Aus-Zeit in Corona-Zeit

Aus-Zeit in Corona-Zeit

  • Rüstzeit
  • Evangelische Militärseelsorge
Datum:
Ort:
Berlin

Eine Woche war im Juli 2020 eingeplant. Eine Woche Auszeit für 8 Familien, die mit den Folgen von traumatischen Erlebnissen nach Einsätzen leben müssen. Stattfinden sollte das in Eibenstock, in Sachsen. Dann kam Corona und mit Corona der Stopp aller Veranstaltungen.

Taiji und QiGong am Morgen

Taiji und QiGong am Morgen

Militärseelsorge/Thomas Hellfritsch

Was tun? Die Belastungen bleiben – viele hatten sich auf diese Woche gefreut, sie als Aus-Zeit gebraucht und fest eingeplant. Austausch, sich artikulieren, die Not formulieren ist wichtig und nötig im Leben mit dem Trauma. Besondere Zeiten erfordern besondere Mittel. Um wenigstens eine kleine Hilfe geben zu können, haben wir die Präsenzwoche in ein Onlineseminar umgewandelt. Kann das gelingen?


Wir hatten eine feste Tagesstruktur eingeplant:

Alles passierte online und man konnte sich nach Belieben zuschalten: Beginn morgens mit Entspannungsübungen, dann eine fortlaufende Andacht. Anschließend die Möglichkeit zu Einzel- und Paargesprächen, Taiji und QiGong, Wahrnehmungsübungen.

Dann am Abend der Abschluss mit einem Abendsegen, mit dem wir den Tag abschlossen und alles Erlebte wieder abgeben konnten.

Parallel dazu – ebenfalls online – ein buntes Kinderprogramm mit Singen, Tanzen und Basteln. Wir waren alle erstaunt, wie gut das geht und wie gerne die Kids mitgemacht haben!

Alles wie bei einem richtigen Seminar – nur eben online.

Gerahmt wurde das Tagesprogramm durch die Andachten und den täglichen Abendsegen, in denen wir Abraham begleitet haben, angefangen von der Aufforderung Gottes, alles aufzugeben und loszuziehen, über die Schwierigkeiten, die er auf seinem Weg erlebt hat, aber auch bis hin zu den guten Erfahrungen, die er durch die Begleitung Gottes und anderer Menschen machen durfte. Wir haben mit ihm erlebt, dass das Leben Entscheidungen erfordert! Wir brauchen den Mut aufzubrechen, den Mut, das, was vor uns liegt und unendlich unbezwingbar erscheint, anzugehen. Und mit ihm haben wir aber auch die Erfahrung gemacht, dass man scheitern kann – und trotzdem neu beginnen darf.

Fazit: Am Ende waren wir überrascht, wie nahe man sich auch über ein Online-Seminar kommen kann. Es ist uns klar geworden, dass in dieser Zeit, in der das Sich-Treffen so schwierig ist, die Möglichkeit des Austausches, des Gesprächs, des Miteinander-Redens, des Kommunizierens nicht einschlafen darf. Online-Seminare sind kein vollwertiger Ersatz, aber eine gute Möglichkeit, im Gespräch zu bleiben und sich gegenseitig zu stärken.


von Thomas Hellfritsch