Als Festangestellte in der Truppenküche – trotz Behinderung

Als Festangestellte in der Truppenküche – trotz Behinderung

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Geübt wird nur auf dem Platz. In der Truppenküche Ostenholz herrscht dagegen täglich der Ernstfall. Hier müssen die 400 bis 600 Soldaten versorgt werden, die auf dem Truppenübungsplatz Bergen regelmäßig ihr Können testen. Angelika van IJzendoorn ist Festangestellte in dieser Truppenküche. Trotz ihrer Behinderung meistert sie ihren Arbeitsalltag mit Bravur.

Es wird geschnippelt, geschält und angerichtet, was das Zeug hält – und manchmal kann es ganz schön hektisch zugehen. „Aber ich mache die Arbeit wirklich gern“, sagt die 56-Jährige. Besonders dann, wenn einige der jungen Soldaten ihrem Team als Unterstützung zugeteilt werden. „Mit denen komme ich super klar. Die sind alle unheimlich lieb und hilfsbereit.“

Frau mit einer Haube auf dem Kopf in der Truppenküche

Angelika van Ijzendoorn arbeitet in einer Truppenküche. Stress ist die 56-Jährige gewohnt.

Bundeswehr/Andreas Schindler

Diagnose: Tumor im Wirbelkanal

Dass sie überhaupt noch mal eine anständig bezahlte Festanstellung bekommt, hatte Angelika van IJzendoorn kaum noch zu hoffen gewagt. Wegen eines Tumors im Wirbelkanal musste sie vor vier Jahren operiert werden und ist seitdem mit einem Grad von 30 behindert. Ihren Job bei einer Reinigungsfirma verlor sie anschließend.

Mut fasste sie erst wieder, als sie in einer Stellenanzeige der Bundeswehr las, dass Behinderte bei gleicher Eignung bevorzugt würden. Nach mehreren Anläufen fand sie ihre derzeitige Stelle als Küchenhilfskraft.

Neustart bei der Bundeswehr

„Dass man mit Anfang 50 und einer Behinderung noch eingestellt wird, finde ich einfach toll“, sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes. Einige Jahre zuvor bekam auch ihr Mann, 60 Jahre und mit einem Grad von 50 schwerbehindert, einen Job bei der Bundeswehr. „Das hätten wir nie erwartet. Es war wie ein Sechser im Lotto für uns.“

Frau im weißen Kittel und Haube auf dem Kopf arbeitet in einer Großküche

In der Truppenküche bekommt Angelika van Ijzendoorn die Bewegung, die sie braucht, die sie aber nicht überfordert.

Bundeswehr/Andreas Schindler

„Die Chancen wie bei der Bundeswehr hat man sonst nirgendwo“

Gerade für behinderte Menschen, die beruflich nicht am Schreibtisch sitzen, ist es nicht leicht, den richtigen Job zu finden – einen, der sie fordert, aber nicht überfordert und womöglich so die körperliche Einschränkung verschlimmert. „Ich habe das Glück, dass ich in unserer Schwerbehindertenvertretung und unseren Gleichstellungsbeauftragten immer eine Ansprechpartnerin habe“, sagt Angelika van IJzendoorn.

Mit deren Unterstützung und Beratung kann sich die Zivilangestellte durchaus auch vorstellen, beruflich noch einmal neue Wege zu gehen. Denn eigentlich ist Angelika van IJzendoorn gelernte Fachkraft für Lagerwirtschaft. Die Waren sinnvoll zu organisieren, sich um Bestellungen, Ausgang, Eingang und das Einlagern zu kümmern, all das macht ihr großen Spaß – wenn die Arbeit nicht mit zu viel Körpereinsatz verbunden ist.

Die Bundeswehr bietet dafür bei neuen Dienststellen die Möglichkeit, den Arbeitsplatz für ein oder zwei Wochen auszutesten. Denn auch behinderte Menschen sollen sich, wie alle anderen, beruflich verändern können. „Die Chancen wie bei der Bundeswehr hat man sonst nirgendwo.“

von Silke Mertins