Tipps für Eltern vor dem Einsatz

Tipps für Eltern vor dem Einsatz

  • Betreuung und Fürsorge
  • Bundeswehr
Datum:
Lesedauer:
3 MIN

Kinder und Jugendliche haben besonders feine Antennen, wenn es um Veränderungen in der Familie geht. Sie sollten behutsam auf den Einsatz eines Elternteils und die Zeit ohne Mama oder Papa vorbereitet werden. Doch wie macht man das am besten? Hier einige Tipps und Erfahrungen.

Gespräche

Das Kind sollte frühzeitig erfahren, dass man für eine Weile nicht zu Hause sein wird. Noch wichtiger aber ist, dem Kind zu erklären, dass man wiederkommst und die Familie zusammenbleibt. Der Nachwuchs wird viele Fragen haben. Man sollte alles, soweit möglich, beantworten, offen und ehrlich – Kinder spüren, wenn sie angelogen werden und könnten bei dem nächsten Einsatz das Vertrauen entziehen. Was genau und wie viel man dem Kind erzählt, hängt vom Alter und der Reife des Kindes ab – das kann man am besten selbst einschätzen.

Soldatin und ihr Sohn schauen sich die Broschüre „Karl, der Bärenreporter im Einsatz“ an

„Karl, der Bärenreporter im Einsatz“ ist ein Buch für Kinder von Soldatinnen und Soldaten, die in den Einsatz gehen. Es hilft Unsicherheiten und Ängste abzubauen.

Bundeswehr/David Hecker

Vollmachten

Muss das Kind während des Einsatzes operiert werden, oder gilt es, behördliche Angelegenheiten wie die Annahme eines Kitaplatzes zu regeln, tut sich der daheimgebliebene Elternteil mit einer Vollmacht leichter. Diese muss nur für die Dauer des Einsatzes ausgestellt sein. Auch für alltägliche Dinge, wie die Annahme von Paketen, das Einreichen der Steuererklärung oder bei Bankgeschäften, wird der Partner, oder wer auch immer die Privatangelegenheiten in der Zeit regelt, eine Vollmacht brauchen. Man sollte sich vorher erkundigen, für welche Fälle welche Vollmacht nötig ist.

Visualisierung

Dem Kind kann es helfen zu verstehen, was man im Einsatz eigentlich macht, wenn man im Vorfeld gemeinsam Bilder von dem Einsatzland anschaut. Landschaftsaufnahmen oder Bilder aus dem Camp reichen da oft schon. Jüngeren Kindern kann auch die Broschüre „Karl, der Bärenreporter“ helfen.

Begleitangebot

Nur, wenn die Betreuung explizit gewünscht ist (im Personalbogen Einsatz PBE in der Spalte „Angehörige“ das Feld „Betreuung erwünscht“ ankreuzen), kann sich während der Einsatzzeit das nächste Familienbetreuungszentrum mit Veranstaltungseinladungen und Gesprächsangeboten an die Familie wenden.

Soldatin betrachtet mit ihrem Kind einen Globus

Frühzeitige Gespräche und Informationen rund um das Einsatzland helfen dem Kind, die Zeit der Abwesenheit des Elternteils besser zu verstehen.

Bundeswehr/David Hecker

Kinderbetreuung

Es ist ratsam, Paten, Großeltern oder gute Freunde, die während der Einsatzzeit stärker präsent sind als sonst, frühzeitig intensiv in die Kinderbetreuung mit einzubeziehen. Auch Schulen, Kitas und die Eltern der besten Freunde sollte man wissen lassen, dass ein wichtiger Stabilisierungsfaktor der Kinder für eine gewisse Zeit fehlt. Den daheimgebliebenen Partner kann unterstützt werden, indem vorher eine Notfallbetreuung organisiert wird. Sie kann unterstützen und entlasten, wenn es daheim mal eng wird.

Überraschung

Um dem Kind über die schlimmsten Zeiten hinwegzuhelfen, kann vor der Abreise eine kleine Kiste zusammengestellt werden, aus der es sich ein kleines Geschenk nehmen darf, wenn es besonders traurig ist. Oder man versteckt vorher kleine Geschenke in der Wohnung und schickt dem Kind vom Einsatzort aus Hinweise, wo es danach suchen muss.

Einbeziehen

Das Kind sollte man an den Vorbereitungen teilhaben lassen. So bekommt es die Möglichkeit, sich in angemessenen Tempo zu verabschieden. Jüngeren Kindern kann es zum Beispiel helfen, wenn man gemeinsam eine Zeitleiste bastelt von der das Kind in der Zeit der Abwesenheit jeden Tag ein Stück abschneiden kann. Oder man füllt gemeinsam eine Dose mit Bonbons – aus der jeden Tag genascht werden darf bis man wieder da ist. Man kann auch gemeinsam einen Glücksbringer basteln, der in den Einsatz mitgenommen wird. Bilder von der eigenen Person mit dem Glücksbringer aus dem Einsatz bilden eine nachvollziehbare Verbindung, gerade für kleinere Kinder.

Präsenz

Fotos von sich in der Wohnung, zum Beispiel ein laminiertes Bild auf dem Platz am Esstisch, helfen vor allem jüngeren Kindern, die Abwesenheit nicht ganz so schmerzhaft zu spüren. Den Älteren dürften vor allem regelmäßige Skype-Telefonate helfen. Wenn man das Skypen schon vor dem Einsatz zum Familienritual macht, rettet man ein wenig Normalität in den Einsatzalltag hinüber. Briefe sind beliebt, weil man sie persönlich gestalten kann und etwas zum Anfassen hat.

von Angelika Finkenwirth und Sebastian Blum