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Familienangehörige von Einsatzsoldaten: Zuhause, aber nicht allein gelassen

Familienangehörige von Einsatzsoldaten: Zuhause, aber nicht allein gelassen

  • Podcast
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

„Hier arbeiten Menschen mit Menschen für Menschen“, beschreibt Oberstabsfeldwebel Jan N. seine Arbeit. Er leitet ein Familienbetreuungszentrum. Er und seine Mitarbeitenden sorgen dafür, dass Angehörige von Soldatinnen und Soldaten im Einsatz nicht allein sind. Wie sie das machen, beschreibt N. im aktuellen Podcast.

Zu Besuch im Familienbetreuungszentrum: Hier kümmern sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen um die Angehörigen von Einsatzsoldaten. Welche Tipps sie den Familien mit auf den Weg geben, hören Sie in der neuesten Funkkreisfolge.
Audio-Transkription

Die Soldatinnen und Soldaten stehen gemeinsam mit ihren Familien in der Abflughalle. Kinder drücken sich verlegen an die Beine ihrer Väter, die schon in einer Wüstenuniform stecken. In einigen Gesichtern schimmern Tränen, man umarmt sich fest und so lange es geht. „Pass auf dich auf“, ist ein Satz, den man am Abflugtag sehr häufig hört. Und dann kommt der unausweichliche Moment: Es geht los. Die Soldatinnen und Soldaten steigen in den Flieger – und in der Flughafenhalle bleiben nur die Angehörigen zurück. Die Truppe ist auf diesen Moment monatelang vorbereitet worden. Für Angehörige daheim aber gibt es keine Einsatzvorausbildung. Dabei ist jeder Einsatz auch für sie eine Herausforderung. Ihnen zur Seite stehen deshalb die Familienbetreuungszentren und -stellen der Bundeswehr. Deren Aufgaben beschreibt Oberstabsfeldwebel Jan N. so: „Wir kümmern uns im Schwerpunkt um die Angehörigen von Einsatzsoldatinnen und Soldaten vor, während und nach dem Einsatz“.

Betreuung vor, während und nach dem Einsatz

Familienbetreuungszentren oder -stellen gibt es überall in Deutschland. Sie arbeiten 24 Stunden am Tag an sieben Tagen die Woche dafür, dass Angehörige von Einsatzsoldatinnen und Einsatzsoldaten die lange Zeit der Trennung überstehen. Oft helfen dabei schon eine Tasse Kaffee, ein offenes Ohr und das Gefühl, verstanden zu werden. Manchmal reicht das nicht. Dann bewährt sich das Netzwerk der Familienbetreuungsorganisation. Jan N. erklärt im Podcast, was sich dahinter verbirgt und wen er mit ins Boot holen kann, um den Angehörigen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen.

Wichtig sind auch die Veranstaltungen der Familienbetreuung. Denn alle Teilnehmenden haben eines gemeinsam: Sie vermissen gerade jemanden, der für sie in erster Linie Mutter, Vater, Schwester, Bruder, Tochter oder auch Sohn ist – und nicht Soldat oder Soldatin. Und sie merken: Die Probleme sind oft ähnlich und die Erfahrungen sind es auch.

Einsatzerfahrung essenziell

Oft waren die Mitarbeitenden der Familienbetreuungszentren auch selbst im Einsatz. Das hilft ihnen jetzt: Wer erlebt hat, wie es ist, monatelang durch eine Trennungsphase mit Kindern und Familie zu gehen, der versteht auch, durch welche Schwierigkeiten die jetzigen Angehörigen gehen.

Wer selbst im Einsatz war, versteht auch, welche Sorgen sich die Angehörigen in der Heimat machen. Beispielsweise, wenn sie „ihren“ Soldaten oder „ihre“ Soldatin nicht erreichen, obwohl sie zum Telefonieren verabredet waren.  Gab es einen Anschlag? Wurde das Lager angegriffen? Gab es bei irgendwelchen Gefechten Tote oder Verwundete? Die Mitarbeitenden der Familienbetreuung wissen, wen sie in solchen Fällen anrufen können und finden es heraus. Meist ist alles ganz harmlos.

Schnelle Reaktion

Und wenn nicht? Was geschieht, wenn die Bundeswehr Verwundete oder Tote zu beklagen hat? Dann zählt jede Sekunde. Dann muss das Familienbetreuungszentrum die Angehörigen ausfindig zu machen, die von den Soldaten als Notfallkontakt eingetragen wurden. Zeitgleich werden Truppenpsychologie, Militärpfarrer und auch die Kommandeure der betreffenden Einheiten informiert. Damit die schreckliche Nachricht schnell, aber auch so behutsam und begleitet wie möglich überbracht werden kann.

Die Mitarbeitenden der Familienbetreuung sind also Ansprechpartner, offenes Ohr und Organisatoren. „Menschen, die mit Menschen für Menschen arbeiten“, wie Oberstabsfeldwebel Jan N. es beschreibt. Er ist einer von ihnen.

von Janet Watson