Stille Momente zum Abschluss der 9. Rotation

Stille Momente zum Abschluss der 9. Rotation

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  • Evangelische Militärseelsorge
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Vom 07. bis 09. Juli 2021 hatte die evangelische Militärseelsorge der Enhanced Forward Presence Battlegroup Litauen zu einer Rüstzeit geladen. Eine Gruppe von deutschen Soldatinnen und Soldaten machte sich auf den Weg nach Klaipeda. Dort sollten Impulse für einen bewussteren Umgang im Miteinander und mit der eigenen Vergangenheit erfahren werden. Zusätzlich brachten die Teilnehmer mit der Aufstellung eines Kreuzes auch Wünsche für eine friedliche Zukunft zum Ausdruck. Gut gerüstet für die letzten Wochen, aber auch für die ersten Wochen nach dem Einsatz.

Militärpfarrer Rüdiger Glufke im Seminar mit den Soldatinnen und Soldaten der EFP Battlegroup Litauen

Militärpfarrer Rüdiger Glufke im Seminar mit den Soldatinnen und Soldaten der EFPEnhanced Forward Presence Battlegroup Litauen

Bundeswehr/ PAO EFP

Nach intensiven Monaten des Trainings bei diversen Übungen wie Iron Wolf und Raging Leopard, sowie den besonderen Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht haben, bekamen die Soldatinnen und Soldaten der Enhanced Forward Presence Battlegroup Litauen noch einmal die Gelegenheit, sich bei einer Rüstzeit neue Impulse für die letzten Wochen der Rotation zu holen. Rüstzeiten sind ein besonderes Angebot der evangelischen Militärseelsorge. In einem entspannten Umfeld werden gemeinsame Freizeitgestaltung und Arbeit an gesellschaftlichen, aber auch persönlichen Fragen aus christlicher Sicht miteinander verbunden.

Jede Rüstzeit steht unter einem bestimmten Thema. Militärpfarrer Rüdiger Glufke regte mit seinen Andachten und Impulsen dazu an, das eigene Handeln zu reflektieren und machte bewusst, dass Kommunikation und Umgang miteinander nicht immer eindeutig sind. Er ermutigte die Soldatinnen und Soldaten bei Missverständnissen nachzufragen und gleichzeitig darauf zu achten, dass man im Gespräch miteinander behutsam mit seinen Worten umgeht. Gleichzeitig war es ihm wichtig den Teilnehmern zu verdeutlichen, die Tage bewusst zu gestalten, inne zu halten und sich zu hinterfragen, ob man mit seinem Tag zufrieden ist oder überwältigt wurde von Arbeit.

Neben persönlicher Zeit zur Besinnung standen auch zwei besondere Punkte auf dem Seminarplan. Die Soldatinnen und Soldaten sollten sich mit der Geschichte Klaipedas vertraut machen. Dazu wurde das Memelmuseum in Klaipeda besucht. Des Weiteren sollte auf dem Rückweg nach Rukla am Berg der Kreuze das Kreuz der 9. Rotation der EFPEnhanced Forward Presence Battlegroup Litauen aufgestellt werden.

Soldatinnen und Soldaten der Battlegroup informieren sich im Museum über die Schrecken des Krieges und der Verfolgung

Soldatinnen und Soldaten der Battlegroup informieren sich im Museum über die Schrecken des Krieges und der Verfolgung

Bundeswehr/ PAO EFP

1252 wurde vom Deutschen Orden in der Nähe der Mündung der Memel (Nemunas) die Burg Memelburg errichtet. Aus dieser entwickelte sich die Stadt Klaipeda, die jahrhundertelang unter dem deutschen Namen Memel bekannt war. Erst 1923 wurde die Region von litauischen Truppen besetzt und an Litauen angeschlossen, 1925 geschah die offizielle Umbenennung von „Memel“ in „Klaipeda“. Heute, nach zahlreichen Rekonstruktionen und Wiederaufbauten, ist Klaipeda die drittgrößte Stadt Litauens, und ein wichtiger Ostseehafen.

In der teilweise rekonstruierten Memelburg befindet sich heute ein Museum, das sich mit der Geschichte der Stadtentwicklung beschäftigt. Ein Teil der Ausstellung befasst sich mit den Verbrechen Nazideutschlands und der Sowjetarmee. Hier konnten sich die Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmer noch einmal mit der jüngsten Vergangenheit und den Schrecken, die diese auch in Klaipeda hervorgerufen hat, auseinandersetzen und erfahren, zu welchen Verbrechen die Menschen fähig sein können. Sichtlich beeindruckt zeigten sie sich über die Zerstörungen, die durch die verschiedenen Armeen in Klaipeda angerichtet wurden.

Trotz dessen, dass nur ein Teil der Altstadt erhalten geblieben ist, konnte die Gruppe bei eigenständigen Spaziergängen durch die Stadt spüren, dass sich Klaipeda die Atmosphäre einer norddeutschen Hansestadt bewahren konnte.

Gruppenfoto mit Pater Severin nach erfolgter Errichtung des mitgebrachten Kreuzes der 9. Rotation

Gruppenfoto mit Pater Severin nach erfolgter Errichtung des mitgebrachten Kreuzes der 9. Rotation

Bundeswehr/ PAO EFP

Nach dem Besuch der Memelburg ging es weiter in Richtung Osten zum Berg der Kreuze. In der Nähe von Šiauliai liegt dieser, zur Austrocknung eines Moores aufgeschütteter, Hügel, der über und über von Kreuzen in jeder erdenklichen Größe und Form bedeckt ist. Der Versuch einer Zählung wurde vor Jahren bereits aufgegeben, man schätzt über 100.000 Kreuze.

Seit Jahrhunderten schon ist dieser Platz von religiöser Bedeutung und zu sowjetischer Besatzungszeit war er auch ein Symbol für den Widerstand gegen die Besatzung Litauens. Der Ort ist zu einem Wallfahrtsort geworden und Reisende aus aller Welt errichten hier regelmäßig weitere Kreuze, oftmals verbunden mit einem besonderen Wunsch oder aus Dankbarkeit.

Die Soldatinnen und Soldaten der 9. Rotation hatten hierzu im Vorfeld der Rüstzeit bereits ein Kreuz gefertigt, in dem auch Stücke aus Kettengliedern der Leopard 2 Kampfpanzer verschweißt wurden. Mit der Aufstellung des Kreuzes an diesem besonderen Ort sollte der Wunsch zum Ausdruck gebracht werden, dass in Zukunft mehr Frieden unter den Menschen sein möge, aber auch die besondere Verbundenheit mit dem litauischen Volk, zu dessen Unterstützung man hier im Land ist und dessen Gastfreundschaft vieler Orts zu spüren ist.

Militärpfarrer Rüdiger Glufke und Pater Severin, der für den Berg und das angrenzende Franziskanerkloster verantwortlich ist, hielten nach der Aufstellung eine kurze Andacht für den Frieden und schlossen mit einem gemeinsamen Vaterunser.

von Norman Wald

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