Die militärische Cloud: Rückgrat moderner Verteidigung
Ohne sichere Cloud-Infrastruktur ist moderne Verteidigung kaum möglich – dabei sie muss militärischen Ansprüchen genügen.
Interoperabilität ist der Grundbaustein für die Führungsfähigkeit multinationaler militärischer Kräfte und damit essenziell wichtig für die Landes- und Bündnisverteidigung. Um Interoperabilität zu testen und zu optimieren, bietet die Übung CWIX den passenden Rahmen.
Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die Coalition Warrior Interoperability eXploration, eXperimentation, eXamination eXercise, eine multinationale Interoperabilitätsübung der NATO mit deren Verbündeten und Freunden.
Die CWIX stellt das wichtigste Interoperabilitätsprogramm der NATO – das Federated Mission Networking (FMN) – in den Fokus und bietet einen Anteil zur Untersuchung zukunftsgerichteter Technologien zur Durchführung von technischen Interoperabilitätstests (eXploration, eXperimentation). Außerdem gibt es einen szenariogetriebenen Anteil, um rechtzeitig operationell und operativ relevante Interoperabilitätslücken (IO- Shortfalls) bei militärischen Kräften und Verbänden aufzuzeigen (eXamination, eXercise). Das können beispielsweise Einsatzkontingente oder die schnelle Eingreiftruppe der NATO, die Allied Reaction Force (ARF), sein.
Die CWIX dient der Vorbereitung von NATO-Missionen und der Zertifizierung von multinational abgestimmten IT-Services. Damit ist CWIX die wichtigste Testumgebung zur Herstellung einer interoperablen Führungsfähigkeit, um eine durchgängige, leistungsfähige und hochmobile Einsatz- und Operationsführung der Streitkräfte zu gewährleisten. Das gilt national wie multinational und in allen Dimensionen und Intensitäten.
Deutscher Schwerpunkt der CWIX 2026 sind Aktivitäten zur Weiterentwicklung und Evaluierung von IT-Services/IT-Systemen entlang der Vorgaben des Federated Mission Networking. Ein besonderer Fokus liegt dabei darauf, die Interoperabilität deutscher Beiträge zu NATO-Kräften zu gewährleisten, denn das ist Voraussetzung für deren Führbarkeit. Gerade weil der Cyber- und der Informationsraum keine Grenzen kennt, müssen NATO-Partner eng zusammenarbeiten und Nationen ein einheitliches und möglichst aktuelles Lagebild haben. Dazu müssen alle Systeme untereinander fehlerfrei kommunizieren können. Genau das wird während der Übung mit Wissenschaftlern, Industrievertretern und Militär getestet und verbessert.
Patch der CWIX
Bundeswehr/PIZ CIR
„Von Steve Jobs erstem Apple PC in seiner Garage bis hin zum fertig akkreditierten Netzwerk inklusive ausgebildetem Personal, welches am nächsten Tag verlegt werden kann, bietet die multinationale Übung CWIX alle nur erdenklichen Möglichkeiten der Weiterentwicklung sowie Bereitstellung von Fähigkeiten. Unter diesen Gesichtspunkten ist die CWIX einfach auch die größte NATO-Interoperabilitätsübung mit einer Heimat für IT-Nerds bis hin zum Operateur.“
Das Ziel der Übung CWIX ist, die verbündeten Nationen und Partnerländer der NATO mit ihren unterschiedlichsten Fähigkeiten zusammen zu bringen, um deren Interoperabilität zu testen und letzten Endes auch zu optimieren. Ohne funktionierende Interoperabilität können multinationale Missionen und Einsätze nicht gelingen. Das zeigt sich vor allem gleich zu Beginn jeder NATO-Operation. Daher muss Interoperabilität getestet und verifiziert sein, um im Ernstfall fehlerfrei eingesetzt werden zu können.
Auch für die deutschen Streitkräfte ist klar, dass sie meist nur im Bündnis beziehungsweise multinational eingesetzt werden. So ist es unabdingbar, dass die deutschen Systeme interoperabel mit denen der NATO und denen von Bündnis- und Missionspartnern sind. Daher dient die Übung CWIX auch als nationale Plattform, um Systeme zu testen und zu optimieren. Dafür arbeiten die „besten und klügsten Köpfe“ zusammen – von Wissenschaftlern über militärische IT-Spezialisten und -Spezialistinnen bis hin zur Industrie: eine optimale Gelegenheit, um gemeinsam die Kompatibilität der Fähigkeiten zu verbessern. Durch diese intensive Zusammenarbeit gelingt es, Interoperabilitätsprobleme schneller zu lösen, das Verteidigungsbündnis zu stärken und entscheidend zur operationellen Einsatzbereitschaft der Streitkräfte beizutragen.
Interoperabilität – die Fähigkeit multinationaler Einheiten, gemeinsam zu handeln – ist die Grundlage für alle NATO-Operationen. Sie ist Bedingung dafür, dass Streitkräfte und ihre IT-Services und IT-Systeme zusammenwirken, um so die gemeinsamen Ziele zu erreichen. Interoperabilität bezieht sich nicht nur auf Einsätze, sondern auch auf gemeinsame Ausbildung und Übungen. Sie umfasst technische Kompatibilität, gemeinsame Verfahren und Einsatzgrundsätze. Interoperabilität wird häufig mit Hilfe von gemeinsamen Standards erreicht und ist das Fundament für eine gemeinsame Verteidigung des Bündnisgebietes.
Das Federated Mission Networking ist die wichtigste connecting Forces Initiative der NATO, um einen gemeinsamen Stand an Interoperabilität zu erreichen. In der NATO bringen die Mitglieder ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit, sowohl in der Technik als auch im Bereich der Einsatzgrundsätze und der Ausbildung. In einer Föderation werden die eigenen Netzwerke und Systeme beibehalten und unter dem Dach des FMN aufeinander abgestimmt. So kann die NATO schneller auf Krisen reagieren und gemeinsam agieren, ohne dass die jeweilige nationale Selbstständigkeit aufgegeben werden muss. Die NATO spricht deshalb in diesem Zusammenhang von Day Zero Interoperability, in Deutschland wird das häufig mit Kaltstartfähigkeit übersetzt.
Die Bundeswehr setzt diese multinational vereinbarten Standards unter anderem im Projekt German Mission Network (GMN) um. Das GMN soll die multinationalen Vorgaben des FMN für Deutschland umsetzen und somit die Grundvoraussetzung zur Informationsversorgung der Streitkräfte sicherstellen.
Im Spiral Development wird ein definierter Zeitraum (der sogenannte „Spiral“) vorgegeben. Dieser definiert, welche multinational abgestimmten Fähigkeiten mit welchem Grad der Interoperabilität zu diesem Zeitpunkt zu erreichen sind. Mit den Spirals wird ein kontinuierlicher Fähigkeitsaufwuchs des Bündnisses zielgerichtet forciert. Das Testen der Spirals kann sich überschneiden. Während der CWIX 2026 wurden zum Bespiel Systeme in Vorbereitung auf konkrete Einsätze im Spiral 3 überprüft, Tests im anstehenden Spiral 4 durchgeführt, während gleichzeitig Untersuchungen zum zukünftigen Spiral 5 durchliefen.
Nicht nur Technik: Ein Vorteil der Übung in Bydgoszcz sind die kurzen Wege und die Möglichkeiten, sich direkt auszutauschen.
PAO JFTC
Deutscher Schwerpunkt der CWIX 2026 sind Aktivitäten zur Weiterentwicklung und Evaluierung von IT-Services/IT-Systemen entlang der Vorgaben des Federated Mission Networking
PAO JFTC
Inspekteur CIR, Vizeadmiral Dr. Thomas Daum bei der CWIX: Hier ist der Raum zum Experimentieren und Ausprobieren. Das Ziel: Interoperabilität mit den Systemen anderer Nationen.
Bundeswehr/Michael Rupertus
Beim Federated Mission Networking bringen sich die Mitgliedsstaaten mit nationalen, technischen Systemen in die namensgebende Föderation ein
Bundeswehr/Michael Rupertus
Auch multinationale Verbände wie die Deutsch-Französische Brigade nahmen in der Vergangenheit an der Übung CWIX teil
NATO
Verschiedene Geräte und Verfahren, wie hier im Bereich Kommunikation, werden jährlich während der CWIX auf Herz und Nieren getestet
NATO
Während der CWIX arbeiten mehr als 40 Nationen und Institutionen an der Interoperabilität ihrer Systeme und Verfahren
Bundeswehr/Michael Rupertus
Nicht nur der Organisationsbereich CIR ist an der CWIX beteiligt: Hier testet ein Angehöriger der Marine ein Ausbildungssystem
Bundeswehr/Michael Rupertus
Während der Übung CWIX werden auch Systeme auf Fahrzeugen angebunden und getestet, wie hier aus dem IT-Bataillon 282 aus Kastellaun
Bundeswehr/Kjell Tandetzke