Bundeswehrärztin als Katastrophenhelferin in Beirut

Bundeswehrärztin als Katastrophenhelferin in Beirut

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Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
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Dienstlich ist Frau Oberstabsarzt Dr. Melanie Schulz-Drost im Gesundheitsamt der Bundeswehr in Potsdam zu Hause. Dort nimmt sie öffentlich-rechtliche Überwachungsaufgaben in der Bundeswehr wahr. Privat ist sie andere Zustände gewohnt. Melanie Schulz-Drost ist als ehrenamtliche Katastrophenhelferin im In- und Ausland engagiert.

Person mit Mundschutz und Helm vor dem Hafen

Frau Oberstabsarzt Dr. Melanie Schulz-Drost engagiert sich ehrenamtlich bei der Katastrophe in Beirut

Bundeswehr/Melanie Schulz-Drost

Dienstlich hat die junge Ärztin, die kurz vor ihrem Facharzt steht, im Schwerpunkt mit Präventivmedizin und Hygiene zu tun. Darunter fallen Begehungen der Bundeswehr-Liegenschaften zur Entnahme von Proben. Sie prüft aber auch die Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes. Auch im Einsatz war sie bereits gewesen und verschaffte sich dort ein Bild über die herrschende medizinische Infrastruktur. Vergleichswerte besaß sie bereits aus den ehrenamtlichen Einsätzen als Katastrophenhelferin.

Alles begann mit einem Hund

Bereits in jungen Jahren kam Schulz-Drost zur Arbeit mit Rettungshunden. Diese führte sie als Rettungshundeführerin seit 1999 weltweit in Hilfseinsätze. In kurzen Zeitspannen von wenigen Tagen wird dabei von Mensch und Tier viel abverlangt. Die Retter arbeiten oft Tag und Nacht, um die ersten Stunden nach einem Vorfall zu nutzen, noch Lebende zu finden. Die nur kleinen Verpflegungsrationen und schwierigen Unterkunftsbedingungen sind dabei schnell Nebensache. Doch die Ärztin betont auch, dass sie bisher immer mit offenen Armen empfangen wurden und sie ihre Hilfsarbeit daher sehr schätze.

Schnell vor Ort

Ihr jüngster Einsatz führte sie zur Unglücksstelle nach Beirut. Nach der Meldung durch die Medien ging alles sehr schnell. Die erste Alarmierung für das Hilfspersonal war auch für Schulz-Drost das Signal, bei ihrem Vorgesetzten die Anzeige der Nebentätigkeit einzureichen und in ihrem privaten Umfeld alle notwendigen Angelegenheiten zu regeln. Mit der zweiten Alarmierung konnte sich die junge Frau als verfügbare Helferin melden und saß wenig später im Flugzeug in den Libanon.

Dort angekommen, sahen sie und die vielen anderen internationalen Teams die Auswirkungen der Explosion. „Die Situation dort war verheerend. Alles war dem Erdboden gleichgemacht. Auch die angrenzenden 500 Meter bis zu einem Kilometer waren die Häuser nur noch wie Gerippe. Es gab keine Fenster mehr, keine Türen, keine Innenausstattung. Das war alles weg“, schildert Schulz-Drost ihre Eindrücke.

Hafen von Beirut nach der Explosion

Mit katastrophalem Ausmaß für den Hafen von Beirut und die ganze Stadt ereignete sich die Explosion am 04. August 2020 um 18.08 Uhr Ortszeit am Golfe de Saint-Georges

Bundeswehr/Melanie Schulz-Drost

Fünf harte Tage

Obwohl nur wenige Wochen zuvor ihre Arbeitshündin bei einem Einsatz ums Leben kam und sie damit das erste Mal ohne Hund zu einer Katastrophe flog, gab es für Schulz-Drost genug zu tun. Ausgestattet mit Searchcam (Suchkamera) und dem Geofon, einem elektromechanischen Wandler, der Schwingungen im Boden als Spannungssignale anzeigt, übernahm sie die technische Unterstützung des Such- und Rettungsteams SARSearch and Rescue (Search and Rescue).

Auch in ihrem Beruf als Ärztin war sie für ihr Team, die internationalen Helfer und die Zivilbevölkerung da. Fünf Tage lang barg und rettete die SARSearch and Rescue-Gruppe zusammen mit den internationalen Helfern und den libanesischen Feuerwehrleuten Menschen aus den Trümmern. Die nahe gelegene Feuerwache wurde ebenfalls zerstört. Den örtlichen Rettungskräften fehlte es daher an notwendiger Ausstattung und Material. Das schwere Gerät der deutschen Hilfsorganisation, mit der die Ärztin dort war, wurde den Beirutern überlassen. Damit halfen sie den einheimischen Kräften, auch nach ihrer Abreise weiter handlungsfähig zu bleiben.

Was sie antreibt

Noch immer halten die Helfer vor Ort mit den internationalen Kräften Kontakt. Auch die deutschen Helfer untereinander haben eine gute Zusammenarbeit erlebt. „Der Spirit im Team war hoch professionell und kameradschaftlich“, sagt die Helferin in einem Interview mit Radio Andernach stolz. Nach dem Motto: „Einer für alle und alle für einen.“ Auch die libanesische Zivilbevölkerung war sehr hilfsbereit, freundlich und dankbar. Diese Dankbarkeit erlebe sie immer wieder, erzählt sie dem Betreuungsradio der Bundeswehr.

Nach vielen Einsätzen in Deutschland, aber auch weltweit überwiegen für die junge Ärztin diese positiven Erlebnisse gegenüber den Bildern der schrecklichen Ausmaße der Katastrophen. „Wenn es morgen wieder dazu käme, würde ich wieder rausgehen und wieder helfen“, erklärt Frau Oberstabsarzt Dr. Melanie Schulz-Drost.

von Christin Schulenburg

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