Invictus Games

Reparatur vor Ort: Boxenstopp für Rollstuhl und Prothese

Reparatur vor Ort: Boxenstopp für Rollstuhl und Prothese

  • Invictus Games
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Den Haag
Lesedauer:
3 MIN

500 Athletinnen und Athleten treten bei den Invictus Games in Den Haag an. Viele der versehrten Militärangehörigen sitzen im Rollstuhl oder haben Prothesen. Bei den Wettkämpfen müssen die Hilfsmittel einwandfrei intakt sein und große Belastungen aushalten. Wenn mal etwas kaputt geht, gibt es schnelle Hilfe in der Werkstatt.

Eine Frau hat eine Beinprothese in der Hand

Speziell für Läufer: Vera Lidia Kok hat gerade ein Runner Blade repariert, das ist eine Prothese für Läufer. Insbesondere in dem Schaft steckt viel Handarbeit.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Vera Lidia Kok arbeitet gerade an einem Gipsabdruck von einem Bein, als ein Rollstuhlfahrer in der Tür auftaucht. Irgendetwas rollt nicht mehr ganz rund. Nur ein paar Handgriffe, ein kleines Ersatzteil anbringen und schon ist der Fehler behoben und der Mann fährt mit einem zufriedenen Lächeln davon. Zufrieden ist auch Kok. „Es ist toll, den Menschen helfen zu können.“ Die 19-Jährige gehört zum Werkstattteam, das Rollstühle, Prothesen und andere Hilfsmittel körperlich Beeinträchtigter repariert. Bei den Invictus Games ist dieser Stand von besonderer Bedeutung. Denn für Disziplinen wie Rollstuhlrugby oder -basketball muss alles einwandfrei funktionieren. Und die Hilfsmittel müssen auch einiges aushalten. Zimperlich sind die Athletinnen und Athleten nicht bei den Spielen. Da geht auch schon mal etwas am Rollstuhl kaputt. Oder ein Runner Blade, eine spezielle Prothese für Läufer, wird instabil. 

Das alles lässt sich in der mobilen Werkstatt im Zuiderpark, Schauplatz der Spiele, beheben. Kok arbeitet im Beruf mit viel Freude und Herzblut. „Wir helfen den Menschen, sich wieder bewegen zu können, wieder zu laufen. So erhalten sie wieder mehr Lebensqualität. Das ist einfach schön.“ Bald schließt sie ihre Ausbildung in diesem Bereich ab. Bei den Invictus Games hilft sie aus. Die Chance, sich zu engagieren, wollte sie sich nicht entgehen lassen. Insbesondere, da es sich bei den Sportlerinnen und Sportlern um Soldatinnen und Soldaten handelt. „Es ist immer traurig, wenn jemand beispielsweise ein Bein verliert. Aber bei diesen Menschen ist es noch etwas anderes. Sie wurden verwundet, als sie für ihr Land gekämpft haben.“ Sie habe großen Respekt davor, was sie dennoch leisten und wie motiviert sie sind. 

Für die Prothesen ist Handarbeit gefragt

Und deswegen gehen die Reparaturen auch so schnell wie möglich. Zu Beginn der Spiele ist der Andrang noch gering. Wenn es mit den Wettkämpfen richtig losgeht, erwarten Kok und das restliche Team deutlich mehr Anfragen. Ein großes Ersatzteillager ist jedenfalls vor Ort – Räder für Rollstühle, Ersatzteile für Prothesen und sogar die entsprechenden Maschinen, um solche herzustellen. Denn für eine Prothese muss alles maßgeschneidert sein und perfekt passen. Andernfalls können die Frauen und Männer sie nicht richtig nutzen oder haben sogar Schmerzen beim Tragen. „Die meisten Reparaturen können wir sofort und schnell erledigen. Bei einer Prothese kann es schon mal einen Tag dauern.“ Denn das Material für den Schaft muss erst noch in einem speziellen Ofen geschmolzen und in Form gegossen werden. „Das ist alles Handarbeit“, betont Kok. 

In einem Schiffscontainer ist ihre mobile Werkstatt eingerichtet. „Der Container wird weltweit für solche Veranstaltungen verschifft.“ Zudem sind zahlreiche Boxen mit verschiedenen Ersatzteilen und Materialien in den Regalen. Einige Werkbänke sind davor noch aufgebaut. Bisher habe jedem geholfen werden können. „Wir hoffen, dass wir das auch weiterhin können und keinen wegschicken müssen, weil wir die passenden Teile oder Werkzeuge nicht haben.“ Kok ist optimistisch, dass das nicht passieren wird. Und sie freut sich auf die kommenden Tage. „Es ist gut, dass es die Invictus Games gibt. Es wäre schön, wenn sie mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen.“ Besonders freut sich Kok darüber, einen Beitrag für die Versehrten leisten zu können und ihnen zu helfen, die Wettkämpfe zu bestreiten.