Multinationale Übung CWIX
Interoperabilität ist der Grundbaustein für Führungsfähigkeit. Um diese Fähigkeiten zu testen, bietet die Übung CWIX den passenden Rahmen.
Entwickeln, Testen, Optimieren – seit 25 Jahren bietet die NATO-Übung CWIX teilnehmenden Nationen die Möglichkeit, IT-Systeme und Cyber-Fähigkeiten unter sicheren Rahmenbedingungen gemeinsam weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Schritt, um die Interoperabilität im Bündnis zu verbessern.
Die Übung CWIX gibt den Teilnehmenden aus insgesamt 49 Nationen die Möglichkeit, Wissen auszutauschen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam Projekte zu realisieren
Bundeswehr/Michael RupertusSeit Gründung der NATO im Jahr 1949 steht die Allianz für kollektive Verteidigung und gegenseitigen Schutz. Angesichts neuer sicherheitspolitischer Entwicklungen sowie rascher technologischer Fortschritte verändern sich jedoch auch die Anforderungen an die NATO. So zeigt sich am Beispiel aktueller Konflikte deutlich, welche Bedeutung die Dimensionen Cyber- und Informationsraum und Weltraum in Zeiten moderner Kriegsführung bekommen haben. Die zeitlichen und räumlichen Grenzen des Gefechtsfeldes verschwimmen immer mehr, was Schnelligkeit und Informationsüberlegenheit zu einem essenziellen Faktor effektiver Verteidigung macht.
Um auf immer komplexere Bedrohungen reagieren zu können und auf dem multidimensionalen Gefechtsfeld zu bestehen, ist die Anwendung neuester Technologien unumgänglich. Technologien, die so aufeinander abgestimmt sind, dass ein nahtloser und fehlerfreier Informationsaustausch sowohl zwischen den nationalen Teilstreitkräften als auch zwischen den 32 Mitgliedsstaaten sowie Partnernationen der NATO erfolgen kann.
Die Möglichkeit, nicht nur bestehende Systeme ausgiebig zu testen und zu optimieren, sondern auch neue experimentelle Technologien zu entwickeln, bietet die NATO-Übung CWIX, die in diesem Jahr vom 3. bis 21. Juni in Polen am Joint Force Training Centre stattfindet. CWIX steht für Coalition Warrior Interoperability eXploration, eXperimentation, eXamination eXercise – es geht also nicht nur ums Üben, sondern auch ums Experimentieren und Überprüfen.
Zudem dient der praktische, szenario-basierte Anteil der Übung dazu, rechtzeitig relevante Schwachstellen aufzuzeigen. Denn die Durchführung multinationaler Operationen kann nur dann funktionieren, wenn Informationen oder Daten zuverlässig zur richtigen Zeit, im richtigen Format am richtigen Ort ankommen und dort auch weiterverarbeitet werden können. Neben den technologischen Aspekten bietet diese Übung den rund 2.500 Teilnehmenden aus insgesamt 49 Nationen jedoch auch die Möglichkeit, Wissen auszutauschen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam Projekte zu realisieren.
Unter Führung des Kommandos Cyber- und Informationsraum nehmen auch bei der diesjährigen CWIX Bundeswehrangehörige aus allen Teilstreitkräften teil. Im Hinblick auf die bevorstehenden Einsätze der Bundeswehr in der European Union Battle Group 2025 sowie dem NATO Deployable Force Pool – beides sind schnell verlegbare Truppenverbände - ist die Zielsetzung dabei klar: Bei der Übung gilt es, einsatzrelevante IT-Systeme und Services so vorzubereiten, dass die Führungsfähigkeit deutscher Kräfte innerhalb eines multinationalen Verbandes durchgängig gegeben ist.
Bereits seit einigen Jahren zeichnet sich eine Entwicklung militärischer Operationen zu sogenannten Multi Domain Operations ab. Operationen, die dimensionsübergreifend geplant und ausgeführt werden, um so einen größtmöglichen Effekt zu erzielen. Die Dimensionen CIR und Weltraum gelten dabei als „Enabler“. Sie durchdringen die etablierten Dimensionen Land, See und Luft, um in diesen eine schnellere Reaktionsfähigkeit und größere Wirkung zu ermöglichen. Für diese komplexe Art der Operationen ist sowohl auf nationaler als auch auf multinationaler Ebene eine dauerhafte Vernetzung taktischer Elemente aller Dimensionen erforderlich.
Den Rahmen dafür bildet das Federated Mission Networking (FMN), an dem sich insgesamt 37 Nationen beteiligen. Durch die Planung, Vorbereitung, Einrichtung und Nutzung von Missionsnetzwerken soll ein zuverlässiger und effektiver Informationsaustausch bei verbündeten Operationen gewährleistet werden. Um jederzeit einsatzbereit zu sein, müssen allerdings alle beteiligten Nationen auf demselben technologischen Stand sein. Daher werden IT-Systeme und Services anhand sogenannter Spirals weiterentwickelt. Diese definieren, welche Fähigkeiten mit welchem Grad der Interoperabilität in welchem Zeitraum zu erreichen sind. Die Weiterentwicklung und Überprüfung FMN-konformer IT-Systeme ist bei der Übung CWIX der zweite Schwerpunkt für die Soldatinnen und Soldaten des Cyber- und Informationsraum.
Das Patch der deutschen Delegation und das Patch bei der CWIX 2024
BundeswehrInteroperabilität auf dem Gefechtsfeld zu erreichen ist jedoch oft nur durch jahrelange Vorbereitung möglich. Zeit, die im Ernstfall meist nicht zur Verfügung steht. Umso wichtiger ist es also Prozesse, Ausbildungen und Technologien kontinuierlich multinational abzustimmen. Seit 1999 bietet das Combined Federated Battle Laboratories Network dazu ein stabiles multi-domänes Netzwerk, um technische Interoperabilitätstests in einem sicheren Rahmen durchzuführen. Jahr für Jahr entwickelte sich die sogenannte Joint Warrior Interoperability Demonstration weiter, vernetzt immer mehr Nationen in einem immer größeren Anwendungsbereich. Seit 2011 treffen sich schließlich einmal jährlich Wissenschaftler, Industrievertreter und Militär im polnischen Bydgoszcz zur weltweit größten Übung für Interoperabilität – der CWIX.
von Lea Bacherle E-Mail schreiben