Jordanien: Urlaubsland, Heiliges Land, Einsatzland

Jordanien: Urlaubsland, Heiliges Land, Einsatzland

  • Evangelische Militärseelsorge
  • Rüstzeit
Datum:
Ort:
Jordanien

„Jordanien – Urlaubsland – Heiliges Land – Einsatzland“, so war die Rüstzeit ausgeschrieben. Aufregende Abenteuer, bereichernde Begegnungen, Grundlagen des Glaubens haben die 26 Teilnehmer Anfang März, nur wenige Tage vor dem Corona-Shutdown, in diesem sehr vielfältigen und abwechslungsreichen Land erlebt. Auf unseren Fahrten durch die Wüste begegneten wir dabei mannigfach der Botschaft des Alten Testamentes und spürten zugleich, dass die Gotteserfahrungen der Glaubens-Väter bis heute auch für uns aktuell sind.

Die Teilnehmer der Jordanien-Rüstzeit

Die Teilnehmer der Jordanien-Rüstzeit

Militärseelsorge/Gunther Wiendl

Am Fluss Jabbok hörten wir, wie schwer man manchmal mit sich ringen muss, bis Vergebung gelingt (der biblische Bericht von Jakob am Jabbok, 1. Mose 32).
Am Berg Nebo schauten wir ins gelobte Land wie Mose und spürten dem nach, was für uns persönlich „gelobtes Land“ bedeutet. Natürlich stellten wir uns auch der Frage „Wem gehört das Land?“, als wir mit der Bibel in der Hand in Richtung Israel und Jerusalem schauten.

Immer wieder begegneten wir den schwarzen oder weißen Beduinenzelten und fühlten uns in die Zeit von Abraham zurückversetzt, als er in seinen Wanderungen als Nomade auf der Suche nach bestem Weidegrund immer wieder Gott fand.

Die Schaf- und Ziegenherden, die sich um spärliches Grün in der Wüste scharten, warfen ein ganz neues Licht auf den bekannten 23. Psalm: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“

Persönlicher Höhepunkt war für viele die Taufstelle Jesu (Bethany) am Jordan: Bei der Tauferinnerungsfeier zeichnete Militärpfarrer Gunther Wiendl den Teilnehmern mit Jordanwasser ein Segenkreuz auf die Stirn. „Im Laufe meines Dienstes ist es mir nicht immer gelungen, meine Aufgaben zu erfüllen. Manchmal bin ich gescheitert. Als ich das Jordanwasser auf meiner Stirn spürte, fühlte sich plötzlich alles leichter an. Wie abgewaschen.“ So formulierte es ein Kamerad, der nach der Feier mit feuchten Augen etwas abseits stand und den Moment genoss.

Am letzten Abend gönnten wir uns eine Auszeit in einer schicken Strandanlage in Aqaba am Roten Meer. Wenige Stunden vor dem Abflug genossen wir die Stimmung in der untergehenden Sonne und das gute Essen. Innerlich waren manche schon etwas angespannt, denn das Thema Corona kam jeden Tag etwas näher und es war nicht so klar, was uns erwartet. In dieser Situation hörten wir, wie Mose mit seinem Volk vor dem Roten Meer stand, die Truppen des Pharao im Genick. Eine aussichtslose Situation, in der sich das Vertrauen auf Gott für die Israeliten bewährte. Wer hätte gedacht, dass unser Flugzeug eines der letzten war, das Jordanien ordnungsgemäß in Richtung Europa verließ.

Natürlich tauchten wir auch tief in die Geschichte und Kultur des Landes, als wir in Gadara (Jerasch) die hervorragend erhaltenen Reste einer römischen Großstadt erlebten, in der Steinwüste die Wüstenschlösser besichtigten, bei einer drusischen Familie zu Mittag aßen, oder zu einer kleinen Rast in einem Beduinenzelt den traditionellen Kaffee serviert bekamen. Natürlich durfte auch der Wadi Rum im Reiseprogramm nicht fehlen: beim Kamelritt bei Sonnenaufgang, bei einer Jeeptour durch die Wüste und beim Fotostopp an der Hedschas-Bahn fühlten wir uns fast wie Lawrence von Arabien. Unser lokaler Führer verstand es dabei, uns nicht nur antike und historische muslimische Kultur näherzubringen, sondern uns immer wieder auch Einblicke in die heutige jordanische Gesellschaft und Lebensvollzüge zu verschaffen. Dazu trug auch Feldwebel Mike Stetzka vom Militärattachéstab der deutschen Botschaft mit seiner Frau bei, der uns an unseren Amman-Tagen begleitete und uns sowohl in die Aufgaben einer diplomatischen Vertretung im Ausland einführte als auch zwei, drei unvergessliche Abende bescherte.

Die Gitarre, die er für Militärpfarrer Gunther Wiendl besorgt hatte, sorgte dafür, dass auf der ganzen Reise immer die richtige Stimmung herrschte. Hinzuzufügen ist, dass auch zweimal Shopping und Strand (Aqaba und Totes Meer) zum Reiseprogramm gehörten.

Höhepunkt der Reise war für viele jedoch eindeutig der Besuch der Felsenstadt Petra. Wir näherten uns dem Weltkulturerbe auf dreierlei Weise: einmal am Abend im Schein von 20.000 Kerzen, einmal klassisch durch die enge Felsenschlucht (Siq) und einmal von hinten über das Kloster mit einer fünfstündigen Wanderung durch die Berge in einem gewaltigen Naturerlebnis. Ein besonderes Naturerlebnis hatten wir am zweiten Petra-Tag, als ein Sturzregen aus dem Siq einen reißenden Fluss machte. Das Weltkulturerbe musste evakuiert werden. Manche Reiseteilnehmer wurden von Beduinen über einen verschlungenen Bergtrail 200 Meter über dem Siq 5 kmKilometer zum Ausgang auf schmalen Trampelpfaden geführt. Einige Sportliche wateten durch den reißenden Fluss und kamen dabei fast an die Grenzen Ihrer Kräfte, andere wurden mit 30 weiteren Besuchern auf die Ladefläche eines Pick-ups gestellt und mit Tempo 70 über eine hintere Zufahrt aus der Gefahrenzone gebracht.

Am Abend war dann ein richtiges kleines Debriefing fällig: Wie bei 1001 Nacht saßen wir in einer Felshöhle (die als Gruppenraum des Hotels diente) zusammen und jeder erzählte seine Geschichte. Zwischendurch sangen wir Lieder aus dem Soldatengesangbuch – und die Erleichterung und Dankbarkeit, dass wir alle heil aus diesem Abenteuer herausgekommen sind, waren mit Händen greifbar.

Dankbar blicken wir zurück auf diese eindrucksvollen neun Tage, die jeden Reiseteilnehmer berührt und bereichert haben.

von Gunther Wiendl