Seelsorge in der Onkologie

„Interdisziplinarität ist uns enorm wichtig!“

„Interdisziplinarität ist uns enorm wichtig!“

  • Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
  • Evangelische Militärseelsorge
Datum:
Lesedauer:
3 MIN

Gemeinsam sind die Ärzt*innen, Psycholog*innen und Seelsorger*innen im Bundeswehrkrankenhaus für die Patient*innen und deren Angehörige unterwegs. Vor allem auch im Bereich der Onkologie ist es notwendig, neben der akuten und langfristigen medizinischen Versorgung die psychische und seelsorgerliche Begleitung der Patient*innen zu gewährleisten.

Stabsarzt Fischer-Scheweleit und Militärdekan Rohde im Gespräch mit einem Patienten

Stabsarzt Fischer-Scheweleit und Militärdekan Rohde im Gespräch mit einem Patienten

Elav Zloh

Das braucht Zeit und vor allem auch Ruhe. Beides ist im Krankenhaus nicht im Übermaß vorhanden, der Aspekt Zeit ist kaum veränderbar. Aber der Aspekt Ruhe kann beeinflusst werden.

„Wir brauchten einfach einen Raum, in dem wir schwierige Gespräche führen können. Wir wollten zum Teil wirklich schlimme Nachrichten nicht mehr nur am Bett, auf dem Flur oder in irgendwelchen Behandlungsräumen überbringen. Deshalb haben wir nach Alternativen gesucht“, sagte die ehemalige Leiterin der inneren onkologischen Station, Oberfeldarzt Dr. Nicole Müller.* „Da kamen wir auf die Idee, einen kleinen Raum besonders einzurichten!“, bekräftigt Stabsarzt Saskia Samuel, die maßgeblich die Einrichtung des Raumes konzipiert hat. „Dazu haben wir uns Partner gesucht, die ein ähnliches Thema haben.“ Die Soldatentumorhilfe Hamburg e.V.eingetragener Verein und die Krankenhausseelsorge erklärten sich sofort dazu bereit, das Projekt zu unterstützen. „Gute Erfahrungen hatten wir mit der Hamburger Künstlerin Kerstin Carbow gemacht, die hier im Bundeswehrkrankenhaus den Raum der Stille und den Raum des Abschieds gestaltet hat“, berichtet Militärdekan ThDr. Michael Rohde. „Deshalb war klar, dass wir neben einer schönen Möblierung auch noch ein thematisch passendes Kunstwerk für den Raum finden müssen.“

Kunstwerke schmücken den Raum

Kunstwerke schmücken den Raum

Michael Rohde

Kerstin Carbow erschuf mit den Kunstwerken unter dem Motto „Die heilende Kraft der Kunst“ im Besprechungsraum jetzt ihr drittes Werk für das Bundeswehrkrankenhaus.: „Intuitiv wissen wir um die Kraft der Farben. Wir spüren, dass Blau beruhigt und weitet oder Gelb unser Gemüt erhellt. Gezielt eingesetzt, erschafft dies entspannte Ruhe, Wohlempfinden und größere Harmonie in uns. Denn Farbe ist der direkte Weg zum Herzen. Die beiden Kunstwerke tragen den Titel TRANSITUS, was im Lateinischen doppeldeutig nicht nur einen Farbübergang in der Malerei, sondern auch „Übergang, Veränderung, Verwandlung“ bedeutet. Es sind Schwellenbilder, die uns eine verheißungsvolle Unbestimmtheit zaubern: sie führen ins Offene und Licht. Viele zarte Schichtungen transparenter Farblasuren verdichten sich zu einer intensiven Bildtiefe. Die Bilder schaffen einen Raum jenseits des Raumes, ein Feld, das Möglichkeiten eröffnet, um vertrauensvolle und gute Gespräche zu führen“, so die Künstlerin bei der Präsentation.

Oberfeldarzt Dr. Nicole Müller und Stabsarzt Dr. Saskia Samuel bei der Diskussion eines positiven Krankheitsverlaufs

Palliativraum 9105 Oberfeldarzt Dr. Nicole Müller und Stabsarzt Dr. Saskia Samuel bei der Diskussion eines positiven Krankheitsverlaufs

Sandra Herholt

So konnte mit Unterstützung des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg, der Soldatentumorhilfe Hamburg e.V.eingetragener Verein und einer tatkräftigen Unterstützung der evangelischen Militärseelsorge ein besonderer, einmaliger Raum geschaffen werden. „Interdisziplinarität ist uns enorm wichtig. Deshalb nutzen wir diesen Raum auch für Abstimmungsgespräche. Es redet sich hier einfach leichter!“, sagt Oberfeldarzt Dr. Nicole Müller.

Stabsarzt Jessica Fischer-Scheweleit, Assistenzärztin auf der onkologischen Station, ist begeistert von dem Raum: „Wir nutzen den Raum hier regelmäßig. Es ist so gut, hier eine angenehme Atmosphäre und vor allem auch Ruhe zu haben, um mit den Patienten als auch mit deren Angehörigen zu sprechen. Die Nachrichten, die wir hier zu übermitteln haben, werden dadurch zwar nicht weniger schlimm, aber meinem Eindruck nach erleichtert der Raum das erste Verarbeiten ein bisschen.“

Ein Gemälde zur Gestaltung des Raumes

Ein Gemälde zur Gestaltung des Raumes

Michael Rohde

Diakon Johann Karnatz, der als Seelsorger im Bundeswehrkrankenhaus tätig ist, freut sich ebenfalls über den Raum: „Einen so geschmackvollen und hochwertig eingerichteten Besprechungsraum habe ich in Krankenhäusern selten gesehen. Ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal.“

* Dr. Nicole Müller wurde mittlerweile zum Oberstarzt befördert und leitet die Klinik für Innere Medizin am Bundeswehrkrankenhaus Berlin.

von Johanna Hullmann-Gast