Militärexperten im BNDBundesnachrichtendienst

Die ganze Welt im Blick – Bundeswehrangehörige im BNDBundesnachrichtendienst-Lagezentrum

Die ganze Welt im Blick – Bundeswehrangehörige im BNDBundesnachrichtendienst-Lagezentrum

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

In einem abgedunkelten, fensterlosen Raum in Berlin-Mitte laufen geheime und öffentliche Informationen aus der ganzen Welt zusammen. Mittendrin im Lagezentrum des Bundesnachrichtendienstes: Major Tristan R.* Er ist einer von rund 800 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die den deutschen Auslandsnachrichtendienst mit militärischer Expertise unterstützen. 

Eine Nahaufnahme einer verschlossenen Mappe, in der ein Dokument liegt mit der Überschrift Streng Geheim

Informationen sammeln und zu Lagebildern verdichten: Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr unterstützen den Bundesnachrichtendienst mit ihrer militärischen Expertise

Bundesnachrichtendienst

Auf den ersten Blick hat das Lagezentrum des Bundesnachrichtendienstes, kurz BNDBundesnachrichtendienst, nicht viel mit der Bundeswehr zu tun. Lediglich die Optik erinnert an die Lage- und Operationszentralen, wie sie in jedem Kommando der Bundeswehr zu finden sind: Landkartenabschnitte, Satellitenbilder und Meldungen aus der ganzen Welt laufen hier zusammen und werden auf einem Großbildschirm in der Mitte des Raumes abgebildet.

Vor dem Bildschirm sitzen zahlreiche Mitarbeitende an ihren Computerarbeitsplätzen. Sie werten die eingehenden Informationen aus und stellen sie dann zu einem Lagebild zusammen. Nur die wenigsten Informationen haben direkten militärischen Bezug. 

Gehen aber zum Beispiel Warnungen vor Anschlägen oder Hinweise auf versteckte Sprengfallen in den Einsatzgebieten der Bundeswehr ein, greifen Mitarbeitende wie Major R. zum Telefon – die Information könnte Kameradinnen und Kameraden im Einsatz das Leben retten. „Gerade für die Bundeswehr haben wir einen sehr großen Fokus auf die Einsatzgebiete“, erklärt Major R.

Dienst ohne Uniform 

Der Stabsoffizier der Bundeswehr ist einer von mehreren Hundert Soldatinnen und Soldaten, die momentan ihren Dienst beim Bundesnachrichtendienst verrichten. R. ist ein sogenannter Zeitverwender, was bedeutet: Für einige Jahre leistet er seinen Dienst als Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes ab, bleibt aber gleichzeitig Soldat und kehrt im Anschluss auch wieder in die Bundeswehr zurück.

In seiner letzten Truppenverwendung hatte der Major ebenfalls in einem Lagezentrum gearbeitet – der Betrieb rund um die Uhr ist ihm also bekannt. Der Bundesnachrichtendienst profitiert einerseits von seinen Vorerfahrungen, andererseits aber auch von seiner Fähigkeit, Informationen mit Blick auf ihre militärische Tragweite einordnen zu können.

Informationen einordnen, Entscheidungen fällen 

„Soldaten tun sich nicht besonders schwer mit Lagebeurteilungen und dem Fällen von Entscheidungen“, hält Major R. fest. Die Informationssplitter einzuordnen und zu einem Lagebild zu verdichten, sei der eine Teil seiner Aufgabe. Einen Handlungsbedarf zu erkennen und die entsprechenden Maßnahmen zeitnah in die Wege zu leiten, der andere.

So konnte im September 2021 ein Anschlag auf die Synagoge in Hagen verhindert werden, nachdem verschiedene Hinweise im BNDBundesnachrichtendienst-Lagezentrum eingegangen waren. Nur weil die Sicherheitsbehörden sofort verständigt wurden, konnte Schlimmeres verhindert werden.

Der Fall hatte damals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. „Die Sicherheitsbehörden, aber auch das Auswärtige Amt, das Bundeskanzleramt und der Verfassungsschutz müssen gewappnet sein, dass zu jeder Tages- und Nachtzeit etwas passieren kann“, betont Major R. Auch deshalb steht das Lagezentrum des Bundesnachrichtendienstes in permanentem Austausch mit allen Behörden, für die sicherheitsrelevante Informationen wichtig sein könnten.

Kurzer Draht ins Ministerium

Im Fall der Bundeswehr gebe es einen kurzen Draht sowohl zum Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee als auch zum Leitungsstab des Verteidigungsministeriums, berichtet er. Man helfe sich gegenseitig, um Informationen zu bewerten und Sachlagen einzuschätzen.

„Als Soldat habe ich natürlich eine besondere Nähe zu den Streitkräften“, sagt der Major. Er sehe es als einen Teil seiner Aufgabe, insbesondere die Kameradinnen und Kameraden in den Einsatzgebieten zu schützen. „Denn das sind die, die im Ausland der größten Bedrohung ausgesetzt sind.“

*Name zum Schutz des Soldaten geändert.

von Janet Watson

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