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Evangelisches Militärpfarramt Büchel

Das Evangelische Militärpfarramt Büchel ist zuständig für die Standorte Andernach, Büchel (Alflen), Cochem-Brauheck, Ulmen, Willich und zugehörig zum Militärdekanat Köln.

In Johannes 19, 17 ff steht: Jesus trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten…

Jesus sprach: „Es ist vollbracht!“ Und neigte das Haupt und verschied. Dieses Sterben ist uns nah, es ist für uns getan! Jesus hat die Menschen die Kunst zu leben gelernt. Die gipfelt in der Zuversicht, dass etwas vollbracht ist, wenn es Zeit ist. Was ist von Jesus vollbracht? Jesus hatte eine ganz einzigartige Nähe zum Schöpfer aller Dinge. „Ich und der Vater, wir sind Eins“, hat er gesagt. „Wenn ihr mich seht, seht ihr ihn, also schaut durch mich hindurch den himmlischen Vater“ (Joh. 10,30). Wenn Gott so ist wie Jesus tat und redete, - dann ist der Kern der Wirklichkeit Kraft und Güte. Dann heilt Jesus, weil Gott nicht krankmacht. Er vergibt, weil der Grund der Welt verzeiht. Er ergänzt, weil Gott nährt, stärkt, wachsen macht. Jesus zeigt das richtige Leben vor, zeigt die Struktur des Lebendigen. Er ist Zeuge und Bürge für das Wesentliche. Und das ist teilen: Anteil geben, Anteil nehmen. Das ist der Rhythmus des Lebens: Geben, nehmen – das ist Gottes Puls. Jesus vollbringt, bringt ins Ziel einen Lebenslauf, der mit Gott im Zusammenhang bleibt.

Warum endet Jesu Erdenweg am Kreuz – warum darf er nicht alt und lebenssatt sterben, warum wird er umgebracht? Jesus streut Güte und Freude aus, aber wird umgebracht.

Es ist eine Habgier und Mordlust in der Menschheit bei aller Heiligkeit, – triumphieren, überlegen sein, mehr vom Kuchen abgekommen wollen, Andern abjagen Hab und Gut und Ehre, Andere zu Diensten zwingen. Es ist Schatten eingemengt in unser Wünschen. Und wenn wir den nicht beherrschen, dann werden wir zerstören. Jesus erleidet dies Zerstörtwerden leibhaftig, aber will sich von dem für – Gott – Zeuge – sein nicht abbringen lassen. Jesus hält für mich den dunklen Gott aus. Jesus hätte auch sagen können: „Wenn Gott zulässt, dass ich umgebracht werde, dann ist er armselig oder nicht existent.“ Aber Jesus hält an Gottes Hand fest, auch wenn daraus ihm alle Wärme gewichen ist. „Auch wenn ich gleich nichts spüre von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht“. Das kann Jesu Seelencode gewesen sein. Daraus erwächst ihm Kraft zu einer letzten erhellenden Kraft. Sie ist der Schlüssel, der Quellcode, diese unsere Wirklichkeit zu bestehen. Da, die Söldner, die tun was ihnen aufgetragen ist, und nach getaner Arbeit würfeln sie um die Habseligkeiten; da die Befehlshaber, die unsicher ihres Amtes walten und nach Hause wollen; da, die Gaffer; da die Leere – denn die Jünger, die Mitstreiter sind lange geflohen. Aber da, sein Lieblingsjünger Johannes und seine Mutter unter dem Kreuz. Jesus wendet sie zueinander, widmet sie einander, vertraut sie einander an, rückt sie in die Stellvertretung.

Jesus weist den Johannes an, seiner statt den Platz an, der Maria zur Seite. Und Maria bekommt einen anderen zum Sohn. Nicht verdrängen die Lebenden die Toten. Das neue Verhältnis hat das alte in sich, aber die Lebenden müssen noch weiter, müssen sich noch entwickeln lassen. Sie sollen die Zeit zusammen bestehen, für einander da sein und miteinander für Andere.

Vollbracht ist an Karfreitag Jesu mustergültiges Leben. Ihm können wir abschauen, wie man durch die Zeit kommt – nimmt sie als Wegzeit mit dem begleitenden Helfer und Heiler. Gott will uns als Freudens- und Leidensgefährten. Er ist noch am Auswickeln seiner Schöpfung, die noch schmerzt und Gram dabei hat. Doch das Leid, der Kummer muss dich nicht mit hornigem Schild umgeben, dich nicht in einen Panzer der Abgewandtheit einschließen. Dir soll die Ahnung vom Geliebtsein wieder wachsen. Lass dich als Gefährten zu Seite stellen, lass dir Gefährten geschehen. Und auch wirst was vollbracht haben, mit dem du dich sehen lassen kannst. Auch dir und mir ist Ostern im Werden – in Gottes Anfangen bleiben wir verwoben immer und immer.

Ostern ist logisch

Die Wucht von Ostern ist anschaulich, jedenfalls bei uns, in der aufbrechenden Natur, die aufgesprengten Knospen der Kastanien, die bockbeinigen Osterlämmer, die bunten Vorgärten bedeuten: Hier endete Altes, hier ist Neues im werden. Hier ist Aufbruch zu sonnengelber Freude.

Wir Christen sehen dies Knacken des Todes in Jesu Auferstehung passiert. Wie keiner sonst hat Jesus begeistert und glühend von Gottes Liebe gesprochen, hat Andere in sie hineingezogen. Wenn nicht er – wer sonst – bleibt an Gottes Seite. Das geht gar nicht anders, wenn Gott der Liebe voll ist. Nur – das – bei – Gott – bleiben des Jesus, wie konnte es uns Menschen sichtbar werden. „In Deine Hände befehle ich meinen Geist“, hatte Jesus im Sterben gesprochen. War er aufgenommen, ist er bei Gott, hat weiter Anteil an Gottes – für – uns – Dasein? Er hatte Gott, wie nie einer vorher, in den Alltag der Hausfrau, des Seemanns, des Steuerzahlers gezogen; hier schon Reich Gottes im Anbruch, hier schon das Gegenteil von Unfreiheit – nämlich Verbundenheit. Hier schon hat er losgebunden, das Gesicht gehoben, sich bei dem mit dem schlechten Ruf eingeladen; den für mit Krankheit bestraft gehaltenen, gerade der heilte er; den Tod hier, das Beziehungslos – sein hier hob er auf. Wird er bei den Seinen bleiben können? Oder trägt der Tod ihn weit weg?

„Wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch stürbe“ (Joh. 11, 25), sagt Jesus. Sterben ist nur ein Gehen hinter einem Papiersein, nicht ein Vernichtetsein. Wir gehen dahin, vergehen der Liebe Gottes nicht. So ist Ostern logisch. Es bildet ab, das von Gott Umfangensein nimmt kein Ende. Und Liebende bleiben einander verbunden. Sie hatten schon hier das Einssein geschmeckt, sie bleiben einander vertraut, auch wenn sie in verschiedene Stockwerke Gottes versetzt sind.

Das erzählt die Geschichte von Maria Magdalena und dem Gärtner: Maria von Magdala begibt sich am Ostermorgen zum Grab. Wir wissen kaum etwas aus ihrem Leben: Es heißt, sie sei ein in sich zerrissener Mensch gewesen und Jesus habe sie geheilt (Luk. 8,3). Durch ihn muss sie sich selbst wiedergewonnen haben. Mittels Jesus hat sie ihr selbstbestimmtes Leben mit den nötigen Pflichten und den Freuden wiedergewonnen. Sie erlebte Jesus als neue Zulassung zu leben. Karfreitag muss Maria völlig hilflos gemacht haben; Jesus der Inbegriff eines liebenden Menschen wird so gewaltsam hingerichtet. Maria versteinert erneut in grenzenloser Traurigkeit, will ihn als Begrabenen umfassen, bei sich haben, nimmt das Grab als ihren Ruheort, als Pfand für ihr Gedenken. Lebend gehört er vielen, tot, denkt sie, gehört er nur mir. Da sieht sie den Stein weggerollt. Sollte man ihr den letzten Anhalt genommen haben? Sie weint, schüttet sich aus. Jedoch der Ort an dem der geliebte Leib gelegen hat, spricht. Sie hört es fragen: Frau, warum weinst Du? Und sie sagt eine Beschwerde. „Weggeschafft haben sie meinen Herrn“. Doch der verwandelte, der auferstandene Christus verspricht Zukunft. Aber erst muss Maria auf die Scherben verzichten, muss ablassen, Museumswärterin zu werden einstiger schönen Stunden. „Warum weinst du?“ – fragen nach vorne ziehende Kräfte, präziser: „Wen suchst Du?“ Aber ihr rückwärts gewandtes Auge bleibt noch verhangen für den Heiland der Gegenwart. Sie bitte den Gegenwärtigen, ihr den Vergangenen zurückzugeben, damit sie die Vergangenheit verlängern kann und die Gegenwart vergisst auch indem sie sich der Gegenwart entzieht.

Aber der Heiland der Gegenwart redet die Trauernde mit Namen an „Miriam“, das meint: Was gewesen ist, geht weiter, hat Zukunft. Die Miriam von davor hat ein Künftiges. Das von früher bekommt neue Triebe. Sie wendet sich um, sie wendet sich ab, von dahinten der Zukunft zu. Der damals sie rettete, geht als Rettendes mit ihr. Als Bild der Liebe Gottes ist er unzerstörbar. Selbst der Tod schmilzt vor ihm, dem unwiderstehlichen Gott des Lebens. Er sagt: „Miriam“ und sie „Rabuni“, mein Meister.

Es ist das innigste, zärtlichste Zwiegespräch, das man sich denken kann, Worte über den Tod hinweg, hinein in eine unsterbliche, bleibende Gewissheit:

Du bist mein Meister, mein Halt, meine Rettung, in dir habe ich Gott erfahren und der bleibt bei mir.

Auch wir verlangen mit dem, den wir lieben, eins zu werden. Liebend ahnen wir uns als Bruchstücke eines Ganzen. Unser gebrechliches Lieben bleibt das Versprechen: Wir sind gehalten von der großen Liebe, Gott genannt. Denn aller Atem unserer hinfälligen Liebe ist Odem von Gott. Maria weiß an diesem Ostermorgen, dass ihr Jesus ihr Herr und Meister ist und bleibt, will ihn fassen, aber der Auferstandene ist nicht handfest zu haben. Ich, sagt Jesus, gehe hin zu meinem Vater – ich gehöre Allen, Du kannst mich nur „im Geist und in der Wahrheit“ berühren. Maria wird so zur Apostelin: Geh, sag den Geschwistern: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater.

Also: Vor uns und bei uns „Vater unser“; wir gehören zu ihm im Leben und im Sterben. Weil wir der Liebe Jesus gehören, sind wir im Tiefsten doch Geschwister – mit viel Zukunft.

Ihnen und Ihren Lieben wünschen wir gesegnete und fröhliche Ostern

Der HERR ist auferstanden!


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