Interview zur Patriot-Mission in Polen
Oberstleutnant Kliefoth berichtet von der NATO-Ostflanke in Polen. Er kommandiert dort eine Patriot Task Force zum Schutz des Luftraums.
Russland bedroht nicht nur die Ukraine, sondern die gesamte westliche Staatengemeinschaft. Deshalb dürfe die NATO in ihrer Hilfe für das angegriffene Land nicht nachlassen, sagt Generalmajor Maik Keller von der NATO-Initiative zur Unterstützung der Ukraine (NSATU). Der stellvertretende NSATU-Kommandeur erklärt, wie die Zusammenarbeit funktioniert.
Generalmajor Maik Keller ist stellvertretender Kommandeur der NATO-Initiative zur Unterstützung der Ukraine (NSATU) in Wiesbaden. Mit „Nachgefragt“-Moderator Hauptmann Christian Prawos spricht er über die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen.
„Unsere ukrainischen Freunde kämpfen nicht nur für sich, sondern für uns alle“, sagt Keller im „Nachgefragt“-Gespräch mit Hauptmann Christian Prawos. Insbesondere die militärische Unterstützung der NATO für die Ukraine sei im Kampf gegen Russland ein wichtiges Signal. „Wir stellen sicher, dass die Ukraine im Krieg gegen Russland bestehen kann“, sagt der stellvertretende Kommandeur der NATO-Initiative zur Unterstützung der Ukraine (NSATU) in Wiesbaden. Gleichzeitig sei die Hilfe der NATO für die Ukraine auch eine Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Dass er diesen Krieg nicht gewinnen wird, weil wir an der Seite der Ukraine stehen.“
Das gelte umso mehr in der derzeit schwierigen Phase des Krieges, so Keller. Zuletzt konnte Russland in der Ostukraine Geländegewinne verzeichnen – wenn auch mit hohen personellen Verlusten. Das im Dezember 2024 in Dienst gestellte NSATU unterstütze die Ukraine in drei Bereichen, erläutert dessen stellvertretender Kommandeur: mit Materialumschlag und Materialinstandsetzung, mit Ausbildung und auch mit der perspektivischen Entwicklung der ukrainischen Streitkräfte in Richtung NATO-Interoperabilität. Das NSATU habe bis jetzt 18.000 Tonnen an Material umgeschlagen und damit 60.000 Bewegungen über Straße, Luft und Schiene koordiniert, bilanziert Keller die Arbeit der Initiative.
Um diese Aufgabe zu stemmen, hat sich bei NSATU in Wiesbaden ein internationales Expertenteam zusammengefunden. Die „Drehscheibe Deutschland“ spielt für die Verlegung von Truppen und Material an die europäische Ostflanke der NATO eine entscheidende Rolle. „Wir haben das NSATU jetzt bei uns quasi zu Hause“, sagt Keller. Deutschland leiste aber auch darüber hinaus eine Menge für die Ukraine. So werde der wichtige Materialknotenpunkt Rzeszów in Südostpolen mit Patriot-Flugabwehrsystemen aus Deutschland geschützt. Zudem stärke Deutschland die Flugabwehr der Ukraine – und zwar nicht nur mit Patriots, sondern auch mit Gepard- und IRIS-T-Systemen, die ebenfalls zum Schutz von Städten und kritischen Infrastrukturen beitragen. „Jedes System rettet Leben, denn Russland nimmt auf Zivilisten keine Rücksicht“, sagt der Generalmajor.
Zudem sei man beim NSATU ständig bestrebt, die Leistung der gelieferten Waffensysteme weiter zu steigern. Es gebe „einen ständigen Austausch mit unseren ukrainischen Partnern, wie die Systeme vor Ort performen“, sagt Keller. Um technische Innovationszyklen zu beschleunigen, gebe man Erkenntnisse direkt an die beteiligten Rüstungsunternehmen weiter. Auch bei der Instandsetzung komplexer Waffensysteme beschreite man neue Wege, so der Generalmajor.
Auch in puncto Ausbildung stehe man in ständigem Kontakt mit den ukrainischen Streitkräften. Die Erfahrungen der ukrainischen Soldatinnen und Soldaten an der Front flößen „auch in unsere Ausbildungsdoktrin und damit die Ausbildung aller westlicher Staaten ein“, so Generalmajor Keller. In der Ukraine könne man erleben, wie aktuell Krieg geführt werde – diese Erkenntnisse für die eigene Ausbildung zu nutzen, sei man seinen Soldatinnen und Soldaten schuldig. Die Unterstützung der Ukraine sei ein Kraftakt, sagt Keller. „Aber ich bin sehr optimistisch, dass wir ihn gemeinsam bestehen.“
von Kristina Stache