Gemeinsam gegen Piraterie: Der EU-Einsatz Atalanta vor Somalia

Gemeinsam gegen Piraterie: Der EU-Einsatz Atalanta vor Somalia

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Vor nahezu genau zehn Jahren, am 19. Dezember 2008, stimmte der Deutsche Bundestag erstmals einer Beteiligung der Bundeswehr an der EUEuropäische Union-Operation Atalanta am Horn von Afrika zu. Seitdem wirkt Deutschland ununterbrochen an dem Marine-Einsatz vor der Küste Somalias mit.

Aktuell steuert die Bundeswehr einen Seefernaufklärer des Typs Orion bei. In der Vergangenheit waren auch deutsche Schiffe im Einsatz - beispielsweise Fregatten, Versorgungsschiffe und Betriebsstofftanker.

In Dschibuti befindet sich seit dem Beginn der Mission eine Verbindungs- und Unterstützungsgruppe für deutsche Einheiten, die logistische und administrative Aufgaben erfüllt. Häufig sind deutsche Soldaten auch auf dem Führungsschiff des internationalen Marineverbandes eingesetzt.

Fregatte und Speedboot auf See

Ein starkes Team: Fregatte und Speedboot im Atalanta-Einsatz

Bundeswehr / Jenny Bartsch

Ein gescheiterter Staat

Somalia zählt zu den gefährlichsten Krisengebieten weltweit. Durch anhaltenden Bürgerkrieg, Korruption und Kriminalität, gepaart mit Armut, Hungerkrisen und schwacher Wirtschaftsentwicklung, gilt das ostafrikanische Land als „gescheiterter Staat“ (failed state).

Von den rund zwölf Millionen Einwohnern sind zweieinhalb Millionen dauerhaft auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Hilfe braucht Begleitschutz

Auf dem Seeweg erreicht ein Großteil der Hilfsgüter die betroffene Region. Deshalb hat Atalanta unter anderem den Auftrag, die Transporte des Welternährungsprogramms (World Food Programm, WFP), die zu 90 Prozent auf dem Meer erfolgen, auf ihrem Weg durch das Seegebiet vor Somalia zu schützen.

Seit 2008 hat die Mission 445 Schiffe des WFP eskortiert. In dieser Zeit wurde kein eskortiertes Schiff Ziel eines Piratenangriffs. Rund 1,8 Millionen Tonnen Lebensmittel konnten so ihre Zielhäfen im Land erreichen.

Ein riesiges Einsatzgebiet

Ein weiterer wichtiger Auftrag von Atalanta ist es, Seeleute und Handelsschiffe am Horn von Afrika zu schützen und Piraterie vor der Küste Somalias zu verhindern. Denn dort verläuft die größte Handelsroute zwischen Europa, der arabischen Halbinsel und Asien, die in der Vergangenheit massiv unter der Piraterie von somalischen Boden aus beeinträchtigt wurde.

Das Einsatzgebiet der Operation Atalanta umfasst rund 3,7 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht ungefähr der anderthalbfachen Fläche Europas.

Piraten sehen kein Land mehr

Ihr Erfolg gibt der Mission recht.  Zwar stieg zu ihrem Beginn die Zahl der Piratenangriffe auf Schiffe von 24 im Jahr 2008 auf 176 im Jahr 2011. Ab 2012 sanken die Zahlen jedoch kontinuierlich von 34 (2012) auf zwei in diesem Jahr. Der letzte Angriff auf einen Frachter wurde im Oktober abgewehrt. Das beim Angriff genutzte Boot der Piraten wurde von einem spanischen Schiff der Atalanta-Mission zerstört.

Zurzeit befindet sich zudem kein Schiff in der Gewalt von Piraten. Im Laufe der letzten zehn Jahre wurden zudem 136 Piratenboote von Atalanta-Kräften zerstört und 166 mutmaßliche Piraten den Strafverfolgungsbehörden übergeben.

Soldaten beim Boarding eines Schiffes

Kontrolle ist besser: Soldaten durchsuchen ein verdächtiges Schiff.

Bundeswehr/Sascha Jonack

Mit Billigung der Vereinten Nationen

Die deutsche Beteiligung an Atalanta ist vom Deutschen Bundestag zuletzt im April 2018 für ein weiteres Jahr verlängert wurden. Bis zu 600 Soldaten können laut Mandat von der Bundeswehr eingesetzt werden.

Grundlage der Mission ist die Resolution 1816 des UNUnited Nations-Sicherheitsrates vom Juni 2008, die den Schiffsverkehr vor Somalia schützen soll. Anfang November 2008 beschloss daraufhin die Europäische Union Atalanta als ersten maritimen Einsatzverband der EUEuropäische Union. Sein offizieller Name lautet “European Union Naval Force Somalia Atalanta. Seine Namenspatronin ist eine Figur aus der griechischen Mythologie: Eine junge, amzonenhafte und stets bewaffnete Jägerin.

von Redaktion der Bundeswehr