Transkript Podcast der Bundeswehr Funkkreis #85

Transkript Podcast der Bundeswehr Funkkreis #85

Datum:
Lesedauer:
16 MIN

Sprecher:

Admiral Kay-Achim Schönbach (KASKonrad Adenauer Stiftung)
Redakteurin Barbara Gantenbein (BG)

Delta to all. Radio check. Over.
Hier ist Bravo. Kommen.
This is Tango. Over.
Funkkreis – Podcast der Bundeswehr

BG: Herzlich willkommen zum heutigen Podcast. Hier ist Barbara Gantenbein von der Redaktion der Bundeswehr. Ich bin heute in Rostock beim Marinekommando und zwar darf ich zu Gast sein beim Inspekteur der Marine, Admiral Kay-Achim Schönbach. Wir reden unter anderem über die Fregatte ,,Bayern“, die in wenigen Tagen auslaufen wird in den Indo-Pazifik. Erst mal herzlichen Dank, dass ich hier sein darf, und guten Tag, Herr Admiral.

KASKonrad Adenauer Stiftung: Guten Tag, Frau Gantenbein, und schade, dass es ja leider kein Videopodcast ist, sonst könnten Sie auch mal sehen, nachdem Sie vorher im Vorgespräch gesagt haben, wie schön es hier ist und es Ihnen gefällt.

BG: Ja, es ist ein tolles Büro. Ich bin sehr beeindruckt. Ganz viele Flaggen überall, enorm viele Coins und ein wunderbarer Stich von einer Seeschlacht. Also sehr beeindruckend. Aber warum schicken wir denn am 2. August überhaupt eine deutsche Fregatte ans andere Ende der Welt?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Man muss zumindest mal auf unsere Marinegeschichte schauen und die der Bundesmarine, dann deutschen Marine. Das ist ja nicht das erste Mal. Heute wird so der Eindruck vermittelt, das wäre jetzt wunderbar, das erste Mal. Das stimmt ja so nicht. Das hat es in der Vergangenheit auch gegeben. Unter anderen Vorzeichen. Jetzt fügt sich das in den Rahmen der Indo-Pazifik-Leitlinie nicht der Marine, sondern der Bundesregierung. Ein Baustein davon ist zum Beispiel die Entsendung in diesem Falle der Fregatte ,,Bayern''. Das hätte ein Schiff sein können, das hätten auch mehr sein können. Wir stellen jetzt im ersten Lauf mal so eine Fregatte. Und es dient dazu eben auch, die Indo-Pazifik-Leitlinie in diesem Falle auch mit Leben zu füllen. Die Reiseroute ist noch ganz safe, das ist alles noch ein bisschen in Bewegung, hat auch viel mit Corona zu tun, selbstverständlich. Aber wir besuchen dort unsere Wertepartner, im Zweifel auch China. Aber um einfach dort auch, nennen wir es einfach mal so, Flagge zu zeigen,  so wie sich das eben in dieser Indo-Pazifik-Leitlinie auch lesen lässt.

BG: Und warum ist dieses „Flagge-Zeigen“ so wichtig? Hat das was zu tun mit Völkerrecht oder mit freien Seewegen? Was steckt dahinter?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Wunderbar, damit haben Sie es fast schon beantwortet. Nein, es hat in der Tat damit zu tun und so steht das da auch in diesen Papieren, aber auch jenseits dieser Papiere: Weltmeere gehören uns allen. Und dort, anders als es, sagen wir mal, in den letzten 40 oder 50 Jahren im Nordatlantik der Fall war, kulminiert jetzt territoriale Streitigkeit, sicherheitspolitische Besonderheiten, konfrontative Dinge, wo wir glauben, wo die Bundesrepublik Deutschland glaubt, und ich halte das auch für richtig, eben insofern Flagge zu zeigen, an der Seite unserer Wertepartner zu stehen und sie zu unterstützen. Denn letzten Endes können wir eines nicht tun, wir sprechen immer davon, dass wir uns auf die Fahne schreiben „Weltweite Prosperität, Menschenrechte, Völkerrechte, Werte“. Aber immer dann, wenn es darauf ankommt, das jetzt auch zu zeigen, wenn es auch nur eine kleine Baustelle ist, dann halten wir uns raus. Und das ist in diesem Falle die Umsetzung und ich halte es für gut und richtig.

BG: Die Ministerin hatte ja auch gesagt, freie Handelswege schlagen direkt durch zum Beispiel auf unsere Lieferketten. Kann eine einzelne Fregatte da so viel Flagge zeigen, dass sich wirklich etwas bewegt?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Also man muss mal sehen, ja in der Tat, das ist jetzt ein Schiff, aber wir sind ja nicht allein. So wie wir in der NATO, in der Europäischen Union, in den Vereinten Nationen ja nicht allein sind. Deutschland rettet hier nicht die Welt. Das ist natürlich nicht die Absicht. Aber wir tun es an der Seite der anderen. Das heißt in diesem Falle: Ein Schiff, wir machen dort Übungen, wir treffen unsere Partner, sei es Australien, Japan und so weiter. Wir werden, das ist auch die feste Absicht und so ist es auch geplant, am Sanktionsregime gegen Nordkorea eben teilnehmen, in einer niederschwelligen Form. Um eben auch zu zeigen, wir tun es nicht nur bei uns um die Ecke, sondern wir ducken uns nicht weg, sondern sind eben mit dabei, mit unseren Partnern zusammen dort erneut Flagge zu zeigen und zu zeigen, wofür wir stehen.

BG: Sie haben eben schon gesagt, die Route ist noch nicht ganz fest. Unter anderem auch wegen Corona. Aber gibt es schon ein paar Häfen, die sicher angesteuert werden?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Ich kann eher auf die Länder eingehen. Also die Standardroute ist natürlich durch das Mittelmeer, durch den Suez-Kanal. Das ist logisch. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Um so kurz wie möglich oder so schnell wie möglich dort zu sein. Wir werden in Richtung Australien reisen, selbstverständlich auch Japan als die große Nation. Und durch das, wie ich gerade sagte, Sanktionsregime werden wir natürlich nicht nach Nordkorea fahren, aber wir werden in diesem Seegebiet vor Nordkorea stehen. Und dann, ich sagte es gerade eben, weil wir nicht konfrontativ sind, sondern eben auch das Angebot, sei es nun, weil es uns angeboten wird, wahrzunehmen oder einfach auch zu fragen, dass wir mit China dort eben auch in diesen Dialog treten. Und dann auch auf dem Hin- und Rückweg im Zweifelsfall noch Pakistan und Indien, weil wir neben der Tatsache, dort Flagge zu zeigen, eben auch viele andere Partner bei dieser Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen sollten, mit besuchen.

BG: Können Sie noch ein bisschen erläutern, welches Recht auf hoher See gilt? Weil diese Auseinandersetzung eben speziell mit China und dem Territorialanspruch, den China hat an bestimmte Gegenden, Spratly-Inseln oder so etwas, wird ja von allen anderen angefochten. Also was ist das verbindliche Recht?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Also das verbindliche Recht, Sie hatten das ganz am Anfang gesagt, sei es das Völkerrecht, Seevölkerrecht, das Recht auf die Nutzung der freien See, das ist in diesem Falle außerhalb von Territorialgewässern oder Gewässern, die zum Beispiel für Übungen oder Ähnliches gesperrt sind, für jeden überall befahrbar. Und Sie spielen natürlich an auf das Südchinesiche Meer, das in der Tat in einer gewissen Weise „geclaimed“ wird, gefordert wird als eine, ich sag mal, besondere Einflusszone der Volksrepublik China. Spratly-Inseln, die Paracel-Inseln sind das. Davon sind wir aber auf dem Weg durch das Südchinesische Meer weit entfernt. Wir werden die üblichen Handelsrouten benutzen, wo eben jeder fahren kann. Aber ich will der Frage, die hinter der Frage steht, natürlich nicht ausweichen: In der Tat sehen wir auch in diesem Fall dieses Recht, das Seevölkerrecht, tatsächlich als verbindlich an. Wir unterstützen selbstverständlich die Volksrepublik China dabei nicht, dass diese kleinen Atolle, die dann aufgeschwemmt werden und ausgebaut werden zu Inseln, darum herum dann eine Zwölfmeilenzone als Territorialgewässer zu formulieren und zu fordern. Das unterstützen wir selbstverständlich nicht. Aber wie ich eingangs sagte, wir gehen da nicht in die Konfrontation. Das heißt, wir fahren dann ganz normal entlang der Seehandelsrouten. Also ist das unproblematisch.

BG: Okay, das heißt, das ist dann keine sogenannte Freedom-of-Navigation-Mission, die wir dort fahren?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Ganz genau. Das machen wir nicht. Andere Nationen machen das, daran nehmen wir nicht teil.

BG: Sie sind seit März im Amt. Kleiner Themenwechsel. Können Sie mir mal erzählen, was so ein Inspekteur der Marine so ganz konkret macht?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Das frage ich mich auch jeden Tag.

BG: (lacht)

KASKonrad Adenauer Stiftung: Nein, ich werde im Moment, das ist aber mehr mit einem Augenzwinkern, sehr stark getrieben durch die Tatsache, dass wir durch die Corona-Pandemie viele Sachen in der vergangenen Zeit, auch durch meinen Vorgänger, nicht machen konnten. Somit ist vieles jetzt sehr gedrängt. Viele Antrittsbesuche, sowieso durch meine Übernahme, dass ich überall mal gewesen sein muss, um mir auch einfach mal ein Bild zu machen. Aber eben auch im Ausland sehr viele Besuche, die normalerweise gar nicht so viele wären, weil man es einfach verteilen könnte, über ein Jahr oder zwei Jahre. Das ist jetzt sehr gedrängt. Aber normalerweise bin ich hier im besagten Büro, bin natürlich genauso wie alle anderen, wenn es um klassische office staff work geht, letzten Endes gebunden, sei es um Vorlagen und Ähnliches. Das klingt alles jetzt gar nicht so spektakulär. Aber ich versuche auch, anders als in der direkten Arbeitsteilung mit dem Befehlshaber, der ja richtig die Truppe führt, soll ich ja die Marine in diesem Fall repräsentieren. Ich spreche mit Politikern, mit Wirtschaft, mit Industrie, mit Zulieferbetrieben, aber auch mit meinen Counterparts. Ich kam jetzt gerade aus den USAUnited States of America oder besuche eine Truppe im Einsatzgebiet, reise jetzt nächste Woche nach Singapur, um eben auch dort den Kontakt wiederherzustellen und zu halten. Und auch unsere Botschaft, Sie haben es vorher gesagt, unsere Ministerin oder unsere Kanzlerin mit klarer Botschaft, die ja durch mich auch untermauert werden muss und dann auch mitgetragen wird, sodass man auf allen Ebenen entsprechend sprechbereit ist.

BG: Für wie viele Männer und Frauen sind Sie denn jetzt zuständig und wie viele Schiffe oder Boote, Helikopter, Flugzeuge, was gehört alles dazu? Ich glaube, die meisten Zuhörer werden gar keine Vorstellung haben, wie groß die Marine ist.

KASKonrad Adenauer Stiftung: Ich könnte jetzt sagen, wie klein sie ist oder zu wenige Menschen und Material. Nein, wir sind in der Zielstruktur, wie es sich immer so schimpft, knapp 15.000, aber jetzt sind es im Moment knapp 12.500 bis 13.000. Wir haben eben auch dort Vakanzen, wie es sie überall gibt. Ich sag mal, in groben Zahlen sind es so 50 Kampfunterstützungseinheiten, entsprechende Hubschrauber, 20 bis 30 Stück. Alles ist aber auch im Aufwuchs begriffen. Das heißt, man hat es sich zu eigen gemacht zu sagen, das ist die kleinste Marine, die wir je hatten. Das ist in der Tat wahr. Aber wie wir ja gesagt haben, wir wollen ja auch aufwachsen. Die gesamte Bundeswehr soll aufwachsen, so wollen wir auch wiederum aufwachsen. Und das Parlament hat ja erst zuletzt viele Entscheidungen getroffen, auch zu unseren Gunsten, wobei das in der Tat im Moment kein richtiger Aufwuchs ist, sondern Ersatz. Wir müssen da noch mehr tun, aber das kann natürlich nicht alles über Nacht geschehen. Das muss sich im Laufe der Zeit entwickeln.

BG: Was ist denn aus Ihrer Sicht zu tun, um die Marine noch besser aufzustellen? Was brauchen wir? Welche Ziele haben Sie sich denn gesetzt, was Sie erreichen möchten?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Ja, das ist schön, Frau Gantenbein, dass Sie das so sagen, wenn ich das alles zu entscheiden hätte, das ist natürlich nur im Konzert mit der Politik zu geschehen. Aber ich versuche, und so habe ich es mal gelernt und man mag mir das als Naivität unterstellen, in Ordnung. Aber letztlich müssen wir von der Bedrohung kommen. Was ist die Bedrohung? Die Bedrohung, das wissen viele, sei es China, sei es Russland, sei es internationaler Terrorismus, daran muss sich eine Marine nicht allein, sondern im Konzert mit ihren Bündnispartnern ausrichten. Wir brauchen nicht nur für das Extreme, Landes- und Bündnisverteidigung, einen Anteil. Wir werden immer unseren großen amerikanischen Partner unterstützen müssen bei den Seeverbindungslinien im Nordatlantik. Denn letzten Endes, wo auch immer die Bedrohung herkommt, sie wird auch in diesem Falle sein, müssen wir einen Anteil dazu beibringen, um diese Verbindungslinien zu schützen. Das geht mit U-Booten, das geht eben mit großen Schiffen, die wir in der Tat haben, aber die teilweise veraltet sind. Jetzt kommen neue und das ist auch gut und richtig so. Die alten müssen ersetzt werden. Und es gibt natürlich auch Technologiesprünge. Denn es nützt mir nichts, mit alten Vorstellungen von Defensiv- oder Offensivwaffensystemen zu arbeiten, wenn ich weiß, dass diese gegen die neuen Bedrohungen nichts ausrichten. Das heißt also, auf allen Gebieten, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, müssen wir einfach besser werden. Wir müssen uns an der Bedrohung ausrichten. Das ist das eine große Ding. Und das andere und das halte ich, mein Vorgänger hat sich sehr erfolgreich um diese ganze Rüstung bemüht, das kommt ja jetzt alles, da kann ich wenig tun, aber für mich ist es, merke ich, mehr und mehr das Thema Mindset, neudeutsch Geist, wie immer Sie das nennen wollen. Wir müssen wieder alle, Männer, Frauen, Zivilisten wie Soldaten, mehr lernen, diesen Mindset wieder zu schärfen, worauf es eigentlich ankommt. Wir haben uns alle, ich will mich da nicht ausnehmen, komfortabel eingerichtet. Jeder sitzt an seinem Dienstort, viele machen 7:30-Uhr- oder 8:00-Uhr- bis 16:00-Uhr-Dienst. Aber wir sollten alle mal wieder lernen und uns in Erinnerung rufen, was unsere Pflicht ist. Unsere Pflicht ist, die Einsatzbereitschaft, in meinem Falle der Marine, zu stärken und alles dafür zu tun im Rahmen der Möglichkeiten, die wir haben, und eben zu sehen, wie kann man sich persönlich einbringen. Und eben auch, wenn es um Seefahrt geht oder um Fliegerei oder auch Landeinheiten, eben sich dort im vollen Umfang einzubringen und nicht zu sehen, der Sache aus dem Weg zu gehen. Der Bundestagspräsident hat in einer letzten Veranstaltung, wie ich finde, sehr eindrucksvoll gesagt und das lässt sich runterbrechen auf jeden Einzelnen: „Wegducken ist nicht.“ Wir müssen einfach wieder den Geist schärfen, wofür wir hier eigentlich da sind.

BG: Sie haben in Ihrer Grundsatzrede zu den ersten 100 Tagen im Amt ziemlich auffällig das Wort „Kampfbereitschaft“ und „Seekrieg“ und „die Fähigkeit zu kämpfen“ erwähnt. Geht das in die Richtung Mindset, was Sie sich wünschen? Also ist das auch vielleicht Ihre Antwort auf das Säbelrasseln aus Russland und China?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Absolut. Wobei das mit dem Säbelrasseln von Russland und China, das kommt jetzt noch auch in diesem Falle zupass, wo es schon seit längerer Zeit, 2015 und auch schon davor, aber Entscheidungen mit der Krim, das war eigentlich so der Startschuss, der Weckruf, uns das mal wieder bewusst zu machen. Aber ich weiß selbstverständlich, Frau Gantenbein, das ist auch etwas, das ist ja bei anderen Interviews auch das Thema gewesen, ich bin da ja nicht der Einzige von der Befähigung, aber auch dem Mindset, um das Wort noch einmal zu bedienen, den Willen zum Kampf zu schärfen. Eine solche Diskussion darum gibt es nur in Deutschland.

BG: Ja, das glaube ich.

KASKonrad Adenauer Stiftung: Im Rest der Welt sind sich alle darüber einig, wofür Streitkräfte eigentlich da sind. Und ich sage Ihnen ganz ehrlich, auch wenn Sie nicht danach gefragt haben, das ist zwar meine Message: Ich bin zutiefst Demokrat und Republikaner. Wenn es in diesem Land nicht gewünscht wäre oder nicht weiter gewünscht sein sollte, das muss man sich eben anders aufstellen. Aber die Streitkräfte sind nun einmal da und durch die repräsentative Demokratie sind sie auch gewollt. Wir haben auch einen Auftrag, das ist die Verteidigung dieser Bevölkerung, die hier lebt, und dieses Landes und unserer Werte. Also muss es mein Auftrag sein, allen noch mal ins Gebetbuch zu schreiben, wofür sie eigentlich zu arbeiten haben, nämlich in der Tat, kampfbereit zu sein, zum Kämpfen bereit, in der Lage und aber auch im Kopf zu wollen, wenn es denn notwendig ist. Wie das Wort es sagt: „Die Not wendet“. Das ist meine Aufgabe.

BG: Ja, gibt es darüber hinaus noch wichtige Themen, die sich gerade bewegen. Also abgesehen von der inneren Einstellung?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Na ja, also in der Tat, ich sage das mal so, weil Sie es so eingeleitet haben mit dem Themenwechsel „100-Tage-Rede“. Also wenn das drin ist, dann ist alles nahezu abwärts kompatibel. Aber natürlich gehört das Material dazu, wir sprachen schon darüber. Es ist aber auch die Ausbildung. Es muss immer wieder bewusst gemacht werden, dass zum Beispiel, wir hatten das Thema Gorch Fock über viele Jahre, jetzt versuche ich eben auch andere Einheiten als Ausbildungsplattformen zu nutzen, es muss einfach im Kopf sein, dass das ein holistisches System ist. Wir brauchen eben alles. Wir brauchen das Material. Wir brauchen das Personal. Wir brauchen die Ausbildung. Das ist natürlich für die Hörer dieses Podcasts eine Binse. Aber für viele andere nicht. Die glauben, wenn man dies und jenes gemacht hat, tick in the box, das reicht. Es reicht eben nicht. Und das ist uns eben sehr bewusst geworden. Und ich sage auch ganz bewusst, obwohl ich nun schon so lange bei der Marine bin, es ist mir noch bewusster geworden auf diesem Dienstposten, weil ich natürlich jetzt ganz andere Einblicke habe. Da müssen wir richtig ranklotzen so wie alle anderen Teilstreitkräfte auch. Da machen wir noch zu wenig und das ist meine Aufgabe.

BG: Haben wir genug Bewerber eigentlich? Also, man hat ja so ein bisschen jetzt mitgekriegt, auch gerade in der Corona-Zeit, dass die Bewerberzahlen eigentlich ganz gut waren. Erstaunlicherweise trotz Pandemie.

KASKonrad Adenauer Stiftung: Auch uneigentlich. Die Bewerberzahl ist in der Tat gut. Nicht nur bei uns. Auch wie bei Polizei und Bundespolizei genau dasselbe. Wir konnten eine ganze Zeit lang nicht prüfen, nicht testen und deswegen nicht einstellen. Das heißt, eine geringere Einstellungsquote wird uns natürlich wehtun in the long run. Aber die Bewerberquote ist immer noch gut. Und was heißt „immer noch gut“, ich will mich korrigieren. Sie ist gut. Aber auch da ist es etwas, was ich zum Thema Mindset, unsere Anforderungen, und ich war jetzt gerade in Amerika und wir können uns nicht vergleichen, das weiß ich, aber wir müssen mal aufhören, an unsere Bewerber die aller-, aller-, aller-, allerhöchsten Standards anzusetzen.  Wir müssen auch wieder in der Lage sein und es auch wollen, Männer und Frauen oder wen auch immer, bereit zu sein auszubilden, in die Lage zu versetzen. Natürlich ist es bei uns in Deutschland zunehmend auch, es sind Gewichtsprobleme, es sind dieses und jenes Problem, aber wir können das mit den Streitkräften auch lösen. Man muss uns nur die Zeit und die Gelegenheit geben, dann können wir auch Menschen bei uns, in unseren Dienst aufnehmen, die ja wollen, aber nicht genommen werden können wegen irgendwelcher Sachen. Da müssen wir einfach offener wieder damit umgehen. Und ich sage es Ihnen als gutes Beispiel bei der Seefahrt, von der ich nun wirklich Ahnung habe: Wenn ich mich daran erinnere, wie in den Achtziger- und Neunzigerjahren, als ich zur See gefahren bin, solche Menschen, viele von denen würden Sie heute gar nicht mehr an Bord sehen, weil es viele Auflagen gibt, die es ihnen nicht mehr ermöglichen. Weil wir immer mehr mit Sicherheiten umgehen und uns absichern wollen. Seefahrt sowieso, aber eben Armee ist immer eine risikobehaftete Sache, aber wir müssen einfach nur die Möglichkeit und Zeit und Gelegenheit bekommen, diese Männer und Frauen auszubilden. Und dann können wir mit viel mehr Menschen, die zu uns kommen wollen, auch was tun. Und dann würden wir unsere Einstellungsprobleme auch lösen können.

BG: Seefahrt ist jetzt so das Stichwort für meine letzte Frage: Das, was Sie jetzt machen, ist ein politisches Amt. Fehlt Ihnen die Seefahrt?

KASKonrad Adenauer Stiftung: Ja. Und ich kann nur froh sein, ich bin 14 oder 15 Jahre zur See gefahren, wenn man alles ineinander packen würde, über einen langen Zeitraum. Meine letzte Seefahrt war als Befehlshaber des Ständigen Einsatzverbandes im Mittelmeer 2016, als ich als Admiral noch mal, also sogenannter Sea-going-Admiral, auch wenn das nur eine kleine Sache war, aber dafür bin ich zur Bundeswehr gegangen und zur Marine gegangen. Das fehlt mir. Ich kompensiere das ein wenig durchs Segeln, aber es wird niemals einem Vergleich standhalten.

BG: Herr Schönbach, ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch. Das war sehr spannend und ich bin mal gespannt, ob wir vielleicht noch mal, wenn die ,,Bayern„ zurück ist, wahrscheinlich Ende Februar nächsten Jahres, noch mal vielleicht einen kleinen Rückblick machen können und dann schauen, was hat die Mission gebracht und wie zufrieden können wir sein.

KASKonrad Adenauer Stiftung: Sehr gerne.

BG: Vielen Dank.

KASKonrad Adenauer Stiftung: Danke Ihnen.

BG: Und bis zum nächsten Mal. Den nächsten Podcast, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, den können Sie am kommenden Donnerstag hören. Ich melde mich ab aus dem Funkkreis. Machen Sie’s gut. Tschüss.