Transkription Funkkreis #90: Bundeswehrfeuerwehr

Transkription Funkkreis #90: Bundeswehrfeuerwehr

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18 MIN

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Funkkreis – Podcast der Bundeswehr

Sprecher: Abteilungsleiter für gesetzliche Schutzaufgaben, Peter Hauck (PH), und Brandmeister Yannick Pfriem (YP)

Redakteurin: Barbara Gantenbein (BG)

BG: Seit Wochen sehen wir in den Nachrichten Bilder von verheerenden Bränden überall auf der Welt. In den Mittelmeerländern, Kalifornien, Brasilien und Russland brennt es. Bei uns in Deutschland brennt es zum Glück gerade nicht. Dennoch erinnern wir uns an schlimme Brände aus vergangenen Jahren. Was viele nicht wissen: Die Bundeswehr hat eine eigene Feuerwehr. Das ist unser Thema heute. Hier ist Barbara Gantenbein aus der Redaktion der Bundeswehr und ich habe jetzt am Telefon: den Abteilungsleiter gesetzliche Schutzaufgaben der Bundeswehr, Herrn Peter Hauck. Er wird uns gleich alles über die Bundeswehrfeuerwehr erzählen. Im Anschluss spreche ich noch mit einem jungen Brandmeister, der aus der Praxis und von seiner Ausbildung erzählen kann.

BG: Guten Tag, Herr Hauck. Und vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen.

PH: Ja, guten Tag.

BG: Herr Hauck, seien Sie doch so lieb und beschreiben mir und unseren Zuhörerinnen und Zuhörern als Erstes, welche besonderen Aufgaben die Bundeswehrfeuerwehr hat.

PH: Die Bundeswehrfeuerwehr ist überall da präsent, wo es einen bundeswehrspezifischen Auftrag gibt. Normalerweise ist die kommunale Feuerwehr für die Brandbekämpfung zuständig. Die Bundeswehrfeuerwehren sind dort aufgestellt, wo die Bundeswehr aufgrund des Auftrages, des besonderen militärischen Gefahrenpotenzials und der militärischen Geheimhaltung eine eigene Feuerwehr benötigt. Im Wesentlichen sind das Flugplätze, Untertageanlagen, Truppenübungsplätze und Marinelandanlagen. Dort sind Bundeswehrfeuerwehren eingerichtet. Als ziviler Dienstleister sind wir für die Organisationsbereiche Heer, Luftwaffe, Marine und Streitkräftebasis zuständig.

BG: Vermutlich weil Sie besondere Fähigkeiten haben und wegen der Geheimhaltung. Denn es muss ja auch intern gelöscht werden. Stimmt das?

PH: Ja, das kann man so sagen. Wenn Sie an einen militärischen Flugplatz denken, dann ist es ein Unterschied, ob ein Passagierflugzeug oder eine militärische Maschine gelöscht werden muss. Bei der Passagiermaschine steht die Rettung der Passagiere an erster Stelle. Natürlich ist das auch bei der Bundeswehr so. Das Menschenleben hat Vorrang. Aber es befinden sich ja nicht viele Piloten an Bord eines Kampfflugzeuges. Wenn alle Passagiere aus einem Passagierflugzeug gerettet sind, dann ist die Brandbekämpfung nur noch Nebensache. Wenn die Piloten aus einem Kampfjet gerettet wurden und ein voll ausgerüsteter Kampfjet brennt, dann ist das keine Nebensache. Das muss sehr schnell gehen, damit kein größerer Schaden entsteht. Insofern sind die Feuerwehren speziell ausgerüstet und trainiert.

BG: Das verstehe ich. Wie viele Menschen sind bei der Bundeswehrfeuerwehr beschäftigt und welchen Status haben die? Sind das Soldatinnen und Soldaten oder sind das zivile Beamtinnen und Beamte? Wo gibt es überall Standorte der Bundeswehrfeuerwehr?

PH: Das sind rund 3.500 Personen insgesamt. Im Konzert der Feuerwehren in Deutschland sind wir vielleicht nicht ganz auf dem Spitzenplatz, haben aber einen Platz auf dem Siegertreppchen. Dort sind wir immerhin schon Zweiter oder Dritter. Mit 3.500 Männern und Frauen sind wir sehr weit vorne. All diejenigen, die Sie in einer Bundeswehrfeuerwache antreffen, sind Beamte.

BG: Verstehe.

PH: Es gibt natürlich auch Brandschutzsoldaten. Aber die sind nicht Teil der Feuerwehr, über die wir heute reden. Das sind alles verbeamtete Kolleginnen und Kollegen, die natürlich über die Bundeswehr verteilt sind. Es gibt 58 Feuerwachen bundesweit. Eben dort, wo es notwendig ist, eine Bundeswehrfeuerwehr einzurichten. Geführt werden diese von den vier Regionalstellen. Sie befinden sich in Ulm, Hamburg, Köln und Burg. Die Zentralstelle für Brandschutz befindet sich in Sonthofen.

BG: Wie sieht es mit besonderem Gerät aus? Sie sprachen es eben an. Die Aufgaben der Bundeswehrfeuerwehr sind speziell. Hat die Bundeswehr anderes Gerät als andere Berufsfeuerwehren?

PH: Teilweise. Die Ausrüstung ist in weiten Teilen identisch mit denen der normalen Feuerwehr. In einer Kaserne gibt es ja schließlich auch normale Brände. Ich meine damit Gebäudebrände, die es zu löschen gilt. Hier sind wir identisch aufgestellt. Es gibt aber auch, wenn wir uns an das Beispiel Flugplatz zurückerinnern, spezielle Löschfahrzeuge. Gerade für Luftfahrzeuge gibt es besondere Löschschäume und einen sogenannten Pilotenretter. Dabei handelt es sich um ein Fahrzeug, mit dem man sich der Pilotenkanzel besser annähern kann.

BG: Gibt es auch etwas Besonderes bei Waldbränden? Auf Truppenübungsplätzen gibt es Wälder. Gibt es auch hier besonderes Gerät?

PH: Unsere Fahrzeuge zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie geländegängig sind. Zusätzlich sind sie so konfiguriert, dass wir auf Schießplatzbränden zu einem hoffentlich guten Ergebnis in der Brandbekämpfung kommen.

BG: Das kann man dann auch wahrscheinlich mit schwerem Räumgerät kombinieren, wenn die Notwendigkeit besteht.

PH: Ja, wenn das notwendig sein sollte, geht das. Gott sei Dank ist das aber eher selten notwendig. Wenn es notwendig wird, kann man mit dem entsprechenden Ersuchen dafür sorgen, dass wir auch das schwere Gerät zur Verfügung haben.

BG: Wie sieht es mit Löschflugzeugen oder Löschhubschraubern aus? Haben wir so etwas auch?

PH: Die Feuerwehr selber besitzt so etwas nicht. Die Bundeswehr ist aber groß und sie hat Hubschrauber. Im Bedarfsfall können die dann von den entsprechenden Einheiten angefordert werden. Mit einem entsprechenden Wassersack können sie dann als Löschhubschrauber fungieren. Diese sind aber nicht Bestandteil der Bundeswehrfeuerwehr, sondern der Bundeswehr im Allgemeinen.

BG: Die werden dann aber auch gelegentlich eingesetzt, wenn es zu einem Amtshilfeersuchen kommt. Damit komme ich auch gleich zum nächsten Thema. Die Bundeswehrfeuerwehr hilft auch außerhalb unserer Liegenschaften. Wie kommt es dazu und in welchen Fällen leisten wir Amtshilfe?

PH: Um es ganz einfach zu sagen: Wir leisten immer dann Amtshilfe, wenn wir darum gebeten werden. Die 58 Feuerwachen haben in ihrem regionalen Umfeld alle Vereinbarungen mit den entsprechenden Kommunen. Wir helfen immer, wenn Not am Mann ist und die militärische Auftragslage es zulässt. Bei größeren Schadenslagen wie zum Beispiel dem Hochwasser an der Ahr war die Bundeswehrfeuerwehr im Einsatz. Hier ist das regional mithilfe eines Amtshilfeersuchens gelaufen. Diese gehen aber bei der Bundeswehr ein. Nicht bei der Bundeswehrfeuerwehr. Das geht dann ganz einfach und ohne große Komplikationen.

BG: Ist diese Hilfeleistung gegenseitig? Kann es auch vorkommen, dass in einer Kaserne eine andere Feuerwehr, also nicht die Bundeswehrfeuerwehr, zum Einsatz kommt?

PH: Ja, selbstverständlich. In den Kommunen bestehen, wie ich eben sagte, Vereinbarungen. Diese umfassen dann auch die gegenseitige Hilfeleistung. Etwas anderes wäre ja auch schwer vorstellbar.

BG: Das heißt, dass wir hier also eine zivil-militärische Zusammenarbeit vorfinden. Es ist also vorgesehen, dass man sich gerade bei Großschadenslagen gegenseitig aushilft.

PH: In Feuerwehrkreisen ist das durchaus üblich. Das ist das normale Verhältnis der Kräfte. Das Feuer fragt ja auch nicht nach der Truppenübungsplatzgrenze. Es ist einfach da. Entsprechend werden dann die Amtshilfeersuchen sehr komplikationslos abgearbeitet.

BG: Wie ist das mit der Ausbildung? Ich weiß, dass die Bundeswehr selbst ausbildet, weil ich in Stetten am kalten Markt schon gedreht habe. Bilden wir alle unsere Leute selber aus? Welche Arten der Ausbildung gibt es? Kommen auch viele fertig ausgebildete Feuerwehrleute von außerhalb zu uns?

PH: Viele Wege führen in die Bundeswehrfeuerwehr. Das Leben ist bunt, wie Sie ja sagten. Natürlich bilden wir selbst aus. Das findet in Stetten am kalten Markt statt. Die Laufbahnausbildung des gehobenen Dienstes der Feuerwehr wird seit neuestem auch in Lohheide bei Bergen ausgebildet. Seit einigen Jahren gibt es auch ein duales Ausbildungssystem. Das beinhaltet ein Studium in Wuppertal zum Sicherheitsingenieur. Parallel dazu gibt es die Laufbahnausbildung in Bergen. Es gibt also viele Möglichkeiten. Natürlich stellen wir auch fertige Feuerwehrleute ein. Hierbei handelt es sich aber nicht um einen Ausnahmefall. Das passiert immer wieder. Wenn ein Kollege sich also bei der Bundeswehr bewerben möchte, dann kann ich ihn zu diesem Entschluss nur beglückwünschen. Was wir nicht ausbilden und was wir immer von draußen einstellen, ist der höhere feuerwehrtechnische Dienst. Das ist aber eine sehr überschaubare Personenanzahl.

BG: Haben wir genug Bewerber?

PH: Genügend Bewerbungen kann man als Arbeitgeber nie haben. Das ermöglicht einem am Ende ja auch die Auswahl. Wir haben derzeit zwar genug Bewerber, aber auch genug freie Stellen. Die Möglichkeit bei der Bundeswehr anzufangen, ist also durchaus gegeben und lohnend. Wenn sich jemand dafür interessiert, kann ich nur sagen: bewerben. Ich sagte es eingangs: 58 Feuerwachen in den regionalen Bereichen. Für jeden in der Bundesrepublik dürfte damit eine erreichbare Feuerwache zur Verfügung stehen.

BG: Herr Hauck, vielen Dank. Das ist ein super Überblick über das, was wir in der Feuerwehr anbieten. Gleich spreche ich noch mit einem jungen Brandmeister, der ein wenig über seine Ausbildung erzählt.  Vielleicht sorgt es dafür, dass die Menschen da draußen Lust bekommen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Auf alle Fälle vielen Dank, dass Sie uns das erklärt haben.

PH: Ich habe zu danken.

BG: Jetzt steigen wir ein bisschen tiefer in das Thema Ausbildung ein. 2019 hatte ich das Glück, einen großen Teil der Ausbildung für unseren Bundeswehr-Youtube-Kanal abdrehen zu dürfen. Dafür war ich am Zentrum für Brandschutz in Stetten am kalten Markt. Ich habe damals den ehemaligen Brandmeisteranwärter Yannick Pfriem begleitet. Inzwischen ist dieser fertig mit der Ausbildung, gestandener Brandmeister und jetzt am Telefon. Hallo, Yannick.

YP: Hallo, Barbara.

BG: Schön, dich am Telefon zu haben. Ich erinnere mich auch immer gerne an unseren Dreh. Yannick, erzähle doch mal bitte, welche Station in der Ausbildung du durchlaufen hast, als wir mit der Kamera gedreht haben.

YP: Spannend war natürlich, die Ausbildung zu starten. Begonnen hat alles für mich im Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in Hammelburg. Dieser Standort ist nicht weit weg von meiner Heimat. Drei Kilometer Luftlinie waren das nur. Alle aus der Region, die Brandmeister werden wollten, haben sich dort eingefunden. Das heißt, wir haben uns dort in der Früh getroffen und einige kannte ich schon ganz gut. Man lernte am ersten Tag Gleichgesinnte kennen. Das war ein gutes Gefühl.

BG: Wart ihr alle zusammen in der freiwilligen Feuerwehr? Woher kanntet ihr euch?

YP: Ja, genau. Zum Teil durch die freiwillige Feuerwehr, zum Teil auch durch das Einstellungsverfahren, welches zu Beginn in Stuttgart stattfindet.Man kann also sagen, dass es hilft, schon mal ein bisschen Berührung mit dem Berufsbild zu haben. Das kann ich mir denken.

BG: Was ich besonders spannend finde, sind die ganzen Sachen, die wir in Stetten am kalten Markt gesehen haben. Ich erinnere mich zum Beispiel an das Brandhaus, wo von einer Zentrale alles Mögliche gesteuert werden konnte. Zum Beispiel wo es gerade brennen soll. Kannst du für unsere Zuhörer mal beschreiben, wie man sich das vorstellen kann und was ihr darin geübt habt?

YP: In einem Brandhaus kann man ganz viele verschieden Szenarien darstellen. Zum einen gibt es einen feststoffbefeuerten Bereich und einen gasbefeuerten Bereich. Der gasbefeuerte Bereich kann auch zusätzlich noch unter Nebel gesetzt werden. Das Spannende daran ist, dass mit Gas einfacher realistische Szenarien dargestellt werden können. Brand in der Zwischendecke, Schreibtischbrand, PC-Brand oder auch, dass es auch plötzlich hinter einem aufflammt. Der feststoffbefeuerte Bereich befindet sich im Keller. Dieser ist dafür da, sich an die Hitze zu gewöhnen. Ein Gasbrand ist nämlich im Vergleich zu einem echten Wohnungsbrand viel kälter. Es geht darum zu erkennen, wie weit man an das Feuer herantreten kann, bevor es zu heiß wird, beziehungsweise bis die Hitze dann auch durch die Schutzkleidung durchschlägt. Das sind die zwei Bereiche, die es in dem neuen Brandhaus gibt. Wie du schon sagtest, wird das alles von einer Zentrale gesteuert, wo wir per Kamera kontrolliert und abgesichert werden. Es kann uns also nichts passieren. Neben dem Brandhaus befindet sich auch eine Garage, in der ein Fahrzeugbrand dargestellt werden kann.

BG. Ja, daran erinnere ich mich auch. Gab es jemals eine Situation, wo du auch ein bisschen Angst hattest oder vielleicht zumindest, ja, Sorge hattest? Bekommt man nicht dieses Gefühl von Gefahr, wenn es richtig heiß wird?

YP: Beim Garagenbrand eher weniger. Da mache ich zwei Schritte zurück und gehe in Sicherheit. Anders ist das bei einem Kellerbrand, wo sich die Hitze extrem staut. Einmal wurde im Keller ein Feuer mit Holz gemacht. Um in den Keller zu gelangen, muss man dabei eine Wendeltreppe betreten, die nach unten führt. Bei null Sicht da runter zu gehen und bei extremer Hitze, die einem quasi entgegenkommt und von unten fast in die Hose schlägt, da wird einem anders. Danach ist man froh, das Feuer abgelöscht zu haben. Gerade in einem Keller ist es zudem wichtig zu wissen, dass jeder Liter Wasser zu 1.600 Liter Wasserdampf wird. Wasserdampf ist dabei viel heißer und schlägt durch die Schutzkleidung durch. Das macht das Arbeiten dann unerträglich. Deshalb ist es wichtig, mit Bedacht zu arbeiten. Zu Anfang, wenn man sich noch ausprobieren muss, ist das sehr ungewohnt und man fühlt sich auch ein bisschen in Gefahr.

BG: Das kann ich mir gut vorstellen. Ihr seid ja auch nicht so arg beweglich. Ihr tragt viel Ausrüstung, Atemschutz und Weiteres. Wie schwer ist die Ausrüstung, die ihr mit euch tragt?

YP: Das kommt darauf an. Wir haben verschiedenste Schutzbekleidungen. Wenn es um Chemikalien geht, haben wir denn CSA (Chemikalienschutzanzug) und bei der Brandbekämpfung das normale Atemschutzgerät. Alles in allem kommt man dann schon mal über 20 Kilogramm.

BG: Das ist natürlich eine Masse und erschwert die Bewegungsfreiheit ganz enorm. Sehr spannend fand ich damals auch die Flugzeugbrandbekämpfung. Kannst du bitte noch mal schildern, was ihr da alles geübt habt und wie der Ablauf ist?

YP: Ich würde sogar sagen, dass das meine Lieblingswoche während der ganzen Ausbildung gewesen ist. Man lernt unheimlich viel Neues und darf mit modernstem Gerät trainieren. Die Anlage ist supermodern und die Fahrzeuge sind durch die Breite, die Länge und auch die Power, die unter der Haube steckt, besonders. Auf dem Übungsgelände gibt es den NHNATO-Helicopter-90-Transporthubschrauber, das Flugzeug A400M und den Eurofighter als 1:1 nachbauten. Diese sind komplett begehbar. Mit Gas können diese dann in Brand gesetzt werden.

BG: Damals beim Dreh hatte ich auch das Gefühl, das du da echt Spaß dran hast. Es ist dabei auch sehr spannend, dass ihr von innen und von außen arbeiten könnt, um das zu üben.

YP: Unser Hauptübungsobjekt während der Ausbildung ist der A400M, weil man diesen besonders gut anfahren kann. Man braucht zum Löschen die Manpower, die wir während der Ausbildung aber haben. Wir fahren dann mit drei Z6 (Flugfeldlöschfahrzeug) an und löschen zuerst mit dem Dach und Frontwerfer. Später steigen wir aus und löschen mit einem Schnellangriff. Die Besonderheit beim Flugzeugbrand ist, dass man mit dem Schnellangriff auch in den Innenangriff gehen kann. Das bedeutet, dass man in das Flugzeug reingeht. Im A400M selbst kann auch alles in Brand gesetzt oder eingenebelt werden. Auch Rollover sind möglich. Hier entsteht dann eine Nullsicht unter beengten Verhältnissen, weil das Flugzeug ja im Realfall auch nicht leer wäre. Dort stehen dann Container oder die Mannschaft befindet sich darin. Genau das wird da auch dargestellt. Das ist schon anders, als wenn man in ein Einfamilienhaus reingeht, wo man einschätzen kann, wie es darin aussieht.

BG: Dazu kommt das ihr ja nichts seht, weil das Flugzeug ja unter Nebel gesetzt wird. Was ist ein Rollover?

YP: Bei einem Rollover ist es so, dass sich von der Decke aus eine Feuerwalze auf einen zubewegt. Das Feuer hat hierbei zuerst nicht genug Sauerstoff. Wenn ich nun eine Tür oder ein Fenster öffne, bringe ich zusätzlich Sauerstoff in den Raum, was dann zu einer Feuerwalze führen kann.

BG: Ich glaube, das habe ich schon mal gesehen. Ich verstehe, was du meinst. Du hast eben auch Z6 angesprochen. Hierbei handelt es sich bestimmt um die Typenbezeichnung. Was für ein Fahrzeug ist das? Wie lang, wie breit, wie viel Liter Wasser oder Löschschaum fasst es? Kannst du das für den interessierten Laien einmal erklären? Was habt Ihr ansonsten für Fahrzeuge?

YP: Die Bundeswehr nennt dieses Fahrzeug Flughafenlöschfahrzeug mittel. Der Feuerwehrmann sagt Z6 dazu, weil das die Herstellerbezeichnung ist und es zudem schneller ausgesprochen werden kann. Es handelt sich hierbei also um ein Flughafenlöschfahrzeug mit drei Achsen und 6.000 Liter Wasser an Bord. Es hat einen extra Fahrmotor und einen zusätzlichen Motor für die Pumpe. Das heißt, dass man während der Fahrt keinen Leistungsverlust vom Antriebsmotor zu erwarten hat, wenn man Wasser abgibt.

BG: Ihr musstet auch lernen, diese Fahrzeuge zu fahren. War das kompliziert?

YP: Richtig. Ich komme noch mal zurück auf die Stationen der Ausbildung. Nach der Woche, in der wir in Hammelburg im Bundeswehr-Dienstleistungszentrum waren, die ganzen Verwaltungsangelegenheiten klärten und auch die Bundeswehr mal kennengelernt haben, ging es an das Kraftfahrausbildungszentrum nach München. Dort konnten wir dann die Kraftfahrerlaubnis der Klasse C erwerben. Nach dem Führerschein, der vier Wochen dauert, geht es für uns das erste Mal nach Stetten am kalten Markt, wo sich auch die Schule für die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr und gesetzliche Schutzaufgaben befindet. Zuerst sind wir aber nicht auf die Schule gegangen. Erst gab es nämlich noch die Einweisung der Prüfungsfragen für die Feuerwehrfahrzeuge, welche auch zwei Wochen dauert. Danach darf man diese aber führen. Zusätzlich wurde noch der Landungssicherungslehrgang sowie Theoriestunden für die Feuerwehrfahrzeuge absolviert. Hierbei haben wir auch noch mal Praxis Fahrstunden auf dem Gelände absolvieren dürfen. Das war sehr spannend, weil es in Stetten am kalten Markt öfter mal schneit.

BG: Das stimmt.

YP: Genau. Das war eine Woche vor Weihnachten. Die Geländefahrten durch den Schnee waren wirklich sehr spannend.

BG: Ja. Aber offenbar geht es und es hat alles funktioniert. Ihr hattet dann noch ein Thema, das nichts mit Feuer zu tun hat. Retten aus gepanzerten Fahrzeugen. Retten aus Fahrzeugen habt ihr auch gemacht, daran erinnere ich mich. Ich fand gerade das Retten aus gepanzerten Fahrzeugen ein spannendes Thema, weil das ja ein typisches Bundeswehr-Thema ist. Was muss man dabei beachten? Kannst du noch einmal erklären, was ihr da so gelernt habt?

YP: Ja, selbstverständlich. In dem Video sieht man ganz gut, wie wir mit schwerem Gerät arbeiten. Hierbei retten wir eine Person, die unter dem Panzer liegt. Hierzu verwenden wir größere Stempel oder größere Luftkissen. Mit denen können wir auch Panzer anheben, die natürlich ein bisschen mehr Wiegen als ein normaler Pkw. Diesen kennt man eher von zivilen Berufsfeuerwehren oder freiwilligen Feuerwehren. Was da angeht, sind wir in größeren Dimensionen ausgestattet. Im Video sieht man, wie wir eine Person durch die Dachluke eines gepanzerten Fahrzeuges retten. Gepanzerte Fahrzeuge sind deswegen gepanzert, damit man von draußen nicht drankommt. Auch mit Schere und Spreizer der Feuerwehr, welche echt viel Power haben, kommt man da nicht durch. Bei einem normalen Pkw benötigt man ein Spaltmaß, wo man ansetzten kann, damit dieses größer wird. Vielleicht hat sich durch den Unfall etwas verformt, wo ich mit dem Spreizer ansetzen könnte. Bei einem gepanzerten Fahrzeug wird sich in der Regel bei einem Unfall nichts verformen. Deswegen komme ich da nirgendwo rein. Hier brauche ich Werkzeug, um die Schrauben aufzudrehen und an das Fahrzeug ranzukommen. Auch mit einem Federkörner zum Beispiel werde ich niemals eine Scheibe öffnen können, um mir eine erst Öffnung zum Patienten zu bauen. Also etwas völlig anderes als bei einem nicht gepanzerten Fahrzeug.

BG: Klar. Dafür ist es ein gepanzertes Fahrzeug. Du hast es eben angesprochen: verletzter Patient. Das gehörte auch zu euren Stationen, um die Erstversorgung zu erlernen.

YP: Genau richtig. Nicht an jedem Standort sind Sanitäter. Daher sind wir darauf angewiesen, dass der normale Rettungsdienst zu uns kommt. Die haben natürlich einen weiteren Anfahrtsweg als die Bundeswehrfeuerwehr. Deswegen gehört es auch zu unseren Aufgaben, Erste Hilfe zu leisten und sich darüber hinaus das ein oder andere anzueignen, damit man adäquat helfen kann.

BG: Ja, klar. Momentan bist du in einer Untertageanlage in Neckarzimmern. Das ist ja auch so eine typische Bundeswehrgeschichte. So viele Untertageanlagen gibt es ja sonst nicht. Wie sieht es da aus und wie kann man sich das vorstellen?

YP: Neckarzimmern ist die größte Untertageanlage der Bundeswehr. Dort werden verschiedene Sachen gelagert. Aber keine Gefahrstoffe. Das wäre unter Tage einfach zu gefährlich. Die Untertageanlage hat die Bundeswehr deshalb, weil es einfach kostengünstiger ist, die Sachen unter Tage zu lagern, da man die Sachen über Tage schützen müsste. Unter Tage bringt aber Gefahren mit sich. Deshalb wird dort eine Feuerwehr benötigt.

BG: Welche Aufgaben hast du dort?

YP: Die Aufgaben sind der abwehrende Brandschutz der Untertageanlage. Genauer gesagt bin ich im Bereich S4, also Versorgung eingesetzt. Um die Aufgabe zu erfüllen, benötige ich aber noch weitere Qualifikationen. Ich benötige noch einen SAP-Lehrgang. Dieser fehlt mir leider noch. Er wurde wegen der Pandemie mehrfach verschoben. Wenn die Situation stabil bleibt, kann ich den Lehrgang Ende des Jahres besuchen. Zusätzlich gibt es aber auch andere Aufgaben. Dazu gehört dann zum Beispiel das Unterstützen von Kollegen in anderen Bereichen wie der Atemschutzwerkstatt, der Einsatzzentrale und der Gerätewerkstatt. Gleichzeitig sind wir eine Ausbildungswache. Bei uns kommen Auszubildende vorbei, denen ich alles zeige. Manchmal fahre ich mit den Auszubildenden auf eine Übung. Auch Wachausbildungen für das ausgelernte Personal bereite ich gerne vor und halte dazu Schulungen.

BG: Sag mal: damals hast du gesagt das, dass dein Traumjob ist. Ist das immer noch so?

YP: Eindeutig. Es war die richtige Entscheidung, mein Hobby zum Beruf zu machen. Es macht unheimlich viel Spaß, mit den Kollegen zusammenzuarbeiten, anderen Menschen zu helfen und bei besonderen Fragen da zu ein. Zusätzlich ist es für mich ein besonderes Privileg, mich auch während des Dienstes sportlich fit zu halten, weil das für die Arbeit besonders notwendig ist. So sehe ich das zumindest. Ich bin total begeistert und es macht mir sehr viel Spaß. Ich freue mich irgendwann auf eine heimatnahe Verwendung. Momentan fahre ich 155 Kilometer zur Arbeit. Das ist ein Weg. Durch den 24-Stunden-Dienst bedeutet das zweimal die Woche Arbeiten. Das ist dann voll okay.

BG: Schön zu hören, dass das immer noch dein Traumjob ist und es dir damit gut geht. Vielen Dank, Yannick.

YP: Sehr gerne.

BG: Das war es für heute zum Thema Bundeswehrfeuerwehr. Den nächsten Podcast hören Sie wie gewohnt kommenden Donnerstag. Ich melde mich ab aus dem Funkkreis. Machen Sie es gut. Tschüss.