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16 MIN

Sprecher: Björn Lenz (BL), Cyanco B. (CB)

Delta to all. Radiocheck. Over.
Hier ist Bravo. Kommen.
This is Tango. Over.
Funkkreis – Podcast der Bundeswehr

BL: Einsatz in Mali. Das bedeutet nicht nur Bedrohung durch Beschuss oder Sprengfallen außerhalb von Camp Castor, sondern auch extreme Klimabedingungen. Im Sommer wird es hier bis zu 45 Grad heiß. Im Schatten, wohlgemerkt. Die Temperaturen sind nicht nur anstrengend für Menschen, sondern auch ideale Bedingungen für das Wachstum von Bakterien und Viren. Hygiene, vor allem, was Lebensmittel angeht, ist deshalb noch wichtiger als in Deutschland. Dazu kommen Tiere wie die extrem giftige Sandrasselotter oder die bis zu Handteller großen Kamelspinnen. Die Soldaten im Camp vor dieser Gefährdung zu schützen, ist die Aufgabe des leitenden Veterinärs im deutschen Einsatzkontingent. Mein Name ist Björn Lenz aus der Redaktion der Bundeswehr, und wir sitzen hier im Behandlungszimmer des Oberstabsveterinärs. Hallo, Cyanco, grüß dich. Was ist deine Aufgabe hier bei MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali?

CB: Ich bin der leitende Veterinär. Und mein Aufgabenbereich ist einmal die Lebensmittelhygiene. Das heißt, ich bin für die Überwachung zuständig und gucke in den ganzen Betreuungs- und Verpflegungseinrichtungen, ob die Betriebshygiene eingehalten wird, ob die Dokumentation, die die Betreiber führen müssen, diese auch ordnungsgemäß führen, und sorge auch dafür, dass die Infrastruktur, in der die kochen oder Verpflegung oder Betreuung bereitstellen, in Ordnung ist.

BL: Unter den Klimabedingungenhier, wir haben jetzt 42, 43 Grad am Tag, ist es doch bestimmt ein bisschen schwieriger als in Deutschland, oder?

CB: Ja, auf jeden Fall. Ich sage mal, in Deutschland ist mir keine Truppenküche bekannt, die irgendwie eine Klimaanlage hat. Aber hier in Mali würde es gar nicht ohne Klimaanlage gehen.

BL: Das heißt, worauf muss hier geachtet werden? Wachsen auch Bakterien und Schimmelpilze schneller?

CB: Ja, klar. Wir müssen hier noch eine größere Hygiene walten lassen als im Inland. 30 Grad, 42 Grad, du hast es selbst gesagt, das sind für einige Bakterien perfekte Brutschranktemperaturen und auch für Schimmelpilze, die dann wachsen. Von daher sind alle Gebäude, wie gesagt, klimatisiert. Du siehst selbst, wie es hier aussieht. Hier ist vielleicht mal irgendwo ein grüner Strauch, aber das ist auch eher die Seltenheit und nicht die Regel. Der Staub ist überall. Du hast gestern selbst den Herrn... (Name nicht verständlich, Anm. d. Red.) miterlebt, der kriecht durch jede Ritze, findet sich überall wieder. Und das heißt, dass die Jungs und Mädels in den Betreuungseinrichtungen auch jeden Tag putzen müssen und mehr putzen müssen noch als in Deutschland zum Teil.

BL: Wie oft kontrollierst du das?

CB: Es gibt halt so eine Überwachungsliste. Und in den Verpflegungseinrichtungen, also Einsatzstandortküche, hier in Gao, die ja neu errichtet wurde, sind wir ein- bis zweimal im Kontingent und die Betreuungseinrichtung wie Hansibar oder Castorbar schauen wir uns auch einmal im Kontingent an.

BL: Okay, also tatsächlich nicht so besonders oft.

CB: Nein, aber man ist halt auch Ansprechpartner, sag ich mal, für den Betreiber und irgendwie gibt es halt immer mal Fragen und man selber geht ja auch dreimal am Tag oder zweimal am Tag dort essen. Die Leute kennen einen, sehen einen halt als vertrauenswürdigen Ansprechpartner und dadurch ist man eigentlich jeden Tag da und guckt auch mal rein. Oder wenn einmal einem irgendetwas auffällt, sagen wir mal, an der Speisenausgabe, dann wird das halt direkt besprochen, meistens oder im Anschluss. Also man kann sagen, dass wir, da wir die Einrichtungen auch selber nutzen, eigentlich fast täglich überall einmal drin sind.

BL: Das ist ja nur ein Teil deiner Aufgaben. Also man hört es vielleicht. Wir sitzen in einem Zelt, das ist das Behandlungszelt der Diensthunde. Du bist Veterinär, also Tierarzt oder Tiermediziner. Und auch die Diensthunde gehören zu deinem Geschäft.

CB: Hier in Gao betreue ich einmal zwei Diensthunde der Feldjägereinsatzkompanie und einmal zwei Diensthunde der Force Protection, sprich, der Objektschutzkompanie, und dann noch einmal einen britischen Diensthund.

BL: Und Betreuen heißt, du kümmerst dich um alles, was die haben könnten?

CB: Genau. Wenn die hier ins Einsatzland kommen, dann machen wir einmal eine sogenannte Innenuntersuchung. Das heißt, ich gucke mir den Hund an, mache eine allgemeine Untersuchung, guck, wie ist er so von seinem Befinden, kommt er hier gut mit dem Klima klar. Ich mache es ja auch nicht sofort, der hat erst ein paar Tage Zeit, um sich hier auch zu akklimatisieren. Und, genau, das ist so der erste Check-up hier. Gott sei Dank hatte ich auch noch nicht so viele Probleme mit den Hunden. Es sind meistens Kleinigkeiten wie kleine Schürfwunden oder eine Lahmheit, wenn sie sich vertreten haben. Und bei den Briten ist das auch so, bevor die auf Mission fahren, wollen die einmal so einen Pre-Check haben. Da mache ich den und wenn die wieder reinkommen nach ihren Operationen, mache ich einen sogenannten Post-check-Up und gucke mir den Hund dann auch noch mal an. 
Man hört es, hier das Zelt hier ist auch klimatisiert, überall laufen die Stromerzeuger, die Klimaanlagen, alles macht Geräusche. Hier sind wir in der K-9-Zone oder K-9-Area. Hier draußen befinden sich auch die Zwinger für die Diensthunde und auch die Ausläufer. Du siehst ja, hier sind einmal die Zwinger und hier haben wir halt einmal die Ausläufer. Hier siehst du, der Hund kann ganz individuell entscheiden, ob er jetzt im Zwinger sein möchte, ob er auf seinem Hundebett liegen möchte, ob er in die Hütte gehen möchte oder ob er in den Auslauf möchte.

BL: Ja, die haben ja richtig viel Platz. Also der Zwinger hat bestimmt drei auf sieben Meter oder so was. Und dann ist da noch ein großer Auslauf mit ganz viel Sand und auch Sonne, wenn sie das möchten.

CB: Der Auslauf, da sind wir wieder beim deutschen Tierschutzgesetz. Das schreibt uns halt vor, wie groß die sein müssen. Und hier sind die mehr als ausreichend dimensioniert. Also es wirkt nicht nur groß, sie sind groß.

BL: Die Diensthunde sind ja nicht die einzigen Tiere, die es hier gibt. Also mir sind selbst auf dem Weg zum Essen natürlich Agamen aufgefallen, also so geckogroße Tiere. Und es gibt auch Schlangen und Spinnen. Eine Kamelspinne ist mir auch schon begegnet, fand ich eher gruselig. Wie ist es denn hier mit der Gefährdung durch diese eher garstigen Tiere?

CB: Ja, ich bin ja jetzt seit Anfang März hier und werde noch ein paar Wochen hier sein. Ich hatte eigentlich gedacht, dass hier wirklich mehr Krabbeltiere sind, sage ich jetzt einfach mal so. Ich habe selber jetzt eine Schlange gefangen, das war eine Sandrasselotter, auch ein ziemlich giftiges Exemplar. Ich bin halt auch ausgebildet, die zu fangen. Ich habe so einen Lehrgang, der nennt sich Handling von Gifttieren. Hier ist aber auch noch der Gesundheitsaufseher und der SanHygTrupp. Die haben auch diesen Lehrgang und ich sage mal, das ist eigentlich eher deren Kerngeschäft. Aber klar, wenn mal Not am Mann ist oder die nicht erreichbar sind oder auf Dienstreise sind oder so, dann fange ich die auch ein.

Und vorletzte Nacht hatte ich hier die Heli-...(nicht verständlich, Anm. der Red.)Wache und da ist mir eine Kamelspinne da hinten am Bein hoch gekrabbelt. Das fand ich jetzt auch nicht so toll, aber da hilft einfach nur ruhig bleiben, Licht ausmachen und dann ist sie selber wieder abgehauen.

BL: Kamelspinnen, für die, die sie nicht kennen, die können durchaus mal so groß wie eine Hand werden.

CB: Ja, auf jeden Fall.

BL: Die sind aber, glaube ich, nicht giftig, oder?

CB: Nein, giftig sind sie nicht, aber die haben schon ganz schön imposante Beißwerkzeuge, muss man mal sagen. Viele haben ja auch so eine Spinnenphobie oder eine Abneigung gegen Spinnen. Und wenn, dann hast du selber gesagt, eine Spinne kommt, die so groß ist wie deine Hand, das ist nicht so angenehm, wenn die deine Nähe sucht, und die suchen auch Schatten. Das heißt, wenn man hier draußen rumsteht, und du hast es ja vielleicht auch gemerkt, dann wirft man zum Teil auch Schatten, dann kommen die halt auf dich zugelaufen und wollen eigentlich nur in den Schatten.

BL: Ja, das ist mir zum Glück nicht passiert. Ich hoffe, das passiert auch nicht. Ich steh nicht so auf Spinnen. Aber heute Morgen beim Joggen habe ich zwei Kätzchen gesehen, die saßen da so am Rand. Also Katzen gibt es ja hier auch. Sind das wilde oder wo kommen die her?

CB: Ja, ich würde sagen, das sind so Kulturfolger. Klar, hier gibt es, wo Menschen sind, da fallen immer mal Reste an. Das heißt, wir ziehen natürlich auch Nagetiere an wie Ratten, Mäuse und denen folgen, würde ich sagen, die Katzen. Und natürlich finden sie auch hier oder da vielleicht mal Nahrungsmittelrest, der unachtsam weggeschmissen wurde. Und deswegen haben wir die hier im Lager. Der SanHygTrupp fängt die in Lebendfallen und dann haben wir eine lokale Firma, die muss die halt außerhalb des Lagers verbringen und uns halt auch Bilder schicken, wie sie die freilassen. Da wird dafür gesorgt, dass es denen gutgeht, sage ich mal, die werden dann auch mit Futter und Wasser versorgt, dort freigelassen, um hier einfach die Katzenpopulation im Lager niedrig zu halten, weil Katzen halt auch süß und nett sind. Aber wir wissen halt auch nicht, was sie alles für Krankheiten haben, und sie sind potenzieller Überträger von vielen Krankheiten. So das Schlimmste, was man sich vorstellen könnte, wäre die Tollwut. Deswegen ist auch ein Verbot da für die Soldaten, die zu füttern oder halt anzufassen, zu streicheln.

BL: Ja, persönlich finde ich es schade. Ich habe daheim auch zwei Kätzchen. Ich kann es aber ja auch verstehen, man weiß tatsächlich nicht, was man sich da holt. 
Das war nur ein kleiner Teil deiner Aufgaben. Machst du noch andere Dinge? Du bist ja sozusagen für ganz Mali zuständig.

CB: Genau, ich bin für ganz Mali zuständig. Ich habe alles, was MINUSMAMission Multidimensionnelle Intégrée des Nations Unies pour la Stabilisation au Mali ist, und dann auch noch zum Teil EUTMEuropean Union Training Mission. Im Niger haben wir zum Beispiel auch noch zwei Standorte, einmal Niamey und einmal Tillia. Ja, und da achte ich auch auf die Lebensmittelhygiene und natürlich auch die Tierseuchenprophylaxe.

BL: Also sozusagen die gleiche Aufgabe, nur an einem anderen Ort.

CB: Genau.

BL: Wie kommst du denn da hin? Das ist ja, also für die, die es nicht kennen, also allein Bamako, also die Hauptstadt Malis, ist von hier mal so 1.000 Kilometer oder so. Man fliegt schon eine ganze Weile. Du fliegst dann, oder?

CB: Genau, das ist nicht wie in Deutschland. Aber manchmal hat man auch Ähnlichkeiten. Man stellt eine Dienstreiseantrag. Nur dass die Dienstreise dann nicht im KfzKraftfahrzeug beginnt, sondern man steigt hier in Gao in den Flieger und verlegt dann nach Bamako oder Niamey. Von Niamey, wenn man nach Tillia will, geht es weiter mit dem Hubschrauber. Also der Dienstherr bietet ja auch einiges an Abenteuer. Ja, und es wird aber hier, würde ich sagen, mit den Monaten einfach auch zur Normalität, dass man sich eigentlich nur per Luft von Standort zu Standort bewegt.

BL: Luft ist ein gutes Stichwort. Wir waren bei den NHNATO-Helicopter-90, also den Transporthubschraubern, die nach mehr als einem Jahr hier rausgegangen sind.

CB: Oh, jetzt sind die Hunde wieder zurück.

BL: Bei den Hubschraubern, was ist da passiert genau?

CB: Ich bin auch verantwortlich für die sogenannte Tierseuchenprophylaxe. Bei der Bundeswehr verwenden wir immer andauernd überall Abkürzungen. Das nennen wir einfach TSP. Und da gucke ich, ob das Luftfahrzeug vernünftig gereinigt wird und danach wird es tierseuchenprophylaktisch behandelt, das heißt, es wird halt quasi desinfiziert. Luftfahrzeuge sind eine spannende Kiste, da sie sehr empfindliche Wesen sind und man halt in der Wahl der Desinfektionsmittel oder Mittel zur tierseuchenprophylaktischen Behandlung sehr eingeschränkt ist.
Und wenn die Jungs und Mädels, die gereinigt haben, desinfiziert haben, tierseuchenprophylaktisch behandelt haben, wie wir es auch immer nennen wollen, dann gucke ich mir das an, ob das passt. Wenn es nicht passt, müssen die halt noch mal nachreinigen oder noch mal nachdesinfizieren. Und wenn alles in Ordnung ist, dann erstelle ich einen Desinfektionsnachweis, dass das Luftfahrzeug adäquat behandelt wurde, genau. Hintergrund von der ganzen Sache ist halt, dass es in Mali ziemlich viele Tierseuchenerreger gibt. Ich glaube, alles, was man sich so vorstellen kann unter Umständen und was wir uns halt nicht nach Deutschland holen wollen oder in die EUEuropäische Union. Und deswegen achten wir da so vehement drauf.

BL: Es werden ja nicht nur Hubschrauber desinfiziert, sondern alles, was nach Deutschland geht.

CB: Genau.

BL: Ich kann mich erinnern, wenn man nach Hause fliegt, muss man vorher mit den Stiefeln durch eine Wanne mit Desinfektionsmittel, das ist einfach, damit dann nichts an den Sohlen klebt.

CB: Genau.

BL: Und auch das gesamte Gepäck wird desinfiziert.

CB: Ja, das ist vollkommen richtig. Es macht das auch wieder spannend. Also vom persönlichen Gepäck über die Schuhe, du hast es gesagt, Fahrzeuge, Boxen mit Material, Stückgut, man sieht halt ziemlich viel und man nimmt auch mal wahr, was eigentlich an Material im Einsatzland so umgeschlagen wird und wieder nach Deutschland zurückgeführt wird.

BL: Es klingt in meinen Augen nach einem sehr abwechslungsreichen und spannenden Job, den du hast.

CB: Doch ich muss sagen, der Dienstposten ist sehr abwechslungsreich und für mich eigentlich auch das Schönste, was man sich vorstellen kann. Und auch der Einsatz war, rückblickend gesagt, eine schöne Zeit. Ich habe noch ein paar Wochen vor mir, Gott sei Dank. Aber man kommt auch in viele Bereiche rein, guckt überall mal rein, lernt ziemlich viele interessante Menschen kennen, Kameraden, aber auch Zivilisten. Ich hatte es ja mit den schon gesagt, man arbeitet halt auch mit anderen Nationen zusammen. Auch im Bamako habe ich einen Veterinär aus Norwegen getroffen. Sich mit denen auszutauschen und zu gucken, wie die das dann machen und meistens auch festzustellen, dass sie es nicht viel anders machen. Halt trotzdem auch interessant.

BL: Du bist auch nicht allein, sondern du hast ein Team, das du leitest.

CB: Teamleitung ist vielleicht nicht ganz korrekt, aber es gibt ja noch einen zweiten Veterinär, da wir halt noch ein veterinärmedizinisches Labor haben. Ich kann da halt auch anordnen, dass zum Beispiel das Labor die Oberflächen beprobt. Mit Oberflächenabklatschproben oder Wischproben, die werden dann ausgewertet, und wenn die gut sind, ist auch für mich alles gut. Aber wenn dann Bakterien da wachsen oder Schimmelpilze, muss ich denen sagen, was wir besser machen sollen mit Reinigung, der Infektion. Ich bin auch so der kleine Apotheker für meinen eigenen Bereich, das heißt, ich führe hier noch eine tierärztliche Hausapotheke und hier ist halt alles an Tierarzneimitteln vom Ohrreinigern bis zu Anästhetika, Analgetika, sprich, für die Narkose oder zur Schmerzausschaltung habe ich hier alles vorrätig.

BL: Also du könntest, wenn es dann nötig wäre, den Hund auch operieren, wenn er verletzt ist.

CB: Genau das wäre möglich. Also den Hund hier zu operieren, hier im Behandlungszelt würde ich ja nur kleinere Sachen machen, wir wollen es mal nicht hoffen, aber wenn es ganz schlimm werden würde, könnten wir halt auch auf die Rolle zurückgreifen. Und wir hatten es auch schon mal, dass ein Diensthund, zwar nicht unserer Nationalität, aber halt auch mit einem CASEVAC- (Casualty Evacuation, Anm. der Red.), sprich MEDEVAC-Einsatz, halt nachts mit dem Hubschrauber von draußen hier ins Lager geflogen wurde. Der hatte dann zwar nichts Schlimmes, Gott sei Dank, aber da wird auch viel möglich gemacht. Ich bin ja auch für die Überwachung des Tierschutzes zuständig und deswegen mache ich halt auch, wenn die Hunde arbeiten, zum Beispiel die Gepäcke abspüren oder die Post, gucke ich regelmäßig vorbei und schaue, ob das tierschutzkonform abläuft, denn auch, wenn wir hier in Mali, in Gao sind, ist das eine deutsche Einsatzliegenschaft und für uns gelten hier auch deutsche Rechte und Verordnungen. Und somit gilt ja auch das deutsche Tierschutzgesetz.

BL: Wie kommen denn die Hunde mit dem heißen Wetter generell klar? Jetzt sind wie gesagt 42, 43 Grad, können ja auch 48 werden.

CB: Ja. Also aus meiner Bewertung ist das für die Hunde hier schon körperlich anstrengend und belastend. Du selber bist jetzt ja nur ein paar Tage da, aber man merkt ja einfach, dass diese Temperaturen anstrengend sind. Die Hunde sind ja vielleicht 60 Zentimeter hoch und die haben noch mal eine ganz andere Wärmeabstrahlung vom Boden die ganze Zeit, wenn sie draußen unterwegs sind. Und das ist körperlich einfach sehr anstrengend. Das heißt, sie müssen halt auch, genauso wie wir, Pausen einlegen, am besten auch mal wieder, wenn sie gearbeitet haben, ins Fahrzeug zurück. Die sind ja klimatisiert in ihrer Box, da können sie sich ein bisschen ausruhen. Müssen natürlich, genauso wie wir, viel trinken.

BL: Da achten die Hundeführer ja sicher auch darauf.

CB: Ja, also die Hundeführer sind echte Experten. Also die sind gut ausgebildet.

BL: Wie wird man denn überhaupt Tierarzt bei der Bundeswehr? Das ist ja, also man muss dazu sagen, also Ärzte oder Sanitätspersonal gibt es bei uns eine ganze Menge. Veterinäre sind dann eher schon so die Exoten. Das ist auch mit den Dienstgraden ein bisschen schwierig. Aber wie kommt es dazu? Wie wird man Tierarzt bei der Bundeswehr?

CB: Jetzt muss ich noch mal ein bisschen weiter ausholen. Vor meinem Abi habe ich die Offizierbewerberprüfzentrale in Köln besucht. Heutzutage heißt das Assessment- Center. Da habe ich die Offizierprüfung gemacht und bestanden. Aber die Bundeswehr hat gesagt für Tiermedizin, da werden jedes Jahr nur ein bis zwei Leute genommen werden, reicht es leider nicht. Man hatte mir was anderes angeboten, aber Tiermedizin oder Veterinärmedizin zu studieren, war immer mein großer Traum. Und dann bin ich halt am 1.7. 2009 als Wehrpflichtiger für neun Monate zum Grundwehrdienst angetreten, damals bei der Heeresflugabwehr, hatte also mit Tiermedizin oder Sanität gar nichts zu tun. Habe das gemacht und dann noch mal verlängert, weil das so den nahtlosen Übergang zum Studium mir ermöglicht hat. Habe danach zivil studiert und nach dem Studium, 2016, bin ich fertig geworden, noch mal zwei Jahre draußen in einer zivilen Praxis gearbeitet, in einer gemischten Praxis. Also wirst du mich auch wahrscheinlich wieder fragen, was das wieder bedeutet.

BL: Genau.

CB: Gemischtpraxis heißt, man behandelt Großtiere und Kleintiere. Bei mir waren es halt Nutztiere wie Milchkühe hauptsächlich und dann wieder Kleintiere. Das heißt, der Katzenbesitzer, so wie du, kommt dann in die Sprechstunde mit seinen Sorgen, Nöten, Anträgen, denk ich. Und dann hat man ganz normal vom Hamster bis zum Hund, hat alles versorgt. Man muss sagen, im Zivilleben als Angestellter und Berufsanfänger ist das als Assistenztierarzt ein hartes Brot. Also die Bezahlung ist nicht so sonderlich gut und da war für mich die Überlegung, nach zwei Jahren wieder zurück zur Bundeswehr zu gehen. Das hat dann auch geklappt, Gott sei Dank. Dann macht man wieder so einen Eingewöhnungslehrgang, sage ich mal, vier Wochen an der Sanitätsakademie. Das ist nicht sonderlich lang und schwupps, war ich wieder Tierarzt oder Veterinäroffizier bei der Bundeswehr. Meine erste Verwendung war in Bad Reichenhall bei den Tragtieren. 

BL: Bei den Mulis. Das ist ja eine Traumverwendung.

CB: Ja, also auf jeden Fall war das toll, weil man echt direkt bei der Truppe war. Landschaftlich, du kennst das ja, es ist einmalig dort, man hat die Berge, die Alpen direkt vor der Haustür und genau.

BL: Okay, das war superinteressant. Dann wünsch ich dir noch einen ruhigen und guten Resteinsatz und dass du gut nach Hause kommst und sage danke fürs Gespräch. Ciao.

CB: Danke, Björn. Ciao.

BL: Mein Name ist Björn Lenz aus der Redaktion der Bundeswehr. Ich melde mich ab aus dem Funkkreis.