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Cyber- und Informationsraum
CWIX 2024

Mit PRADA an die Ostflanke

Wer bei diesem Titel auf neue Feldblusen im Stil Mailänder Haute Couture hofft, der irrt. PRADA ist ein Beispiel für den Impact eines IT-Projektes auf die tatsächliche Einsatzbereitschaft und war so auch bei der diesjährigen CWIX vertreten. Im Interview schildert uns Oberstleutnant Ulrich K. aus dem Planungsamt, was dahintersteckt.

Ein Soldat in Pilotenkombi steht auf dem Rollfeld eines Flugplatzes vor einer großen grauen Drohne

Oberstleutnant Ulrich K. in einer Vorverwendung, bei der er für die NATO mit der Einsatzfähigkeit der Global-Hawk-Drohne befasst war

Bundeswehr

Herr Oberstleutnant, können Sie sich selbst kurz vorstellen?

Ja gerne. Ich bin Oberstleutnant Ulrich K.*, seit 1983 Soldat, und kam ursprünglich zur Bundeswehr, weil ich immer fliegen wollte. Nach einem Pädagogikstudium ging es für mich in die USA zur Pilotenausbildung, dann nach Oldenburg auf den Alpha Jet und schließlich in den 90er-Jahren nach Nörvenich auf den Tornado. 

Danach war ich zeitweise Inspektionschef an der Offizierschule der Luftwaffe und bin nun über mehrere NATO-Verwendungen, bei denen ich mich zum Beispiel mit der Einsatzfähigkeit der Global-Hawk-Drohne befasst habe, Chef eines Analyse-Referates im Planungsamt der Bundeswehr. Meine Aufgabe hier ist auch die Übersetzungsleistung zwischen den IT-lern und den Entscheidungsträgern. Als militärischer Führer muss ich die Richtung vorgeben und mich um mein Team sorgen.

Sie leiten im Planungsamt der Bundeswehr das Projekt PRADA. Wofür steht das und was kann man sich darunter vorstellen?

PRADA ist ein IT-Service-Projekt und steht für Prognosefähigkeit: Aenderung des Ausfallverhaltens. Das ist natürlich etwas sperrig, also wollten wir dafür eine prägnante Abkürzung. Im Prinzip geht es darum, mit möglichst vielen Daten vorauszusagen, wie die Realität hinsichtlich der Einsatzbereitschaft der Waffensysteme in drei bis sieben Jahren aussieht – wie zum Beispiel bei Hubschraubern oder auch Panzern. So eine Simulation zu erstellen, dauert dann bis zu einem Jahr.

Das Simulationsmodell haben wir aus der Industrie bekommen. Dann ging es darum, alle Faktoren zusammenzuführen und auch mit Annahmen zu arbeiten. Am Ende steht dann eine riesige Excel-Tabelle und die Software rechnet uns aus, wie viele Waffensysteme von beispielsweise dem Kampfhubschrauber Tiger dann zu welchem Zeitpunkt technisch einsatzbereit sein werden und was getan werden muss, um diesen Klarstand zu halten.

Portrait Oberstleutnant Ulrich K. Ulrich K., Oberstleutnant
„Wissen, das uns hilft, einen höheren Klarstand zu haben!“

Was erhofft man sich von PRADA?

Wir erhoffen uns davon neben einer zahlenmäßig höheren Einsatzbereitschaft der Systeme, auch ein Kontrollinstrument gegenüber der Industrie zu erhalten, die für einen Teil der technischen Versorgung zuständig ist. Damit können wir am Ende des Tages mehr Waffensysteme bereitstellen und sind dabei noch effizienter im Umgang mit den Haushaltsmitteln. Es ist eine datengetriebene Entscheidungsunterstützung im Sinne der Zeitenwende und produziert Wissen, das uns hilft, einen höheren Klarstand zu haben!

Worauf sind Sie bei diesem Projekt besonders stolz?

Militärische Entscheider brauchen schnelle Information und das geht nur digital. Ohne datengetriebene Entscheidungsunterstützung haben wir keine Wirkungsüberlegenheit in einem kommenden Krieg. Darauf ist alles ausgerichtet und daran arbeiten wir. Es ist auch billiger, zielgerichtet instand zu setzen, als neues Material zu beschaffen. Wir wollen Innovation und Forschung unterstützen und mit unkonventionellen Ansätzen Entwicklungen forcieren und komplexe Probleme lösen. Möglichst viele Akteure zusammenzubringen und in einer Allianz zielgerichtet anzuführen – darum geht es uns hier, auch mit PRADA.

Ein olivfarbener Kampfhubschrauber im Flug

Ein Kampfhubschrauber Tiger vom Kampfhubschrauberregiment 36 startet zu einem Übungsflug im Rahmen der Übungsserie Quadriga 2024 in Litauen

Bundeswehr/Marco Dorow

Sie waren dieses Jahr mit Ihrem Projekt auch bei der CWIX, der größten Cyber-Interoperabilitätsübung der NATO, vertreten. Wo sind denn die Schnittstellen mit der TSK CIR und unserer Übung?

Also zunächst einmal mit dem CIR: Wir arbeiten mit Unmengen an Daten. Dafür braucht es erst einmal Regeln, wem diese Daten gehören, wer für die Pflege zuständig ist, wer vor Korrumpierung schützt und so weiter. Das ist vergleichbar mit der Straßenverkehrsordnung und nennt sich Data Governance. Dafür arbeiten wir eng mit dem Kommando CIR beziehungsweise auch der Abteilung Cyber- und Informationstechnik (CIT) im Ministerium zusammen. 

Bei der CWIX ging es aber eher um den praktischen Ansatz. Wenn ich sagen kann, wie viele Panzer in einigen Jahren verfügbar sind, kann ich heute schon anfangen zu planen und das LOGFAS (Logistic Functional Area Service) der NATO mit diesen Daten füttern, um die multinationale Planung zu erleichtern. Das ist ein IT-System, das Informationen für Planung, Verwaltung und Koordination von logistischen Operationen sammelt und verteilt. Und deshalb waren wir dort in Bydgoszcz, um die Schnittstelle von LOGFAS zu unserem System zu bauen und auch zu testen.

Können Sie uns einen Ausblick geben, wie es mit dem Projekt weitergeht?

Als Nächstes wollen wir an unserer Anwenderfreundlichkeit arbeiten. Die Vision ist es, jeder Ebene vom Bataillonskommandeur über das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) bis hin zum Generalinspekteur möglichst übersichtlich genau die Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie für ihre Entscheidungsfindung benötigen. Dafür brauchen wir Soldatinnen und Soldaten mit Teamgeist, Motivation und natürlich Fachkenntnissen. Und ich habe so ein tolles Team, mit dem man offensichtlich innovativ arbeiten kann!

Herr Oberstleutnant, wir danken herzlich für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg mit PRADA!

*Name zum Schutz abgekürzt.

von Maximilian Bosse  E-Mail schreiben

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