Der Airbus A330 MRTT
Der MMU-Flieger betankt die NATO und transportiert Material und Personal.
- Gerätetyp:
- Flugzeuge
- Streitkräfte:
- Luftwaffe
Ob bei NATO-Übungen, Auslandseinsätzen oder im nationalen Luftraum: Die Luftbetankung ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben der Luftwaffe. Moderne Tankflugzeuge wie der A400M, der A330 MRTT oder der KC-130J versorgen Kampfflugzeuge, Transportmaschinen und Hubschrauber mit Treibstoff und vergrößern so deren Reichweite.
Wenn Kampfflugzeuge im Einsatz sind, sollen sie fliegen und nicht am Boden stehen. Jede vermeidbare Landung würde die Maschinen und ihre Besatzungen unnötig gefährden und wertvolle Zeit kosten. Abhilfe schafft die Luftbetankung: Dank der „fliegenden Tankstellen“ können Flugzeuge deutlich länger in der Luft bleiben, größere Distanzen überwinden und ihre Einsatzräume flexibel erweitern.
Bei der Luftbetankung übergibt die Besatzung eines Tankflugzeug Treibstoff an ein anderes Luftfahrzeug. Dies geschieht, während beide eng hintereinander fliegen, oftmals tausende Meter über dem Boden. Eine starre oder flexible Leitung verbindet die Maschinen für wenige Minuten. Dabei fließen hunderte Liter Treibstoff pro Minute. Das Manöver erfordert äußerste Präzision.
Wann das Starrstangenverfahren („Boom“) und wann das Schlauch- und Trichterverfahren („Probe and Drogue“) genutzt wird, hängt vom zu betankenden Luftfahrzeugtyp ab. Beispielsweise wird ein F-35-Kampfjet oder eine AWACS-Aufklärungsmaschine über den Boom betankt, ein Eurofighter oder ein US-amerikanischer Boeing-Helikopter hingegen über den Trichter.
Ein A400M der Luftwaffe nutzt das Schlauch- und Trichterverfahren („Probe and Drogue“), um ein anderes Luftfahrzeug zu betanken. Über eine ausfahrbare Leitung wird der Treibstoff präzise während des Fluges übergeben.
Bundeswehr/Christian Timmig
Beim Starrstangenverfahren („Boom“) steuert die Besatzung eines A330 MRTT eine Teleskopstange in die Kupplung des Empfängerflugzeugs. Das System erlaubt besonders hohe Durchflussraten.
Bundeswehr/Sebastian WilkeDer Tankvorgang folgt in der Regel einem festgelegten Schema: Die zu betankenden Luftfahrzeuge fliegen in Formation dicht hintereinander von links an das Tankflugzeug heran und nehmen Funkkontakt mit dessen Crew auf. Aus dieser „Echelon“ genannten Position werden sie einzeln in die Betankungspositionen hinter den Tragflächen oder dem Heck des Tankers geschickt. Beim Schlauch- und Trichterverfahren können zwei Maschinen gleichzeitig betankt werden, beim Starrstangenverfahren eine Maschine. Der Tankvorgang dauert im Durchschnitt bei Kampfflugzeugen jeweils drei bis vier Minuten. Nach dem Abschluss des Betankungsvorgangs werden die Maschinen an die rechte Tragfläche geschickt, um sich dort für den Abflug zu sammeln. Die ganze Operation folgt einem minutengenauen Zeitplan.
Bevor ein Tankflugzeug überhaupt andere Maschinen versorgen kann, muss auch sein eigener Treibstoffvorrat präzise geplant werden. Der Kraftstoff gelangt über Bodenanlagen in riesige Tanks, wird überprüft, gefiltert und für den Flug vorbereitet. In Einsatzgebieten sorgen militärische Feldtanklager oder mobile Betankungssysteme für Nachschub. Auf diese Weise bleibt die Luftwaffe auch fernab fester Stützpunkte handlungsfähig – egal ob im Inland, in der Wüste Jordaniens oder im Baltikum.
Die Bundeswehr sichert mit modernen Tankflugzeugtypen ihre weltweite Durchhaltefähigkeit. Die Luftwaffe nutzt dafür drei Flugzeugtypen für Betankungsmissionen. Jedes hat spezifische Vorteile und eignet sich für unterschiedliche Missionen.
Der A400M dient als flexibler Tanker für Kampfflugzeuge und Transportmaschinen sowie zukünftig auch für Hubschrauber in allen Höhenbändern. Sein Einsatzgebiet hat eine Reichweite von rund 3.000 Kilometern. Der A330 MRTT kommt im Schwerpunkt bei Langstreckenmissionen und größeren Betankungsvorgängen zum Einsatz. Die Reichweite des Luftfahrzeugs beträgt mehr als 14.000 Kilometer. Bei niedrigen Flughöhen und für Hubschrauber ist die KC-130J der Tanker der Wahl. Gemeinsam bilden sie das Rückgrat der fliegenden Tanklogistik der Bundeswehr.
Der MMU-Flieger betankt die NATO und transportiert Material und Personal.
Der Airbus A400M ist Transporter, Tank- und Rettungsflieger zugleich.
Die C-130J ist ideal für kurze und unbefestigte Pisten.
Ob bei Großübungen wie Red Flag, Desert Flag und Cold Response oder bei Einsätzen wie dem Anti-IS-Einsatz Counter Daesh oder der Ukraine-Unterstützungsmission NSATU: Luftbetankung ist essenziell, um fliegende Verbände über lange Distanzen einsatzbereit zu halten. So sichert sie die Durchhaltefähigkeit deutscher und alliierter Kräfte. Regelmäßige Manöver wie Pacific Skies und Air Defender dienen dazu, Verfahren und Zusammenspiel zwischen Tank- und Kampfflugzeugen weiter zu verfeinern.
Die strategische Luftbetankung der Bundeswehr erfolgt im multinationalen Rahmen der Multinational Multirole Tanker Transport Unit (MMU). Sie ist ein Paradebeispiel für funktionierende europäische Verteidigungszusammenarbeit. Von Eindhoven und Köln-Wahn aus fliegen A330-MRTT-Maschinen Einsätze für die NATO und Partnernationen. Ihre Aufgaben reichen von Luftbetankung und strategischem Lufttransport bis hin zu medizinischen Evakuierungen (MedEvac). Zukünftig werden auch Flugzeuge der MMU aus Dänemark als neuer Partnernation starten.
Ergänzt wird die strategische Luftbetankung bei der Bundeswehr durch die taktische Luftbetankung. Das niedersächsische Wunstorf beheimatet dazu den größten Lufttransport- und Luftbetankungsstandort der Bundeswehr. Mit mehr als 50 Fliegern vom Typ A400M kann das Lufttransportgeschwader 62 andere Luftfahrzeuge auch in direkter Einsatznähe betanken und gleichzeitig Transport- und Evakuierungsaufgaben wahrnehmen. Der Standort in Wunstorf ist zudem der zentrale Ausbildungsstandort für Besatzungen, die Luftbetankungsmissionen fliegen, und bildet damit die personelle Grundlage für den dauerhaften Betrieb dieser Fähigkeit.
In Évreux betreiben Deutschland und Frankreich gemeinsam die deutsch-französische Lufttransportstaffel mit Transportflugzeugen des Typs C-130J Super Hercules. Der Verband ist auf flexible, einsatznahe Betankungen im und rund ums Einsatzgebiet ausgelegt. Die Betankungsvariante KC-130J kann neben Kampfflugzeugen auch Hubschrauber in der Luft in geringer Flughöhe versorgen – eine Fähigkeit, die insbesondere bei Spezialoperationen und im taktischen Einsatz gefragt ist. Zusammen decken die drei Standorte unterschiedliche Einsatzprofile ab und sichern die Luftbetankung der Bundeswehr in der gesamten Bandbreite militärischer Operationen.
Eine multinationale Tankerflotte betankt Eurofighter und F-35 während einer Übung – ein Einsatz für Europas Sicherheit.