Sicherheitsexperte: „Zusammenhalt ist das Fundament von allem“
Sicherheitsexperte: „Zusammenhalt ist das Fundament von allem“
- Datum:
- Ort:
- Berlin
- Lesedauer:
- 4 MIN
Russland ist die größte Bedrohung liberaler westlicher Werte seit Ende des Kalten Krieges. Beim Schutz Europas komme Deutschland eine besondere Verantwortung zu, sagt Sicherheitsexperte Markus Woelke. Wie kann die Gesellschaft insgesamt resilienter werden – und wie können Unternehmen und Zivilgesellschaft dazu beitragen?
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„Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist letztlich das Fundament von allem“, so bringt Botschaftsrat Markus Woelke das Thema integrierte Sicherheit auf den Punkt. Im „Nachgefragt“-Gespräch mit Frau Major Caroline Grosse betont er, dass es dabei um nicht mehr und nicht weniger als den Schutz des deutschen und europäischen Selbstverständnisses gehe: ein Leben in Frieden und Freiheit. Das Entscheidende, um dieses Ziel zu erreichen, seien dabei Menschen, die sich engagieren. „Das heißt, jeder arbeitet nicht mehr in seiner Nische, sondern sucht die Zusammenarbeit mit den anderen“, sagt der Experte von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin.
Vorsorgen, um die Bevölkerung in der Krise widerstandsfähiger zu machen – das ist vor dem Hintergrund des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine aktueller denn je. Russland attackiert die Ukraine sowohl mit konventionellen als auch mit hybriden Kriegswaffen. Als Beispiele für hybride Bedrohungen nennt Woelke Angriffe auf kritische Infrastrukturen und Fake News. Mit beidem versuche Russland, die Handlungsfähigkeit von Staaten zu schwächen und gesellschaftliche Spannungen zu erzeugen, warnt der Sicherheitsexperte. So habe Russland während der Wahlen in der Republik Moldau Desinformation und Cyberangriffe quasi nach Drehbuch orchestriert. „In dieser Schärfe und Radikalität haben wir das bei uns noch nicht erlebt“, sagt Woelke.
Gesellschaftliche Gruppen zusammenbringen
Genau an dieser Stelle könne die Bundesakademie für Sicherheit einen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und damit für die Sicherheit Deutschlands leisten, meint Woelke. Das Institut koordiniert ein Netzwerk aus Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft, der Bundes- und Kommunalpolitik und diverser Freiwilligenorganisationen aus der Zivilgesellschaft. Schließlich brauche es „Entscheidungsträger an besonderen Schnittstellen“, um ein Gesamtkonzept dafür zu entwickeln, welche Maßnahmen sicherheitspolitisch geboten seien, erläutert der Sicherheitsexperte. Die Einbindung heimischer Unternehmen sei auch deshalb besonders wichtig, weil diese 85 bis 90 Prozent der kritischen Infrastruktur in Deutschland betreiben würden, so Woelke. Die Zusammenarbeit insbesondere in der Cybersicherheit liege im beiderseitigen Interesse.
Als Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren nennt Woelke die christliche Friedensbewegung, deren Auseinandersetzung mit dem Thema Aufrüstung er für „einen notwendigen, auch ethisch gebotenen Weg“ hält. Ebenso wichtig sei die Zusammenarbeit der Bundeswehrkrankenhäuser mit dem zivilen Gesundheitswesen. Hinzu kämen Bereiche, mit denen man zunächst gar nicht rechne. So arbeite das Bundesbauministerium an einem Transparenzregister, das die sicherheitspolitischen Risiken rund um die kritischen Infrastrukturen Deutschlands minimieren solle. Dabei gehe es in erster Linie um russische Oligarchen und speziell um „verschachtelte Briefkästen von chinesischen Strohmännern, die vermehrt Grundstücke genau in diesen Bereichen aufkaufen“, erläutert der Sicherheitsexperte.
Deutschlands Vorreiterrolle
Insgesamt komme Deutschland eine besondere Verantwortung zu, sagt Woelke: „Wir sind eben ein ganz maßgeblicher Player“. Deutschland sei die größte Volkswirtschaft in der Europäischen Union und eine Drehscheibe im Herzen Europas. Deshalb müsse es den Aufbau einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz durch zivile Akteure zielstrebig vorantreiben. Denn viele Sicherheitsaufgaben ließen sich nicht ausschließlich mit militärischen Mittel bewältigen, so der Botschaftsrat. Am Ende gehe es beim Thema integrierte Sicherheit darum, alle Beteiligten mitzunehmen. „Schließlich müssen die Menschen überzeugt werden, dass dieses Engagement sinnvoll und notwendig“ sei, bilanziert Woelke. Es gehe darum, „die Gesellschaft als Ganzes zusammenzuhalten“.