Banska Bystrica

Time-Out-Seminare für Soldaten in der winterlichen Mittelslowakei

Time-Out-Seminare für Soldaten in der winterlichen Mittelslowakei

Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
2 MIN

Was tun mit Kameraden, die mit schwerer Technik (Leopard 2, SPz Puma …) den ganzen Tag im Einsatz sind und sich körperlich bei Wind und Wetter verausgaben? Was tun in einer traumhaften Natur- und Kulturlandschaft, die bei winterlichem Schmuddelwetter bzw. bei Eis, Glätte und Kälte sich der Erschließung weithin verweigert?

Das SNP-Denkmal und -Museum in Bansk Bystrica erinnert an den Slowakischen Nationalaufstand 1944

Das SNP-Denkmal und -Museum in Bansk Bystrica erinnert an den Slowakischen Nationalaufstand 1944

PAO eVA SVK / Bundeswehr

Banska Bystrica (Neusohl)! Wochenende für Wochenende besuchten und besuchen wir die mittelalterliche Bergbaustadt Banska Bystrica. Einst gegründet unter ungarischer Herrschaft. Und zu Reichtum gebracht durch Bergleute aus dem Erzgebirge. Eine über Jahrhunderte multi-ethnisch geprägte Stadt, auf deren Friedhof die Slowaken in Slowakisch, die Ungarn in Ungarisch, die Deutschen in Deutsch bis heute friedlich nebeneinander ruhen, obwohl das Zeitalter des Nationalismus mit seinen ethnischen Säuberungen heute auch Banska Bystrica nur noch als slowakische Stadt präsentiert.

Banska Bystrica beherbergt das Museum über den Slowakischen Nationalaufstand (SNP) 1944. Eine Architektur aus der Zeit des Prager Frühlings (1968) zeigt in wuchtigem Sichtbeton das zerrissene Herz der Slowaken: Auf der einen Seite eine tausendjährige gemeinsame Geschichte mit Ungarn. Auf der anderen Seite die Vernunftehe mit den westslawischen Brüdern aus Böhmen und Mähren während der Zeit der tschechisch-slowakischen Staaten im 20. Jahrhundert.

Das SNP-Museum von Banska Bystrica – eine gute Gelegenheit, den deutschen Kameraden im Rahmen von Time-out einen kurzen Überblick über die Geschichte der Slowaken, des Slowakentums und der slowakischen Staatsbildungen zu verschaffen. Das SNP-Museum – genau im Zentrum jenes Freiheitskampfes regulärer slowakischer Truppen, die sich zum Ausgang des Zweiten Weltkrieges gegen den klerikal-faschistischen slowakischen Satellitenstaat von Hitlers Gnaden erhoben und sich des Einmarsches deutscher Truppen ab dem 29. August 1944 tapfer zu erwehren hatten.

Militärdekan Otto Adomat bei einer Führung im Museum

Militärdekan Otto Adomat bei einer Führung im Museum

PAO eVA SVK / Bundeswehr

Ein lebenskundlicher Impuls der Militärseelsorge in der Mittelslowakei. Ein Impuls mit deutlichen Bezügen nicht nur zur deutschen Militärgeschichte. Am Ende übernahm ich selbst die Führungen in deutscher Sprache …

Nach dem Museumsbesuch schlenderten die Kameraden durch die winterliche Stadt und erlebten einen der schönsten Advents- und Weihnachtsmärkte der Slowakei. Heimatgefühle kamen im Lichterglanz und Duft des Marktes auf. Erinnerungen wurden geweckt an traditionelle Weihnachtsmärkte in Deutschland. Hier eben nur bereichert durch Köstlichkeiten und Leckereien aus der Slowakei. Und erfreulich lange geöffnet über die Adventszeit hinaus bis zum Fest der heiligen drei Könige (6. Januar).

Zum geselligen Abschluss trafen wir uns gemeinsam in der ehemaligen Innenstadt-Trutz-Burg, Barbarkane genannt, die heute ein rustikales Lokal beherbergt. Bei Speis und Trank genossen wir eine Abwechslung zur Camp-Beköstigung im Einsatz und erlebten in stimmungsvoller Atmosphäre und bei gutem Service eine herrliche Auszeit: Time-out vom Feinsten!

(Der Autor, Militärdekan Otto Adomat, leitet das Evangelische Militärpfarramt Strausberg und begleitet das Deutsche Kontingent eVAenhanced Vigilance Activities SVK.)

von Otto Adomat