Cyber- und Informationsraum
Grand Quadriga

CIRCyber- und Informationsraum-Kräfte als Unterstützer im Hintergrund

CIRCyber- und Informationsraum-Kräfte als Unterstützer im Hintergrund

Datum:
Ort:
Litauen
Lesedauer:
5 MIN

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Bei Grand Quadriga, dem lautstarken Showdown der Übungsserie Quadriga 2024 in Litauen mit Kampfpanzern, Hubschraubern, dem Einsatz von Pionieren sowie Artillerie, standen die Kräfte des Cyber- und Informationsraums (CIRCyber- und Informationsraum) zwar nicht im Vordergrund. Doch die ITInformationstechnik-Kräfte und Spezialisten des Elektronischen Kampfes der Teilstreitkraft CIRCyber- und Informationsraum wirkten – wie immer – im Hintergrund mit.

Ein Soldat posiert vor der Rückseite eines IT-Geräts mit zahlreichen angesteckten Kabeln fürs Foto

Hauptfeldwebel Christian J. betreute das mobile Kommunikationssystem, eine Komponente des Service Delivery Points

Bundeswehr/Michael Rupertus

Eine litauische Kaserne, etwa 30 Kilometer von Vilnius entfernt. Hier kamen Mitte April die Soldatinnen und Soldaten des ITInformationstechnik-Bataillons 381 aus Storkow mit einem Konvoi aus mehreren Lkw plus Anhängern an. Die Reise nach Litauen über Land und die Seeverschiffung waren bereits mit der Verlegeübung Teil von Quadriga 2024, der größten Bundeswehrübungserie seit 35 Jahren. 

Mitgebracht hatten die ITler zu Grand Quadriga, der Abschlussübung von Quadriga 2024 in Litauen, einen Service Delivery Point (SDPService Delivery Point) – also mobile verlege- und netzwerkfähige ITInformationstechnik-Systeme – sowie Systeme zur Herstellung von Satelliten- und LTE-Verbindungen. Zusätzlich befanden sich noch zwei weitere SDPsService Delivery Points, aus Storkow und dem ITInformationstechnik-Bataillon 383 aus Erfurt, vor Ort. Innerhalb weniger Tage bauten die Soldatinnen und Soldaten ihre eigene ITInformationstechnik-Infrastruktur unter Tarnnetzen innerhalb der gesamten Kaserne auf und richteten sie ein.

Aufgaben wie im Gefechtseinsatz

Kompanieeinsatzoffizier Frau Hauptmann Angela M. aus dem ITInformationstechnik-Bataillon 381, die die Übung begleitete, schätzt das Übungsszenario – mit Alarmierung, Verlegung, Aufbau von ITInformationstechnik-Systemen und Anbindung externer Verbände – aufgrund des vollumfänglichen Auftrags als sehr lehrreich ein. „Es ist mehr als eine Übung für uns“, versichert Angela M. Und Oberleutnant Dennis W., Zugführer des Service Delivery Points, ergänzt: „Das bedeutet, dass wir hier vor Aufgaben gestellt sind, die wir so auch in Zukunft im großen Rahmen bewältigen müssen.“ 

Die Herausforderung: Die Geräte sind eigentlich für Langzeiteinsätze an einem festen Ort gemacht. „Für den Einsatz bei der Landes- und Bündnisverteidigung müssen wir ,sprungfähig‘ sein“, sagt Dennis W. „Im Ernstfall müssen wir mindestens alle 72 Stunden alles abbauen, verladen und nach einem Ortswechsel so schnell wie möglich unsere Systeme wiederaufbauen, um den Gefechtsstand, den wir begleiten, wieder kommunikations- und arbeitsfähig zu machen.“ Dabei handelt es sich um Divisions- oder Brigadegefechtsstände, die Truppen von bis zu 25.000 (Divisionsebene) oder bis zu 5.000 (Brigadeebene) Soldatinnen und Soldaten im Gefecht führen.

Massive Unterstützungsleistung für das Heer

Der fachliche Auftrag der ITInformationstechnik-Expertinnen und -Experten in Litauen war die Unterstützung des Fernmeldebataillons 10 des Heeres und die Anbindung des Gefechtsstandes der 10. Panzerdivision. „Wir stellen das Netzwerk sowie die Kommunikationsverbindungen und schaffen somit die Grundvoraussetzung, um während der Übung ein Mission Network aufbauen zu können“, schildert Angela M. die Rolle ihrer Einheit bei Grand Quadriga. 

Informationen vom, über das und auf dem Gefechtsfeld sind heutzutage von entscheidender Bedeutung. Durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien können die militärischen Führer, also die Divisions- und Brigadekommandeure, in Echtzeit mit ihren Truppen, aber auch den übergeordneten Kommandos und verbündeten Streitkräften kommunizieren, Aufklärungsdaten analysieren und die operativen Pläne entsprechend anpassen. Nur so sind sie in der Lage, ihre Kräfte erfolgreich einzusetzen und zielgerichtet auf sich ändernde Bedingungen zu reagieren.

Das Storkower ITInformationstechnik-Bataillon 381 ist Dienstleister

Drei Soldaten bei einer Besprechung vor einem Bildschirm

Kurze Besprechung in der Network Operation Cell: Hier wird das gesamte lokale Netzwerk überwacht

Bundeswehr/Michael Rupertus

Während der Übung stellten die ITler aus Storkow das gesamte Netzwerk, Telefonie und die Datenanbindung zur Verfügung. Die Angehörigen des Fernmeldebataillons 10 waren dagegen verantwortlich für die Serverdienste, auf denen zum Beispiel die taktischen Programme der Übung laufen (Sitaware) wie auch die Hardware, also die Rechner der 10. Panzerdivision und ihres Stabes. ITInformationstechnik-Administrator Hauptfeldwebel David P. stellt die Rolle der Storkower so dar: „Wir sind Dienstleister: Wir binden ein fremdes System in unseres mit ein, indem wir unser System an die Bedingungen des Kunden anpassen.“ Denn nur dadurch wird eine Kommunikation zum Beispiel nach Deutschland und eine Einbindung in das ITInformationstechnik-System der Bundeswehr möglich. 

Der Kunde war in diesem Fall das Fernmeldebataillon 10 und einhergehend damit die 10. Panzerdivision des Heeres. Um die notwendigen Leistungen durchgängig sicherzustellen, überwachten die Angehörigen des ITInformationstechnik-Bataillons 381 das gesamte lokale Netz auf eventuelle Ausfälle. „Wir können jeden einzelnen Port überwachen, Hitzeentwicklung und Luftfeuchtigkeit. Bei möglichen Stromausfällen können wir auch kurzfristig auf Batteriebetrieb umstellen. Tatsächlich hatten wir keine Ausfälle in unserem Netzwerk während der Übung“, berichtet David P.

Ein Porträtbild
Generalmajor Jürgen Setzer, Stellvertreter Inspekteur CIR Bundeswehr/Martina Pump
„Führungsunterstützung und Aufklärung sind Voraussetzung für den Erfolg im Gefecht der verbundenen Waffen.“

Aufklärungsergebnisse für fundierte Entscheidungen

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Führungsunterstützung ist die Aufklärung. Mit dem Einsatz von Sensoren, Systemen zur Erfassung von Lageinformationen, deren Verarbeitung und zentrale Bereitstellung soll die Kampftruppe eine Informationsüberlegenheit gegenüber dem Gegner im Gefecht erlangen. Durch Satellitenbilder und andere Mittel der elektronischen Aufklärung, zum Beispiel Radaraufklärung, kann der Kommandeur ein umfassendes Bild der Einsatzumgebung erhalten und potenzielle Bedrohungen frühzeitig erkennen. Diese Informationen fließen dann in seine Entscheidungen mit ein und unterstützen ihn somit in der Gefechtsführung.

Hochmobiles System zur Radarpeilung

Die Soldaten und Soldatinnen aus dem Bataillon Elektronische Kampfführung 912 aus Nienburg leisten einen wichtigen Beitrag zu den Aufklärungsergebnissen: Mit ihren Spezialfahrzeugen vom Typ Transportpanzer Fuchs KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband (Kampfwertsteigerung Radio Multiband), einem hochmobilen System zur Radarpeilung, das mit schnellen Auf- und Abbauzeiten innerhalb weniger Minuten vor Ort einsetzbar ist, sind sie ideal für hochintensive Gefechtssituationen im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung gerüstet. Radaraufklärer und Operator Feldwebel Max M. erklärt: „Die Dreier-Besatzung des KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband kann das System komplett von innen steuern, betreiben und auch abbauen. Wir sind gegen Angriffe von außen geschützt und keiner muss das Fahrzeug verlassen.“

Ausbildung der Litauer in der elektromagnetischen Kampfführung

Zwei litauische und zwei deutsche Soldaten stehen vor einem Fahrzeug zur Radaraufklärung.

Während der Übung besprechen sich die deutschen Radaraufklärer mit ihren beiden litauischen „Azubis“ vor dem Fuchs KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband

Bundeswehr/Michael Rupertus

Die Radaraufklärer nutzten die Übung vor allem dazu, ihre litauischen Kameraden an ihrem System auszubilden. Zurzeit hat Max M. einen Azubi, Seržantai (Stabsunteroffizier) Jonas K. Er wurde gerade erst eine Woche lang in Deutschland ausgebildet und vertieft nun sein Wissen an der Seite von Max M. Wenn die beiden zusammen ihre Schicht machen, sucht der Fuchs KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband nach Signalen von Radargeräten. „Da unser System ein passives ist, sind wir schwierig zu erkennen“, so Max M. Durch das Training sollen die Litauer ein besseres Verständnis für die operationelle Umgebung bekommen. 

Es ist ein permanenter Prozess: Die Aufklärungsergebnisse werden an Gefechtsstände weitergegeben. Dort können eigene Operationen, etwa im Gefecht der verbundenen Waffen über Land, Luft und See (Multi Domain Operations) umgesetzt werden. Max M. und sein litauischer Kamerad sind sich einig. „Wir wollen das gleiche Trainingslevel in der NATO haben, um im Ernstfall gemeinsam unsere Grenzen verteidigen zu können“, sagt Max M.

ITInformationstechnik-Services und Aufklärung für Kriegstüchtigkeit unverzichtbar

Fazit: Führungsunterstützung durch Bereitstellung von ITInformationstechnik-Services und Aufklärung sind unverzichtbare Elemente für eine kriegstüchtige Bundeswehr auf dem heutigen Gefechtsfeld. Durch den Einsatz von moderner ITInformationstechnik sowie hochwertigen Aufklärungssystemen können eigene Kräfte und Bündnispartner ihre anspruchsvollen und vielfältigen Aufträge auch unter Bedrohung und im Gefecht erfolgreich bewältigen.

  • Eine Straßenlaterne, an der sehr viele Kabel befestigt wurden.

    Rund 4.000 Meter Kabel wurden verlegt, um die Verkabelung des ortsfesten Gefechtstands zu gewährleisten

    Bundeswehr/Michael Rupertus
  • Ein Soldat bedient einen Laptop an einem mobilen Kommunikationssystem.

    Ein Experte des ITInformationstechnik-Bataillons 381 stellt die einwandfreie Führungsfähigkeit sicher

    Bundeswehr/Michael Rupertus
  • Ein Bundeswehr-Lkw und ein Anhänger mit Satellitenschüssel stehen auf einer Wiese.

    Das Satellitenkommunikationssystem ist ein wesentlicher Bestandteil des mobilen Kommunikationssystems der Bundeswehr

    Bundeswehr/Michael Rupertus
  • Drei Soldaten stehen im Kreis zueinander. Schultern mit Wappen sichtbar.

    Multinational und interoperabel war die Übungsserie Quadriga 2024

    Bundeswehr/Michael Rupertus
  • Ein Soldat befestigt ein Tarnnetz an einem Fahrzeug, das am Waldrand steht

    Nur zum Tarnen ihres Fahrzeugs müssen die Radaraufklärer ihren Fuchs KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband verlassen

    Bundeswehr/Michael Rupertus
  • Ein getarntes Fahrzeug in einem Waldstück.

    Nach abgeschlossener Tarnung ist bei genauerem hinsehen nur noch die Peilantenne des Fuchs KWSKampfwertsteigerung RMBRadio Multiband zu erkennen

    Bundeswehr/Michael Rupertus
von Martina Pump  E-Mail schreiben

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