FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Reserve der Bundeswehr

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Reserve der Bundeswehr

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Ohne Reserve könnte die Bundeswehr ihre Aufgaben nicht erfüllen. Doch wer wird Reservist? Und welche Aufgaben haben Soldatinnen und Soldaten der Reserve? Hier finden häufig gestellte Fragen zum Thema Reserve der Bundeswehr ihre Beantwortung.

Wer ist Reservist?

Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst erhalten alle Soldatinnen und Soldaten von Rechts wegen den Status des Reservisten. Ihr Dienstgrad wird dann um das Kürzel „d.R.“ (= der Reserve) ergänzt, aus dem Hauptfeldwebel wird beispielsweise der „Hauptfeldwebel d.R.“. Ausscheidende Berufssoldaten haben das Recht, das Kürzel „a.D.“ (=außer Dienst) zu führen.

Bundeswehrsoldaten mit Gewehr G36 im Anschlag auf dem Truppenübungsplatz

Beispiel Schießausbildung: Soldaten einer RSU-Kompanie halten sich in Übung.

Bundeswehr/Carsten Vennemann

Auch Zivilisten können Reservist werden. Hierzu müssen sie eine entsprechende Laufbahnausbildung der Reserve durchlaufen. Diese wird auch als Blockausbildung über mehrere Wochenenden angeboten. Mit Hochschulabschluss ist auch ein Seiteneinstieg mit höherem Dienstgrad möglich. Um Reservist zu werden, muss man deutscher Staatsbürger sein und sich einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen.

Wie groß ist die Reserve?

Der strukturelle Bedarf der Streitkräfte an Reservisten liegt bei rund 60.000. Derzeit machen etwa 28.000 regelmäßige Übungen. Im Bundeshaushalt sind die erforderlichen Mittel zur Durchführung von Reservedienstleistungen eingestellt. Für das Jahr 2018 konnten durchschnittlich 4.000 Reservisten pro Tag über das gesamte Jahr Dienst leisten. Diese Zahl soll bis 2020 auf 4.500 steigen.

Jedes Jahr scheiden rund 15.000 gut ausgebildete Soldaten aus dem aktiven Dienst aus. Die Bundeswehr versucht, sie durch Angebote für den (freiwilligen) Reservedienst zu gewinnen.

Welche Aufgaben haben Reservisten?

Reservisten ergänzen und verstärken die aktiven Soldaten im In- und Ausland. Sie bringen aus ihrem zivilen Leben viele spezielle Kenntnisse ein und sind im Spannungs- und Verteidigungsfall schnell verfügbar. Das Aufgabenspektrum reicht von der Dienstpostenvertretung im Grundbetrieb bis zur Verwendung in Auslandseinsätzen.

Bei Naturkatastrophen oder bei besonders schweren Unglücksfällen leisten Reservisten Amtshilfe im Inneren und unterstützen die zivilen Hilfsorganisationen. Darüber hinaus sind sie Mittler zwischen Bundeswehr und Gesellschaft und zugleich auch Botschafter für die Belange der Streitkräfte.

Wie werden Reservisten eingesetzt?

Während einer Reservedienstleistung werden sie zu aktiven Soldaten mit allen Rechten und Pflichten. Ihr Einsatz kann von einem Tag bis zu zehn Monaten im Kalenderjahr dauern.

Eine Grafik erklärt die Aufgaben der Reserve der Bundeswehr.

Überblick: So ist die Reserve der Bundeswehr aufgebaut.

Bundeswehr

Wo werden Reservisten eingesetzt?

Es gibt drei Kategorien der Reserve der Bundeswehr.

  • Die Truppenreserve fest vorgesehene („beorderte“) Dienstposten in der gesamten Bundeswehr. Im Wesentlichen handelt es sich um Ergänzungskräfte oder Verstärkungsdienstposten, die die aktiven Soldaten im Spannungs- und Verteidigungsfall unterstützen.
  • Die Territoriale Reserve gehört zur Streitkräftebasis. Sie entlastet und verstärkt mit ihren RSU-Kräften (RSU = Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte) die aktive Truppe beim Heimatschutz im Inland. Dazu zählen auch die territorialen Verbindungsorganisationen, die aus Reservisten aus der Region bestehen, die zum Beispiel bei Waldbränden oder Schneekatastrophen zum Einsatz kommen.
  • Die Allgemeine Reserve ergänzt die aktiven Soldaten und umfasst die Gesamtheit aller Reservisten, für die kein fester Dienstposten vorgesehen ist. Sie dient als Personalpool und langfristiges Aufwuchspotenzial der Streitkräfte im Spannungs- und Verteidigungsfall.

Wie werden Reservisten beordert?

Beorderung bedeutet, der Reservist ist einem bestimmten Dienstposten zugeordnet, auf dem er grundsätzlich auch seinen Reservedienst leistet. Die Bundeswehr unterscheidet hierbei zwischen einer Beorderung in der Verstärkungsreserve oder in der Personalreserve.

Die Verstärkungsreserve umfasst die Ergänzungskräfte und Dienstposten in der aktiven Truppe, die für den Aufwuchs im Spannungs- und Verteidigungsfall benötigt werden.

Die Personalreserve umfasst die häufig auch als „Spiegeldienstposten“ bezeichneten Beorderungsmöglichkeiten, also Dienstposten für aktive Soldaten, die zusätzlich mit einem oder mehreren Reservisten besetzt werden können, um zum Beispiel temporäre Vakanzen auf Dienstposten zu kompensieren. Dies kann beispielsweise gesehen, wenn ein Oberstleutnant d.R. als „Spiegel“ die Arbeit eines Kommandeurs im Heimatstandort übernimmt, wenn dieser in einen Auslandseinsatz geht.

Wie werden Reservisten entlohnt und freigestellt?

Der Reservistendienst außerhalb des Spannungs- und Verteidigungsfalles ist grundsätzlich freiwillig. Die Bundeswehr übernimmt für diese Zeit die Sicherung des Einkommens. Selbständige erhalten eine Entschädigung für entgehende Einkünfte von maximal 430 Euro am Tag. Für Geringverdiener oder Studenten gibt es ihrem Dienstgrad gemäß Mindestleistungen. Reservisten dürfen wegen einer Dienstleistung nicht gekündigt werden.

Der Arbeitgeber muss zustimmen. Die Bundeswehr betreibt deshalb Kooperationen mit der Wirtschaft, um die Freistellungsbereitschaft der Arbeitgeber zu erhöhen. Besonders engagierte Arbeitgeber zeichnet sie jährlich mit dem Preis „Partner der Reserve“ aus.

Ein Bundeswehrsoldat am Laptop

Sie ergänzen und verstärken die aktiven Soldatinnen und Soldaten und bringen zudem spezielle Fähigkeiten aus ihrem zivilen Leben mit: die Reservistinnen und Reservisten der Bundeswehr.

Bundeswehr/Martina Pump

Wer ist für die Reserve zuständig?

Die Zuständigkeit für die Reserve liegt beim Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, der zugleich Beauftragter für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr ist und dabei vom Abteilungsleiter des Führungsstabes der Streitkräfte (FüSK) unterstützt wird.

Das Referat FüSK III 4 im BMVgBundesministerium der Verteidigung ist für Grundsatzfragen zuständig. Das Kompetenzzentrum für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr im Streitkräfteamt in Bonn arbeitet dem Ministerium zu und ist die zentralen Kontakt- und Ansprechstelle nach außen.

Auskünfte zur Reserve kann man auch in den Karrierecentern, in den Landeskommandos oder in der Personalabteilung des jeweiligen Truppenteils in den Bundeswehr-Standorten erhalten.

Wie ist die Reserve organisiert?

Für die Territoriale Reserve der Streitkräftebasis gibt es spezielle Verfahren, um ihren schnellen und flexiblen Einsatz zu ermöglichen. Sie umfasst Kreisverbindungskommandos (KVKKreisverbindungskommando), Bezirksverbindungskommandos (BVKBezirksverbindungskommando) und Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSU). Die Kräfte der Territorialen Reserve gehören Landeskommandos, die wiederum unter dem Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr zusammengefasst sind.

Den Ergänzungskräften der Truppenreserve sind Partnerverbände der aktiven Soldaten zugeordnet, die sie bei Ausbildung und Übungen unterstützen.

Die Bundeswehr arbeitet eng mit dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBwVerband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V.) zusammen, der sie nach ihren Vorgaben sowohl bei der Betreuung der Reservisten, als auch bei der Ausbildung sowie in der Öffentlichkeitsarbeit und Mittlerfunktion in die Gesellschaft unterstützt. Der VdRBwVerband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. weist zahlreiche Untergliederungen im gesamten Bundesgebiet auf. Als Partner außerhalb der Bundeswehr erhält der Reservistenverband für seine Unterstützung Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt.

von Florian Stöhr