Streitkräftebasis

Den Bison zähmen

Den Bison zähmen

  • Logistik
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Osterholz-Scharmbeck
Lesedauer:
3 MIN

Der sgeBAF Bison ist kein behaartes Tier in der Prärie, sondern ein schweres geschütztes Berge- und Abschleppfahrzeug. Sein Bedienerlehrgang findet an der Logistikschule der Bundeswehr statt.

Die geschützte Fahrerkabine des Bison von außen.

Die Fahrerkabine des Bison lässt erahnen, dass es sich hier nicht um ein gewöhnliches Abschleppfahrzeug handelt

Bundeswehr/Brian Melzer

Die Drehzahl des über 500 PS starken V8 Turbodiesels erhöht sich merklich, als es darangeht, die Reserven des on-board Luftkompressors zu nutzen. Oberstabsgefreiter Peter Dreßel legt die Handbedienung zur Steuerung der hydraulischen Abschleppbrille zur Seite und positioniert die sogenannten Abschleppadapter gemeinsam mit Hauptfeldwebel Stefan Geiger unter einem Schadfahrzeug. Es gilt, einen über 32 Tonnen schweren MULTI, ein vierachsiger Lastwagen der Bundeswehr, am Fahrgestell anzuheben, um ihn zu bergen.

Kein gewöhnliches Abschleppfahrzeug

Zwei Soldaten stehen vor einem Bison in einem technischen Bereich der Logistikschule.

Eingespieltes Team: Die Lehrgangsteilnehmer aus Walldürn gehen demnächst mit dem Bison in den Einsatz

Bundeswehr/Brian Melzer

Der 35 Tonnen schwere Bison ist kein behaartes Tier in der Prärie, sondern ein geschütztes Fahrzeug der Bundeswehr. Dieses, besonders geländegängige Fahrzeug, auf Basis des zivilen Mercedes Actros 4151 8x8, gibt es insgesamt 12x in der Bundeswehr. Ursprünglich zur Bergung des 2011 in Dienst gestellten gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug, kurz GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, kann der vielseitige Bison zur Bergung fast aller im Einsatz befindlichen Fahrzeuge genutzt werden. Diese Fähigkeit steigert die Resilienz der Soldatinnen und Soldaten im Einsatzgebiet. Mit dem Bison kann die Bundeswehr selbstständig und schnell ausgefallene Fahrzeuge bergen und instand setzen, ohne Ressourcen und Fahrzeuge von Bündnispartnern beanspruchen zu müssen. Von diesem Mehrwert profitieren alle Koalitionspartner im Einsatz.    

Die Besatzung von zwei Soldaten muss vor allem im Umgang mit der sogenannten Abschleppbrille, einem ausfahrbaren Haken, der sich auf fast alle Fahrzeuge der Bundeswehr adaptieren lässt, in Kombination mit der Nutzung des Krans geschult werden.

Der Betrieb des Fahrzeugs unterscheidet sich kaum von dem eines zivilen Mercedes Actros. Die 500 PS werden über eine 16 Gang Schaltung an die 8 angetriebenen Räder, bzw. die 4 Antriebsachsen übertragen. Allerdings deuten schon die hydraulisch betriebenen Türen auf den besonderen Schutz der Fahrerkabine vor Beschuss und Sprengfallen hin.

Multinationaler Einsatz

Zwei Soldaten heben mit dem Kran des Bison das Ersatzrad herunter.

Hier hilft kein Straßendienst: Beim Reifenwechsel am Bison muss der eigene Kran genutzt werden.

Bundeswehr/Brian Melzer

Muss man bei einigen zivilen Fahrzeugen manchmal nach dem Reserverad suchen. Beim Bison ist es gut sichtbar auf dem „Abschlepphaken“ platziert. Ein Wechsel des mehreren hundert Kilogramm schweren Rades ist natürlich auch Teil der Ausbildung an der Logistikschule der Bundeswehr, einer Ausbildungsstätte der Streitkräftebasis. Falls sich das geschützte Berge- und Abschleppfahrzeug, SGeBAF, so die offizielle Abkürzung, doch einmal festfahren sollte, ermöglichen zusätzliche Bergeösen an der Front die Unterstützung durch einen Bergepanzer. Auch dieses Manöver muss geübt werden. Neben den Ösen gibt es an der Front und am Heck jeweils eine Seilwinde am Fahrzeug. In der Regel werden die zu bergenden Fahrzeuge aber über die Abschleppbrille, mit entsprechenden Adaptern, abgeschleppt. Der Einsatz dieser Abschleppbrille ist ein Ausbildungsschwerpunkt. An unterschiedlichen Fahrzeugen von kleinen Geländewagen, wie einem WOLF, bis zu schweren Lastwagen, beispielsweise einem MULTI, wird geübt. Mit verschiedenen Adaptern, die nach der NATO-Norm ausgelegt sind, können auch Fahrzeuge anderer NATO-Partner „an den Haken“ genommen werden.

Kürzere Ausbildungsdauer während Corona

Ein Soldat wartet ein Fahrzeug.

Stabsfeldwebel Biernoth half bei den abschließenden Wartungsarbeiten am Bison.

Bundeswehr/Brian Melzer

„Im Einsatzgebiet sind die Kameraden vor Ort die Spezialisten, auf die sich alle verlassen müssen. Dort ist kein Ausbilder mehr im Hintergrund, der mit nützlichen Hinweisen unterstützen kann“ – so Stabsfeldwebel Christian Biernoth, BISON-Ausbilder an der LogSBw. Die anspruchsvolle Bedienerausbildung des Bisons wird während der Corona-Pandemie von üblichen sechs auf fünf Wochen gekürzt. „Die verkürzte Ausbildungszeit macht diesen Lehrgang noch anspruchsvoller, aber die Teilnehmenden bringen viel eigenes Interesse mit und fordern uns Ausbilder. Das macht wirklich Spaß“, sagt Stabsfeldwebel Christian Biernoth.

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Ein Abschlepparm mit Adaptern unter einem beschädigten Fahrzeug.

Zweckmäßigkeit: Je nach Anforderung müssen die entsprechenden Adapter ausgewählt werden. Hier müssen die Lehrgangsteilnehmer in ihrer Abschlussprüfung selbstständig entscheiden.

Bundeswehr/Brian Melzer
Ein Soldat entfernt überschüssiges Fett bei einer Fahrzeugwartung.

Die regelmäßige Wartung sichert die Funktion aller Fahrzeugkomponenten.

Bundeswehr/Brian Melzer
Ein Soldat unter einem hydraulischen Arm des Bisons.

Auch tief im Fahrzeug befinden sich sogenannte Abschmiernippel. Über diese versorgt Oberstabsgefreiter Dressel Lager über eine Fettpresse mit Schmierstoff.

Bundeswehr/Brian Melzer

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