Fallschirmjäger im Windkanal: „Wir fliegen zur Arbeit“

Fallschirmjäger im Windkanal: „Wir fliegen zur Arbeit“

  • Heer
  • 2018
Datum:
Lesedauer:
3 MIN

Die Freifaller müssen ständig im Training bleiben, um jederzeit und weltweit einsatzbereit zu sein. Im Winter, wenn der Sprung aus dem Flieger nicht möglich ist, halten sich die Fallschirmjäger im Windkanal fit.

Soldat mit Ausrüstung fliegt im Windkanal

Jederzeit gefechtsbereit durch regelmäßiges Training: Bei schlechtem Witerungsverhältnissen üben die Fallschirmjäger im Windkanal

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Die Fallschirmöffnung hat versagt, auch durch Bewegung lässt sich der Fallschirm nicht öffnen. Der Soldat bleibt ruhig, es ist eine Übung. Er simuliert als nächstes, wie er den Reservefallschirm auslöst. Der Instructor nickt mit dem Kopf, alles richtig gemacht. „Schauen, greifen, schauen, greifen“, erklärt Michael Ukena im Anschluss. Der Stabsfeldwebel ist für vier Tage in Bottrop, um mit seinen Kameraden unter besonderen Bedingungen zu trainieren – im Windkanal.

Ukena ist Freifallbeauftragter der Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) und leitet die Ausbildung. Vormittags üben er und die anderen Instructor mit einem Trainer, nachmittags sind sie mit Soldaten vom Fallschirmjägerregiment 31 aus Seedorf in der Flugkammer. Scharfschützen, Angehörige des Freifallspezialzuges und Unterstützungskräfte – alle müssen regelmäßig üben und sich auf den Ernstfall vorbereiten.

Ideale Bedingungen für Fallschirmjäger im Windkanal

Porträt von einem Mann in Winterjacke

Üben für den Ernstfall: Freifallbeauftragter der DSKDivision Schnelle Kräfte Michael Ukena leitet die Ausbildung der Fallschirmjäger im Windkanal.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Das Training findet in kleinen Teams statt: Die Instructor geben die Aufgaben vor und unterstützen in der Flugkammer. Eine Einheit dauert zwei Minuten, dann geht‘s zur Auswertung der Kamerabilder – und wieder von vorne bis das nächste Team für eine Stunde übernimmt. Stabsfeldwebel Ukena ist vom Windkanal überzeugt: „Wir können das auf dem Punkt fliegen üben, was bei Nacht mit Gefechtsausrüstung in Zugstärke lebenswichtig sein kann. Die Übungseinheiten sind länger als ein Sprung und können aus verschiedenen Perspektiven aufgezeichnet werden.“ Das Training sei nicht nur witterungsunabhängig, sondern spare auch Kosten und Zeit: „Wir müssen keinen Fallschirm packen, haben keine Flugzeit mit dem Luftfahrzeug und bei dieser Ausbildung entfällt auch die Schirmfahrt. Somit können wir uns auf den komplexen Bewegungsablauf des Freifallens konzentrieren.“

Üben und Auswerten

Mann mit Helm fliegt rücklinks im Windkanal

Der Experte macht's vor: Michael Ukena demonstriert den Fallschirmjägern das korrekte Verhalten im freien Fall.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Die Soldaten üben im Windkanal sicheres Fliegen und die Notverfahren mit Gefechtsausrüstung. Sie liegen in der Luft, fliegen vorwärts, rückwärts, auf und ab, schnell und langsam. Was einfach aussieht, verlangt viel Körperkontrolle, Technik und Erfahrung. Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 Stundenkilometern ist keine Zeit zu überlegen. Die Handgriffe und Zeichen müssen sitzen. Was beim Sprung gilt, gilt auch in der Flugkammer: Die Soldaten hören nur den Wind und müssen sich aufeinander verlassen.

Spaß bei der Arbeit

Soldaten in Ausrüstung warten vor dem Windkanal

Nicht so einfach, wie es aussieht: Der freie Fall wird mit voller Gefechtsausrüstung erprobt und verlangt eine ausgeprägte Körperbeherrschung der Soldaten.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

„Wir fliegen zur Arbeit“, sagt der Freifallbeauftragte der DSKDivision Schnelle Kräfte. Die Fallschirmjäger dürften sich keine Fehler erlauben, schließlich gehe es nach der Landung erst los. Für Ukena hat das Training im Windkanal das Ausbildungsniveau noch einmal gesteigert. Außerdem trägt es zum Teambuilding bei: Die Soldaten klatschen sich nach Übungen ab und freuen sich über gelungene Bewegungen. „Wer sagt, dass man bei der Arbeit keinen Spaß haben kann?“ Ukena wird im Januar noch einmal in Bottrop sein – danach geht es wieder zurück in den Flieger.

von Florian Stöhr