Diensthunde der Bundeswehr – Aufgaben und Trainings

Diensthunde der Bundeswehr – Aufgaben und Trainings

  • Diensthundewesen
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Fritzlar
Lesedauer:
6 MIN

96 Diensthunde haben die Feldjäger der Bundeswehr. Ihre Aufgaben: Schutz- und Spürdienst. Regelmäßiges Training ist Pflicht – wie bei der multinationalen Übung in Fritzlar, an der auch belgische und USUnited States-Soldaten teilnahmen. Der Ausbildungsleiter, Hauptfeldwebel Stefan Beck, dachte sich einen Parcours aus, der Hund und Mensch Überwindung kostete.

Soldat hält einen Hund an der Leine, der eine am Boden liegende Person in Schutzkleidung in den Arm beißt.

Schutzdienst: Cliff hält den Täter fest. Der Statist spürt fast nichts, dafür sorgt der bissfeste Anzug.

Bundeswehr/Jana Neumann

Kontrollieren von Veranstaltungsräumen, Aufspüren von Kampfmitteln oder Rauschgift oder einfach zum Schutz: Diensthunde kommen häufig zum Einsatz. Früh werden sie spielerisch an ihre Aufgaben herangeführt. Nach der Ausbildung bleibt das stetige Training ein grundlegender Bestandteil für Hund und Diensthundeführer. Einer von ihnen ist Stefan Beck aus der 9. Kompanie des Feldjägerregimentes 2 in Fritzlar.

Seit 2017 ist Cliff an seiner Seite. Der Belgische Schäferhund stammt aus der bundeswehreigenen Zucht an der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr in Ulmen. Für die multinationale Übung hat Beck nicht nur Spüren und Schutzdienst ins Programm genommen, sondern auch die Vorbereitung für den Auslandseinsatz. Einige der Diensthundeführer, die auch aus anderen Teilen des Feldjägerregimentes 2, den USA und Belgien stammen, gehen nämlich demnächst in ihren ersten Einsatz mit einem vierbeinigen Kameraden.

Schutzdienst

Eine verdächtige Person wird verfolgt, sie soll sich zeigen und stellen. Stattdessen versteckt sie sich in einem Haus. „Diensthund im Einsatz. Kommen Sie raus oder ich lasse den Hund los!“, ruft Beck. Doch der Verdächtige verharrt weiter in dem Gebäude. Auf Kommando rennt Cliff los und stellt den Verdächtigen. Das geht auf zwei Arten: Zunächst erfolgt das Verbellen. „Er muss den Täter finden und stellen, ihn also anbellen, aber nicht beißen.“ Sollte die Person aber flüchten wollen oder gar angreifen, dann beißt Cliff in Arm oder Bein. All das geschieht auf Kommando des Diensthundeführers. Nur ein Wort und das Tier lässt ab.

Ein Soldat befestigt Sprenstoff an einem Kanister.

Explosiv: Für das Spür-Training wird kleinen Mengen Sprengstoff gearbeitet, den die Hunde finden müssen

Bundeswehr/Jana Neumann

Spüren

Kampfmittel oder Rauschgift erschnüffeln: Das nennt sich Spüren. Cliff, ein Belgischer Schäferhund, auch bekannt als Malinois, ist für das Kampfmittel-Spüren ausgebildet. Rauschgift spürt der fünfjährige Rüde dagegen nicht. „Die Hunde können nicht alles machen“, erklärt Beck. Denn sowohl Sprengstoff als auch Rauschgift werden auf die gleiche Weise von den Hunden angezeigt, und zwar passiv. Das bedeutet, sie setzen oder legen sich vor den Fund, bellen aber nicht. „Der Hund kann nicht unterscheiden, was es ist. Er macht ja nicht für Sprengstoff die Rute nach links und für Rauschgift nach rechts. Deswegen kann er nur für eine Sache trainiert werden.“

Das Spüren fordert die Tiere sehr. „Es ist deutlich anstrengender für sie als der Schutzdienst“, sagt Beck. Der Hund brauche daher Pausen. Wie viele Stunden am Stück der Hund spüren kann, hänge vom Alter und der Leistungsfähigkeit ab. „Man merkt, wenn eine Pause nötig ist. Wenn Cliff schneller wird und nur noch oberflächlich sucht, dann ist er geschafft.“ Das zu erkennen, sei sehr wichtig, um eine genaue Arbeit und ein verlässliches Ergebnis garantieren zu können. „Davon hängen Leben ab“, betont Oberst Andreas Düppmann, Kommandeur des Feldjägerregimentes 2, beim Besuch der Übung. „Wenn wir einen Raum oder Veranstaltungsort freigeben, dann sagen wir: Der ist sicher.“ Die regelmäßige Zertifizierung der Teams im Spüren und Schutzdienst sei dafür maßgeblich.

Kleinste Mengen Kampfmittel können die Hunde aufspüren. „Im Training verstecken wir beispielsweise 15 Gramm“, sagt Beck. In Amerika werde mit deutlich größeren Mengen gearbeitet, 500 Gramm. „Die sind natürlich schneller zu finden für die Tiere.“

Überwinden von Höhen und Schluchten

Das Szenario: In einem Steinbruch wird ein gegnerisches Waffen- und Munitionsversteck vermutet. Das Areal wird einige Zeit beobachtet. Es ist menschenleer. Die Diensthundeführer kommen mit ihren Tieren zum Einsatz. „Ein besseres Mittel, um Kampfstoff aufzufinden, haben wir nicht“, sagt Beck. Um das Versteck ausfindig zu machen, müssen die Teams sich erst einmal an einer 15 Meter hohen Steinwand abseilen. „Es geht einen Abhang hinunter. Das kostet Überwindung“, so Beck. Eine Herausforderung für Mensch und Tier – insbesondere bei Höhenangst.

Die Aufgaben: abseilen, einen Seilsteg überqueren, Leiteraufstieg und Seilrutsche – alles gemeinsam mit dem Hund. Hierfür trägt der Hund ein spezielles Geschirr mit verschiedenen Funktionen, beispielsweise Tragegriffen oder Ösen für die Sicherungshaken zum Klettern. Der Hund klettert nicht selbst, sondern wird an einer Halterung am Rücken des Diensthundeführers befestigt – und verliert so den Bodenkontakt.

„Es ist völlig unnatürlich für einen Hund, keinen Kontakt zum Boden zu haben. Das verunsichert ihn.“ Hier drehe sich alles um das Vertrauen ins Herrchen. „Die Bindung muss sehr eng sein. Der Hund muss sich auf mich verlassen, er hat keine andere Wahl“, sagt Beck. Besonders wichtig: „Ich muss selbst ruhig bleiben. Stress und Nervosität übertragen sich auf den Hund.“ Und dieser dürfe nicht zappeln, während es die Leiter hochgeht oder an der Wand herunter.“ Deswegen werde immer wieder geübt. Nicht nur am Boden, sondern auch in der Luft.

Eine US-amerikanische Soldatin geht mit einem Hund an der Leine auf einen bereitstehenden Hubschrauber vom Typ NH-90 zu.

Bereit für den Abflug: Die USUnited States-amerikanische Soldatin, Sergeant Sandie Vollendorf, und ihr Diensthund Ricky trainieren den Einstieg in den Hubschrauber NHNATO-Helicopter-90

Bundeswehr/Jana Neumann

Abheben im NHNATO-Helicopter-90

Der Motor ist gestartet, die Rotorblätter des Helikopters drehen sich. Die Hunde gehen auf Abstand. Von selbst würden die Tiere in diesem Moment wohl kaum in den NHNATO-Helicopter-90 einsteigen. Für den Einsatz aber ist es wichtig, da muss es schnell gehen. „Auch hier ist es wieder eine Vertrauensfrage“, sagt Beck.

Cliff kennt das alles bereits, während einige Hunde zum ersten Mal fliegen sollen. Um sie daran zu gewöhnen, wird der Ein- und Ausstieg ohne laufenden Motor geübt. Dann wird es ernst. An der Leine und mit Beißkorb stehen die Hunde neben ihren Soldaten bereit, um unter den drehenden Rotoren hindurch schnell zum Helikopter und auf ihre Plätze zu kommen.

Die Scheu der Tiere ist nicht zu übersehen. „Man darf dann nicht abbrechen“, sagt Beck. Mit der Hand am Geschirr bringe der Diensthundeführer das Tier dazu mitzulaufen. „Ist der Hund erst einmal drin, ist alles in Ordnung. Dort entspannen sie sich dann.“

Multinational – Belgier noch neu dabei

Diensthunde im Militär gibt es weltweit. Seit 2018 auch in Belgien. Zwei der ersten belgischen Diensthundeführer waren mit ihren Hunden in Fritzlar zu Gast. „Bisher bilden wir die Hunde nur im Schutzdienst aus. Aber die Fähigkeiten werden noch weiter ausgebaut“, sagt einer der Soldaten, der namentlich nicht genannt werden möchte. Das Überwinden von Höhen war völlig neu für ihn. Das nötige Equipment erhielten die Belgier von den Gastgebern. „Es ist toll zu sehen, was alles möglich ist.“

Auch die USUnited States-Soldatin Sandie Vollendorf war begeistert vom Training. „In dieser Art haben wir das noch nicht geübt. Es ist gut, sich hier auszutauschen und zu sehen, wie andere ausbilden. Wir können alle voneinander lernen. Und im Einsatz einfacher zusammenarbeiten“, sagt Sergeant Vollendorf, die für drei Jahre in Stuttgart stationiert ist.

Sie war die einzige Diensthundeführerin bei der Übung. Und mit dem neun Jahre alten, 40 Kilogramm schweren Ricky hatte sie den ältesten, größten und schwersten Hund an ihrer Seite. „Wir haben alle Aufgaben geschafft“, freut sie sich.

Beck zeigt sich nach der Übung zufrieden: „Einige haben so etwas noch nie gemacht. Aber alle haben sich der Herausforderung gestellt – und es geschafft“, betont der Hauptfeldwebel lobend.

von Amina Vieth