Überblick: Wie der MAD gegen Extremisten vorgeht

Überblick: Wie der MAD gegen Extremisten vorgeht

  • Menschen
  • Militärischer Abschirmdienst
Datum:
Lesedauer:
5 MIN

Extremismus hat in der Bundeswehr mit ihren 250.000 Angehörigen keinen Platz. Extremisten ausfindig zu machen, ist eine Aufgabe des Militärischen Abschirmdienstes (MADMilitärischer Abschirmdienst). Doch wie arbeitet der Nachrichtendienst der Streitkräfte eigentlich?

Der MADMilitärischer Abschirmdienst nimmt in den Bereichen des politischen Extremismus und Terrorismus die Verfassungsschutzaufgaben der Bundeswehr wahr. Eine der Aufgaben des MADMilitärischer Abschirmdienst ist es, Extremisten in der Bundeswehr frühzeitig zu identifizieren, diese Personen zu beobachten und deren Bestrebungen gegen die Bundeswehr zu unterbinden.

Zusammen mit den zuständigen personalbearbeitenden Stellen soll deren Dienst in den Streitkräften beschränkt und gegebenenfalls beendet werden.

Wann ist der MADMilitärischer Abschirmdienst zuständig?

Schild für das Amt für den Militärischen Abschirmdienst

Das Schild für das Amt für den Militärischen Abschirmdienst (MADMilitärischer Abschirmdienst) in Köln.

Federico Gambarini/dpa

Der MADMilitärischer Abschirmdienst arbeitet auf Grundlage des MADMilitärischer Abschirmdienst-Gesetzes, welches an das Bundesverfassungsschutzgesetz angelehnt ist und rechtliche „Schwellen“ definiert, wann eine Person als Extremist einzustufen ist und wann nicht. Bei Vorliegen von tatsächlichen Anhaltspunkten sammelt der MADMilitärischer Abschirmdienst Informationen zu Bundeswehrangehörigen und wertet sie aus, wenn von diesen Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung ausgehen, und wenn diese sich gegen Personen, Dienststellen oder Einrichtungen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung richten.

Der MADMilitärischer Abschirmdienst wird nicht ohne Anlass tätig – ohne Vorliegen von tatsächlichen Anhaltspunkten werden keine Informationen gesammelt. Weder scannt der MADMilitärischer Abschirmdienst wahllos soziale Netzwerke nach Hinweisen auf extremistische Äußerungen, noch setzt er ohne Anlass Informanten in Kasernen der Bundeswehr ein.

Von wem erhält der MADMilitärischer Abschirmdienst Hinweise?

Der MADMilitärischer Abschirmdienst erhält Hinweise von vielen Seiten. Einen besonderen Stellenwert haben dabei die Meldungen aus der Truppe. Durch die tägliche Nähe im Dienstbetrieb sind es oftmals Vorgesetzte, Kameraden und Kolleginnen sowie Kollegen, die zum Beispiel Verhaltensänderungen zuerst feststellen. Die Sensibilität in der Truppe für solche Fälle ist in den vergangenen Jahren angestiegen.

Niemand wird als Extremist geboren. Erfahrungen des MADMilitärischer Abschirmdienst und anderen Sicherheitsbehörden zeigen, dass sich Extremismus in einem Prozess entwickelt. Der MADMilitärischer Abschirmdienst hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch gezielte Präventionsarbeit noch mehr als bisher dabei zu helfen, die Anfänge dieser Prozesse besser zu erkennen.

Ein Radikalisierungsprozess kann durch Einflüsse von Freunden und Bekannten, zum Beispiel am weit entfernten Wohnort, gefördert werden. Eine Radikalisierung kann aber auch über das Internet erfolgen.

Nicht immer zeigen sich die Auswirkungen im dienstlichen Umfeld. Vorgesetzte, Kameraden oder Kolleginnen und Kollegen können sie dann auch nicht melden. Nicht selten erhält der MADMilitärischer Abschirmdienst aber Hinweise von anderen Sicherheitsorganen, wie Verfassungsschutzbehörden oder Polizeidienststellen.

Hinzu kommen Erkenntnisse aus dem Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ), in dem Informationen zwischen den Sicherheitsbehörden ausgetauscht werden, und in dem auch der MADMilitärischer Abschirmdienst mitarbeitet. Darüber hinaus erhält der MADMilitärischer Abschirmdienst aber auch Hinweise durch eigene Ermittlungen, Befragungen von Verdachtspersonen und nicht zuletzt von aufmerksamen Bürgern.

Was genau sind tatsächliche Anhaltspunkte?

Nahaufnahme von männlichen Händen, die eine Computer-Maus und eine Laptop-Tastatur bedienen

Unterwegs im Netz: Doch nur im Verdachtsfall geht der MADMilitärischer Abschirmdienst gegen Extremisten vor und ermittelt entsprechend, das World Wide Web wird nicht pauschal abgescannt.

Bundeswehr/Franka Bruns

Im Bereich Rechtsextremismus beispielsweise gibt es häufig Hinweise, die auf Einzeltäter oder auch auf Angehörige einer rechtsextremistischen Szene hindeuten.

Zu den tatsächlichen Anhaltspunkten zählen zum Beispiel extremistische oder fremdenfeindliche Äußerungen – häufig in sozialen Medien –, die Teilnahme an rechtsextremistischen Veranstaltungen, das Hören rechtsextremistischer Musik, das Verbreiten von Propagandamitteln oder das Verwenden von Kennzeichen rechtsextremistischer Organisationen.

Extremismus gibt es in vielen Abstufungen. Bei Zweifeln stehen die Mitarbeiter des MADMilitärischer Abschirmdienst als Ratgeber und Dienstleister zur Verfügung.

Was macht der MADMilitärischer Abschirmdienst, wenn tatsächliche Anhaltspunkte vorliegen?

In diesem Fall nimmt der MADMilitärischer Abschirmdienst die Bearbeitung des Verdachtsfalles auf. Die Schwelle hierzu ist bewusst niedrig gehalten. Schon fremdenfeindliche Äußerungen, szenentypische Kleidung oder auffällige Facebook-„Freunde“ können einen Anfangsverdacht begründen. Der MADMilitärischer Abschirmdienst geht konsequent jedem – auch geringfügig erscheinenden – Hinweis auf extremistische Bestrebungen nach. Die Ermittlungen dienen der Aufklärung des Sachverhalts und sind keine Vorverurteilung. Grundsätzlich geht der MADMilitärischer Abschirmdienst aber jedem extremistischen Verdachtsfall nach. Seit 2007 gab es rund 5.000 Ermittlungen allein im Bereich des Rechtsextremismus.

Ausgehend von den verdachtsbegründenden Informationen wird entschieden, mit welchen Mitteln – offen und gegebenenfalls auch nachrichtendienstlichen – die Ermittlungen geführt werden. Dabei gilt stets der rechtstaatliche Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Ziel ist die Erstellung eines umfassenden Bildes der betroffenen Person im Hinblick auf die Thematik Extremismus. Für eine Einstufung als Extremist sind am Ende erhebliche Voraussetzungen zu erfüllen, die auch einer gerichtlichen Überprüfung standhalten müssen.

In der überwiegenden Mehrzahl der bisherigen Fälle war der Anfangsverdacht am Ende der Bearbeitung nicht mehr begründet. Aber auch ein solches Ereignis schafft Verhaltenssicherheit für alle Beteiligten und schütz den in Verdacht getretenen Bundeswehrangehörigen gegen mögliche weitere Vorwürfe.

Zur besseren Übersicht führt der MADMilitärischer Abschirmdienst seine Ermittlungsergebnisse in einem Ampelsystem zusammen.

  • Rot: Erkannter Extremist – Entlassung vorgesehen
  • Orange: Verdachtsperson, zu der einschlägige Erkenntnisse vorliegen, unterhalb der Schwelle zum Extremisten. Vorhaltbare Erkenntnisse ermöglichen eine disziplinare Würdigung und Personalmaßnahmen bis hin zur Entlassung.
  • Grün: Verdacht nicht mehr begründet.

Was passiert mit einem Extremisten?

Ein Mann sitzt in einem dunklen Raum vor dem Computer

Vorsicht geboten: „Falschen Freunde“ im Netz tragen zur Radikalisierung bei.

Bundeswehr/Jane Hannemann

Kommt der MADMilitärischer Abschirmdienst am Ende einer Verdachtsfallbearbeitung zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Person tatsächlich um einen Extremisten handelt, unterrichtet er die zuständige personalbearbeitende Stelle über alle vorhaltbaren Erkenntnisse, um damit die Prüfung personalrechtlicher Maßnahmen – zum Beispiel einer vorzeitige Entlassung – zu ermöglichen.

In manchen Fällen reicht die Erkenntnislage nicht aus, um eine Person als Extremist einzustufen. Gleichwohl wurden aber einschlägige Erkenntnisse ermittelt. Diese werden der zuständigen personalbearbeitenden Stelle ebenfalls mitgeteilt und können zur Prüfung von disziplinaren Maßnahmen herangezogen werden.

Beispiel: Ein Verdachtsfall und sein Ergebnis

Dem MADMilitärischer Abschirmdienst wird durch Meldung bekannt, dass in einer Einheit eine WhatsApp-Gruppe zum Austausch dienstlicher Informationen besteht. In dieser Gruppe werden aber auch rechtsextremistische Inhalte mit überwiegend „schwarzem Humor“ verbreitet.

Der MADMilitärischer Abschirmdienst nimmt zu den beteiligten Soldaten die operative Verdachtsfallbearbeitung auf. Dazu wertet der MADMilitärischer Abschirmdienst im Rahmen der Amtshilfe die durch den Disziplinarvorgesetzten sichergestellten Datenträger aus und überstellt diesem später einen Bericht der forensischen Untersuchung und eine Bewertung der Inhalte.

Ein Soldat wird durch den MADMilitärischer Abschirmdienst als „Verdachtsperson mit Erkenntnissen“ eingestuft und vom Truppendienstgericht mit einem Beförderungsverbot und einer Gehaltskürzung belegt. Bei neun Soldaten erhärtet sich der Verdacht einer extremistischen Einstellung nicht. Zwei Soldaten werden wegen fehlenden Einschreitens als Vorgesetzte durch das Truppendienstgericht mit Beförderungsverboten und Gehaltskürzungen belegt. Gegen zwei weitere Soldaten werden aus gleichem Grund Disziplinarbußen verhängt.

Wie ist der MADMilitärischer Abschirmdienst aufgebaut?

Das Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst (BAMADBundesamt für den Militärischen Abschirmdienst) hat seinen Sitz in Köln. Ihm nachgeordnet sind acht MADMilitärischer Abschirmdienst-Stellen in ganz Deutschland. Der MADMilitärischer Abschirmdienst untersteht direkt dem Verteidigungsministerium. An der Spitze des MADMilitärischer Abschirmdienst stehen ein ziviler Präsident und ein militärischer Vizepräsident.

von  Redaktion der Bundeswehr