Für die schlanke Linie: Fitnesskost in der Bundeswehr

Für die schlanke Linie: Fitnesskost in der Bundeswehr

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Wenn Soldaten, die zumeist am Computer sitzen, das Gleiche essen, wie Soldaten, die den ganzen Tag im Gelände sind, ist das Ergebnis vorhersehbar. Um Übergewicht und Gesundheitsschäden zu vermeiden, bieten die Truppenküchen deshalb auch Fitnesskost an.

Was darf’s denn sein? Hähnchenstreifen in Rucolasoße mit Tomatentagliatelle, gebratene Rosmarin-Gnocchi mit Ratatouille oder Kartoffelpuffer mit Lachs und Kräuterrahm? Hört sich nach der Tagesempfehlung des Chefkochs im Restaurant an, ist aber aus dem Menüplan der Truppenküchen der Bundeswehr.

Zusätzlich zu den drei Mittagsmahlzeiten bieten sie seit einem Jahr die neue kalorienreduzierte Fitnesskost an: ein ausgewogenes Mittagsmenü mit etwa 700 Kilokalorien. Speziell entwickelt für diejenigen, die sich in Beruf und Freizeit wenig bewegen oder ihr Gewicht reduzieren wollen. Darin enthalten sind eine Vorspeise, ein Hauptgericht, ein Dessert, ein Kaltgetränk und eine Kaffeespezialität.

Wir essen zu viel

Einen großen Teil unserer Lebenszeit verbringen wir am Arbeitsplatz, essen häufig zu viele kalorienreiche Lebensmittel und bewegen uns zu wenig. Diese Lebensweise kann unsere Gesundheit beeinflussen. Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Übergewicht nehmen zu.

„Mittlerweile ist jeder zweite Erwachsene in Deutschland übergewichtig und fast jeder Vierte adipös. Das sind alarmierende Zahlen“, sagt Jessica Lübben, Diplom-Ökotrophologin im Verpflegungsamt der Bundeswehr. „Ernährungsmitbedingte Krankheiten können Arbeitsausfälle erhöhen und das frühzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsleben begründen.“

Detailaufnahmen von Lebensmitteln

Ein Gaumenschmaus: Die Fitnesskost der Bundeswehr ist gesund und schmeckt.

Bundeswehr/Jana Neumann

700 Kilokalorien müssen reichen

Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind daher wichtiger denn je. Die neue Fitnesskost ergänzt nun das betriebliche Gesundheitsmanagement in der Bundeswehr um den Bereich Verpflegung. Das neue nährstoffoptimierte Mittagsmenü macht genau ein Drittel der täglich empfohlenen Nährstoffmenge der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V.eingetragener Verein (DGE) von 2.100 Kilokalorien für Personen mit wenig Bewegung aus.

„Wir haben uns mit der energiereduzierten Variante dem bewährten DGE-Qualitätsstandard angeglichen“, so die Expertin. „Ein Büromitarbeiter bei der Bundeswehr vollbringt keine körperlichen Höchstleistungen wie etwa Gebirgsjäger oder Pioniere und benötigt am Tag keine Energiezufuhr von 3.600 Kilokalorien.“

Würzen statt salzen

Zubereitet werden die neuen Speisen mit nährstoffschonenden Gartechniken und weniger Fett. Pflanzliche Lebensmittel stehen gegenüber tierischen Eiweißen im Vordergrund. Die Rezepte sind insgesamt frischer und leichter als bisher: mageres Muskelfleisch, viel Gemüse, Obst und selbstgemachte Quarkspeisen. Salz wird eingespart, dafür werden die Gerichte kreativ mit Gewürzen verfeinert.

Es gibt kaum noch Fertigsoßen in der Fitnesskostlinie, sondern pürierte Gemüsesude. „Überraschend für die Gäste ist die Rinderroulade mit der hellen Gemüsesoße“, erklärt Moritz Macke, Regionalmanager Bereich Leer des Verpflegungsamts. Er leitet fünf Truppenküchen, in denen mittags bis zu 1.700 Personen essen. „Sie erwarten die klassische dunkle Rindersoße, aber nachdem sie die helle Soße probiert haben, freuen sie sich über dieses etwas andere Geschmackserlebnis.“

Soldaten bedienen sich an einem Salatbuffet

Mit Fitnesskost Übergewicht vorbeugen: Wer viel sitzt, benötigt weniger Kalorien.

Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

Hülsenfrüchte sind im Trend

Einige Vollkornprodukte wurden ganz neu ins Sortiment aufgenommen. Auch Hülsenfrüchte, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit zunehmendem Wohlstand durch tierische Eiweiße abgelöst wurden, rücken wieder in den Fokus. Sie liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß, haben einen hohen Ballaststoffgehalt und sind reich an den Vitaminen C, B1, B6 und Folsäure. Schweinesteak mit Bohnenpasta oder Linsen-Currysuppe stehen deshalb neuerdings auf dem Menüplan.

„Unsere Fitnesskost-Highlights sind die Pizzen und der Putendöner mit scharfer Tomatensoße“, so Macke. Etwa die Hälfte der Gäste isst den Putendöner, wenn er auf dem Speiseplan steht. Frittierte oder panierte Produkte, Pommes und Currywurst sind gar nicht zu finden. Die Fitnesskost ist letztlich jedoch nur ein Vorschlag und kein Muss. Jeder entscheidet selbst. Durch die Komponentenverpflegung kann sich der Gast sein Wunschgericht mit den einzelnen Beilagen und Teilkomponenten individuell zusammenstellen: aus allen vier Menülinien.

Fitnesskost auch online verfügbar

Das Verpflegungsamt erstellt den zentralen Plan für alle bundesweit etwa 250 Verpflegungseinrichtungen nach den Nährwertvorgaben des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr. „Für die neue Fitnesskostlinie haben wir circa 180 neue abwechslungsreiche Rezepturen angelegt“, erklärt Lübben. Die Ernährungswissenschaftlerin hat mit ihrem Kochteam einen ausgewogenen Plan für 13 Wochen mit jeweils fünf Menüs pro Woche entwickelt.

Nach dem Probekochen der neuen Gerichte in der Testküche des Verpflegungsamts begann im September 2017 die sechswöchige Pilotphase in der Truppenküche Oldenburg – mit Erfolg.

von Franziska Bartusch