiner Andacht das Wort „Dank“ obenan: einen Dank dafür, dass es in dieser langen Einsatzzeit auch viel Behütung und Bewahrung gegeben hat, und dass nun alle unsere Soldatinnen und Soldaten wieder zuhause sind. „Aber auch ein solcher Dank kann nicht ohne großen Ernst und ohne Trauer  ausgesprochen werden - über alle, die ihr Leben gelassen oder die Verletzungen an Leib und Seele davongetragen haben.“, sagte Winkler weiter. Die Bauteile aus dem Hause Benedikt gehören darum in eine Reihe mit dem Gedenkstein, der schon im Juni aus dem Ehrenhain im Camp Marmal nach Deutschland geholt wurde. „Es ist der Blick auf diesen - wichtigsten! - Stein, der jede allzuleichte Rede von Erfolgen oder gar von einem Sieg ... und jedes billige 'Vorwärts-nur weiter so!' verbietet. Gedenksteine erwidern den Blick auf sich: nur die sehr ernsthafte, ehrliche, gründliche und differenzierende Prüfung von Absichten und Wirkungen und von Zielen und Wegen unserer Auslandseinsätze hält diesem Blick stand.“

Das Kerzenlicht, das der Militärdekan unter Segensbitten zum Schluss auf dem Türsturz entzündete, sollte auch dafür stehen: „... für die Hoffnung auf gutes - und immer besseres (!) - Gelingen aller Bemühungen um Frieden und Menschlichkeit inmitten unserer gefährdeten und so oft widersprüchlichen Welt.“

von Militärseelsorge 

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