Transkription: So bekommt man eine Einsatzmedaille

Transkription: So bekommt man eine Einsatzmedaille

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Funkkreis – Podcast der Bundeswehr

Gantenbein: Haben Sie sich schon mal gefragt, was es bedeutet, wenn ein Soldat oder eine Soldatin die halbe Uniformjacke voller Spangen hat? Also: Die gehören zu den Einsatzmedaillen. Und das ist nämlich unser Thema heute. Herzlich willkommen zum Podcast der Bundeswehr. Hier ist Barbara Gantenbein. Und ich bin heute zu Besuch im Verteidigungsministerium bei Oberstleutnant Thomas Peicker. Er gehört zum Ressort Strategie und Einsatz und kennt sich folgerichtig mit den Medaillen perfekt aus. Guten Tag, Herr Oberstleutnant, und danke, dass ich hier sein darf.

Peicker: Ja, sehr gerne. Guten Tag!

Gantenbein: Seit wann gibt es denn überhaupt Einsatzmedaillen der Bundeswehr und für welche Einsätze gab es eigentlich die ersten Medaillen?

Gantenbein: Die Einsatzmedaille der Bundeswehr wurde 1996 vom damaligen Bundesminister der Verteidigung erstmalig gestiftet, und zwar für den Einsatz in Bosnien-Herzegowina. Die ersten Soldatinnen und Soldaten, auch Reservisten, wurden in einem großen Festakt in Bonn 1996 erstmalig ausgezeichnet. Die ersten Medaillen gab‘s dann für die Einsätze, die gleich danach folgten. Das war dann beispielsweise im Kosovo bei KFORKosovo Force 1999.

Gantenbein: Und wie viele Einsatzmedaillen sind seitdem hinzugekommen? Können Sie da einige besondere Einsätze aufzählen für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer?

Peicker: Na klar! Wir sind ja jetzt bei über 70 Einsatzmedaillen, die wir gestiftet haben für die besondere Verwendung in einem Auslandseinsatz, aber auch für anerkannte Missionen der Bundeswehr im Ausland. Wir können da einige Beispiele nennen, die sicherlich auch aus der Presse in den letzten Jahren bekannt sind. Der Hilfeeinsatz in Aceh (Anm. d. Red.: Flutkatastrophe 2005 in der indonesischen Provinzhauptstadt Banda Aceh) zum Beispiel wurde mit einer Einsatzmedaille gewürdigt. Oder für die aktuellen Einsätze, die wir alle kennen, in Mali, im Irak oder in Afghanistan, sind auch Einsatzmedaillen verdient und gestiftet worden.

Gantenbein: Und für den jetzt vor kurzem oder gerade jetzt beendeten Afghanistan-Einsatz, wird es da dann noch eine besondere Medaille geben?

Peicker: Wir müssen für den Afghanistan-Einsatz auch ein bisschen in die Geschichte schauen. Der hat seit 2001 stattgefunden und war unter dem ISAFInternational Security Assistance Force-Mandat bis 2014 natürlich ein geschlossener Einsatzzeitraum, der mit einer Einsatzmedaille, nämlich ISAFInternational Security Assistance Force, gewürdigt wurde. Seit 2015 haben wir bis 2021 einen zweiten Einsatz in Afghanistan durchgeführt. Der hieß dann aber Resolute Support. Das war die zweite Medaille. Im Grunde ist der Einsatz ja im Sommer beendet gewesen, und zwar im Juli, und die Einsatzmedaillen für Afghanistan sind dann auch nicht mehr verliehen worden. Die Evakuierungsmission oder die Operation, die wir im August 2021 durchgeführt hatten, hatte sich so noch nicht abgezeichnet im Juli und führte aus der dramatischen Lageentwicklung in Kabul dann zu einem Entschluss, der erst im August 2021 dazu führte, dass wir für wenige Tage entsandt wurden. In der Regel ist es so, dass wir für unter 30-tägige Einsatzzeiträume gar keine Medaillen stiften können. Das ist das Gesetz vom Bundespräsidenten, das uns festlegt. Das sind die Mindestzeiten. Der Einsatz, den wir im August durchgeführt hatten, der war nur knappe zwei Wochen lang, und wir hatten aber die Möglichkeit, einen Ausnahmeantrag zu stellen. Der Bundespräsident hat den gebilligt und so konnten wir für die Evakuierungsmission im August 2021 eine neue Einsatzmedaille stiften, und die heißt MilEvacOp, militärische Evakuierungsoperation.

Gantenbein: Das finde ich toll. Also das ist auch so eine Würdigung der Frauen und Männer, die da wirklich tolle Sachen geleistet haben. Das finde ich wirklich sehr schön, dass für solche Sachen extra dann noch was gestiftet wird. Das ist ein tolles Zeichen, ein tolles Signal.

Peicker: Im Grunde war der große entscheidende Punkt dabei, dass wir die gleiche Belastung haben wie in einem regelmäßigen Einsatz. Zwar in einer kurzen Zeit, aber extrem intensiv und auch hochgefährlich. An Leib und Leben bedroht waren die Soldaten in Kabul über viele Tage. Und damit kann man eigentlich auch die Linie ziehen zu den anderen Einsatzmedaillen, weil sie eine bestimmte hoheitliche Aufgabenerfüllung würdigen, die die Soldatinnen und Soldaten im Einsatz nun mal erfüllen – und tapfer zu sein haben. Und dass das jetzt nicht 30 Tage waren, soll ja kein Abbruch sein, dafür ist im Gesetz tatsächlich diese Ausnahme vorgesehen. Ich fand das auch sehr schön, dass das recht einfach und in einem schnellen Zuge abgestimmt werden konnte. Und wir haben sie im September schon gehabt. Also es war in einem Verwaltungsgang, der normalerweise mehrere Monate dauerte, sehr überraschend, wie schnell das in diesem einen Fall im Sommer ging. Und ich muss sagen, dass in allen Ebenen, nicht nur in den Beamtenbereichen oder in den offiziell angestellten Ministerien, die mitgemacht haben, sondern auch viele zivile Angestellte in den Firmen, die uns beliefern, an einem Strang gezogen haben. Das hat mich sehr gefreut. Man hat also gemerkt, dass auch die Firma, die die Medaillen herstellt, direkt mit Herz und Hand dabei war und auch Überstunden und Wochenendarbeiten nicht gescheut hat. Die haben mutig einfach mitgemacht und wir hatten in zweieinhalb bis drei Wochen einen fertigen Satz dieser Einsatzmedaille zur Verleihung vorhanden. Also das war eine tolle Erfahrung für mich.

Gantenbein: Ich glaube auch, weil das eben für alle so eine bewegende Zeit war und alle irgendwie mitgelitten, mitgefiebert haben, und ich glaube, dann hat das ja auch was sehr Verbindendes. Also was Sie eben jetzt beschrieben haben, auch. Sie haben eben schon gesagt, normalerweise sind es 30 Tage Minimum. Was gibt es denn da noch so für Bedingungen, die die Truppe erfüllen muss, dass sie überhaupt qualifiziert ist, um eine Einsatzmedaille zu bekommen?

Peicker: Na, erstmal die Teilnahme natürlich. Also ich muss entsandt werden. Dann mindestens 30 Tage in dem Einsatzgebiet oder in der Mission meinen Auftrag erfüllen. Das wäre dann die kleinste Bedingung, die wir haben. Dann ist die Einsatzmedaille der Bundeswehr in der Farbe Bronze verleihfertig. Und ich habe aber noch zwei weitere Stufen, und zwar Silber und Gold, und die sind für wesentlich längere Einsatzzeiträume vorgesehen im gleichen Einsatz. Wenn man zum Beispiel ein-, zweimal in den gleichen Einsatz entsandt wird und man insgesamt auf über 360 Tage kommt, würde man zum Beispiel Silber bekommen. Für über 690 Tage würde man die goldene Medaille bekommen. Das haben auch einige erreicht, die Regel ist aber die Verleihung in Bronze.

Gantenbein: Dieser sehr lange Zeitraum für Gold, das geht ja dann auch nur in sehr langen Einsätzen. In Afghanistan ISAFInternational Security Assistance Force geht es, aber zum Beispiel in Mali würde das ja noch gar nicht reichen, weil so oft hintereinander kann man doch gar nicht entsandt werden in aller Regel, oder?

Peicker: Na ja, sie haben manchmal besondere spezielle Fähigkeiten, die sie immer wieder brauchen in Einsatzgebieten. Es gibt dann manchmal nur wenig Personal, das das gut kann. Und das sich auch immer wieder nicht scheut, diese Entsendung einfach anzunehmen und mitzumachen. Bei MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali ist das auch durchaus möglich, auch in den Balkankonflikten bei KFORKosovo Force oder Atalanta, der Antipirateriemission am Horn von Afrika. Das kann durchaus sein, dass man mit einigen Fachleuten in einigen Jahren auf summiert 600, 700 Tage kommt. Das passiert schon. Oder auch einige Generalitäten, die dann meistens ein Jahr entsandt werden. Beispielsweise in Afghanistan ist ein General auf einem Dienstposten zwölf Monate eingesetzt gewesen. Und dann sind die ganz schnell bei einer silbernen Medaille. Die Entbehrung werde eben damit auch gewürdigt, weil das ein großer langer Zeitraum ist, der in irgendeiner Art und Weise immer eine Spur hinterlässt.

Gantenbein: Ja, das glaube ich. Wie ist das überhaupt, wenn jetzt zum Beispiel bei den Logistikern, die jetzt nur zwei Wochen irgendwo sind, was aufbauen und dann schon wieder rausfliegen. Können die dann auch die Tage quasi addieren, bis die dann die 30 Tage oder eben 360 Tage – was auch immer – voll haben?

Peicker: Na klar!

Gantenbein: Das geht auch?

Peicker: Ja. Also wir entsenden natürlich immer das Personal so, dass wir es dann im Einsatz haben, wenn wir es brauchen. Und unnötige Zeiten im Einsatzgebiet sind eigentlich nicht vorgesehen. Das belastet erstens die Familie, die Soldaten an sich und auch das Einsatzgebiet, weil ja mehr Leute dann dort sind, die auch verpflegt werden müssen und die man beschützen muss. Andererseits ist es natürlich so, dass aufsummiert werden kann. Wenn man das zwei-, dreimal gemacht hat, sind 30 Tage erfüllt und die Bronzemedaille wird automatisch verliehen.

Gantenbein: Wie entsteht die überhaupt, diese Medaille? Also gibt’s da jemanden, der einen Entwurf macht, jemand, der sich über die Farben, über die Spange Gedanken macht? Wie ist dieses Procedere zuvor?

Peicker: Wir haben natürlich eine Vorschrift. Das ist ganz klar, denn bei der Bundeswehr ist alles in Vorschriften gestellt, knallhart geregelt. Aber das ist auch gut so, denn wir tragen ja eine Uniform, die bei allen gleich auszusehen hat. Und diese Uniform hat auch in den Orden und Ehrenzeichen Festlegungen, die wir seit vielen Jahren auch nicht mehr geändert haben. Das heißt, wir ändern bei den Einsatzmedaillen nur den Schriftzug. Die Medaille an sich in der Grundform ist festgelegt. Die Farbe, auch die Bandschnalle, die man eigentlich nur an dem Dienstanzug trägt. Wir tragen ja nicht die großen Orden. Die bleiben natürlich in der Schatulle und die kuckt man sich vielleicht mal an. An der Uniform wird nur die kleine Bandschnalle getragen, und das ist immer der gleiche Grundfarbton, die gleiche Grundgestaltung. Nachdem ein neuer Einsatz beschlossen wurde oder eine neue Mission beginnt, stimmen wir für ein bestimmtes Muster dieses Schriftzuges ab, und den bringen wir dann zur Entscheidung. Und die Stiftung erfolgt immer durch die Bundesministerin oder den Bundesminister der Verteidigung.

Gantenbein: Und jetzt habe ich gerade gelernt, es ist keine Spange, sondern eine Bandschnalle. Ich hoffe, das wird entschuldigt, dass ich es die ganze Zeit Spange genannt habe.

Peicker: Man kann auch Ordensspange sagen.

Gantenbein: Sehr beruhigend. Gibt es das auch fürs Gefecht? Also gibt es auch für besondere Ereignisse besondere Medaillen?

Peicker: Ja. Also wenn ein Soldat oder eine Soldatin an einer Gefechtshandlung aktiv teilgenommen hat und oder bedroht war durch einen Anschlag oder ein Selbstmordattentat, dann ist die Gefechtsmedaille die Auszeichnung dafür. Die Würdigung der gefährlichen Situation, Bedrohung für Leib und Leben in der tapferen Erfüllung im Auslandseinsatz beispielsweise.

Gantenbein: Also zum Beispiel, als damals in Koulikoro (Mali) am Tor ein Selbstmordattentäter sich in die Luft gesprengt hat, dann wäre das so eine Situation, wo Gefecht verliehen wird? Passiert das automatisch? Also kriegen alle Teilnehmer dieses Kontingentes automatisch diese Medaille verliehen oder müssen die das quasi beantragen?

Peicker: Na ja, die Vorgesetzten sind dafür verantwortlich. Wenn die Chefin oder der Chef dieser Einheit dann davon Kenntnis hat – und man kennt ja seine unterstellten Soldaten und Soldatinnen und weiß genau, in was für einer belastenden Situation die waren –, da muss man bewerten: War das jetzt tatsächlich die Teilnahme, das aktive Erleben dieser gefährlichen Situation oder nicht? Das geschieht auf Antragstellung der Vorgesetzten. Wird aber nochmal bewertet und die Entscheidung fällt dann auch das Einsatzführungskommando, dem ja alle Einsatzgebiete unterstellt sind, die dann einen gleichbleibenden Maßstab wahren wollen. Also es ist nicht so, dass, wenn eine Rakete über die Container fliegt und außerhalb des Lagers detoniert, dass alle gleichzeitig sich in einer gefährlichen Gefechtssituation befanden. Das mag zwar jetzt hart klingen, aber es ist tatsächlich der normale gefährliche Alltag, den man nun mal hat, wenn man im Auslandseinsatz ist. Sollte die Rakete aber irgendwo eingeschlagen sein und man ist in einem unmittelbaren Umkreis und tatsächlich gefährdet gewesen, dann ist das eine andere Situation. Wenn man womöglich auch noch Kameraden geholfen hat oder ausländischen Soldaten und Soldatinnen das Leben gerettet hat – das gibt es ja dann, wo man eben dann auch mutig aus seinem Shelter raustritt und schaut: Wem kann ich, wem muss ich helfen? – und dieses tapfere Verhalten ist dann eben tatsächlich was Besonderes, was ausgezeichnet wird. Deswegen kommen wir in die Bereiche Medaillenstiftung und Verleihung rein.

Gantenbein: Gibt’s außer Gefecht noch eine andere, besondere Einsatzmedaille? Also die zusätzlich zum Einsatz also zur Dauer besonderer Leistungen honoriert?

Peicker: Ja, wir haben neben den Einsatzmedaillen, also Gefecht und die regelmäßigen Bronze, Silber und Gold, auch noch andere Ehrenzeichen, wie sie sich nennen. Die Ehrenzeichen der Bundeswehr sind die Ehrenkreuze. Die sehen auch anders aus. Das ist keine runde Medaille. Das ist ein richtiges Kreuz und hat im Grunde dann auch mehrere Farben. Bronze, Silber und Gold. Eine neue Stufe kam im Lichte des Afghanistaneinsatzes in den 2000er-Jahren zu Tage. Da gab es so viele Gefechtshandlungen, die besonderes tapferes Verhalten einfach zu Tage haben treten lassen, wo Soldaten ihren Auftrag unter höchsten Feinddruck tapfer unter der Bedrohung des eigenen Lebens und dem klaren Gefährdungspotenzial, jetzt sterben zu können oder schwer verletzt zu werden, einfach ihren Auftrag erfüllt haben und tapfer waren. Dafür wurde eine neue Auszeichnung gestiftet, und das ist das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit und ist auch sehr wenige Male verliehen worden bisher, keine 30 Mal. Das ist eine sehr besondere Würdigung für die Erfüllung des tapferen hoheitlichen Einsatzauftrages.

Gantenbein: Ist das sowas wie die amerikanische Purple Heart? Das kennen ja viele Zuhörer und Zuhörerinnen bestimmt aus Filmen und Büchern und so.

Peicker: Ja, soweit ich weiß, wird das für die Verletzung und so verliehen. Also wenn man verletzt wurde. Das weiß ich nicht ganz genau, aber das kann man mit unseren Ehren- und Ordenzeichen nicht vergleichen. Also wenn jemand verletzt wurde, bekommt er keine Medaille, sondern wir wollen das Verhalten der Soldaten und Soldatinnen würdigen. Wenn jemand tapfer seinen Auftrag erfüllt hat, wird das eben honoriert. Und wenn das eine gefährliche Situation war, wird das mit den entsprechenden Stufen honoriert. Verletzungen spielen da erstmal keine Rolle. Natürlich sind die nicht ausgeschlossen – ganz im Gegenteil. Es ist auch dazu gekommen, dass einige Soldaten, die leider gefallen sind, posthum mit hohen Würdigungen ausgezeichnet wurden. Natürlich im Einvernehmen mit den Hinterbliebenen, und so wurde die Tapferkeitsmedaille für bereits gefallene Soldaten verliehen, weil sie eine Symbolik hat. Und zwar soll sie das vorbildliche Diensterfüllen herausstellen und hat nichts mit einer Verletzung zu tun zunächst, sondern mit seinem Verhalten der vorbildlichen Diensterfüllung, und das wollen wir würdigen.

Gantenbein: Das ist ja auch für die Hinterbliebenen ganz wichtig, dass das gesehen, wahrgenommen und ausgezeichnet wird. Ich finde, das ist auch eine sehr würdigende und wertschätzende Geste und wichtig.

Peicker: Ja, es ist auf jeden Fall eine Geste, die vom deutschen Volke kommt. Sie hat mit der Bundeswehr in sich eigentlich nichts zu tun. Also wir haben natürlich auch mehrere Möglichkeiten, disziplinar jemanden zu ehren oder ein Vorbild herauszustellen mit regelmäßigen, durch den Vorgesetzten anwendbaren Instrumenten. Aber Medaillen, Orden- und Ehrenzeichen zu verleihen, ist ein hoheitlicher Akt und hat eine besondere Bedeutung für die gesellschaftliche Dankbarkeit an Soldaten und Soldatinnen oder Angehörige der Bundeswehr.

Gantenbein: Ist eigentlich jede Medaille ein Orden oder gibt’s einen Unterschied zwischen Medaillen und Orden?

Peicker: Ja, diese verschiedenen Bezeichnungen findet man auf jeden Fall im Gesetz. Das Gesetz heißt ja „für die Orden, Titel und Ehrenzeichen“. In der Bundeswehr sagen wir eigentlich weniger Orden. Wir sagen Ehrenzeichen der Bundeswehr in den verschiedenen Stufen oder die Einsatzmedaille der Bundeswehr in verschiedenen Stufen. Man kann natürlich auch Orden dazu sagen, aber wir benutzen andere Worte dafür. Im Gesetz sind das auch Orden.

Gantenbein: Kann eigentlich auch eine Zivilistin oder ein Zivilist ausgezeichnet werden?

Peicker: In Ausnahmefällen schon. Im Grunde ist es möglich, wenn der oder diejenige sich um die Bundeswehr besonders verdient gemacht hat und zusammen mit Soldatinnen und Soldaten Besonderes herausgestellt hatte, dann kann man diesen Antrag stellen, den Disziplinarvorgesetzte stellen dürfen. Und dann wird das im Einzelfall unter die Lupe genommen und auch zu einer gesonderten Vorlage gebracht. Wir können sogar Angehörige anderer Streitkräfte auszeichnen. Andere Soldatinnen und Soldaten der Amerikaner, die uns auch zum Beispiel viel im Afghanistaneinsatz unterstützt haben. Auch diese haben die Möglichkeit, vorgeschlagen zu werden. So ist das auch gesehen, und da wurden auch welche ausgezeichnet mit allerhöchsten Orden und Zeichen der Bundeswehr.

Gantenbein: Das ist ja spannend. Funktioniert das andersrum auch? Gibt es auch deutsche Soldatinnen und Soldaten, die amerikanische Auszeichnungen bekommen haben?

Peicker: Ja, da bin ich ein eigenes Beispiel. In meinem Kuweit-Einsatz habe ich eine amerikanische Auszeichnung bekommen. Weil ich mit den Amerikanern zusammen embedded, das heißt, eingepflanzt in den Stab dort gedient habe, und dann erhält man auch einen amerikanischen Orden.

Gantenbein: Super, das ist ja dann was ganz Besonderes. Das ist ja dann etwas, worauf man besonders stolz sein kann, denn das ist ja nicht so leicht zu bekommen.

Peicker: Ja, hat mich gefreut.

Gantenbein: Toll. Ganz herzlichen Dank. Das war echt sehr, sehr spannend. Das war Oberstleutnant Thomas Peicker zum Thema Einsatzmedaillen. Den nächsten Podcast gibt’s in genau einer Woche. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und melde mich ab aus dem Funkkreis. Tschüss.