GESTRA ist angekommen – Koblenz wird Weltraumstadt

GESTRA ist angekommen – Koblenz wird Weltraumstadt

  • Technik
  • Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Koblenz
Lesedauer:
3 MIN
Zwei Kräne heben einen Container auf eine Betonplatte

Das GESTRAGerman Experimental Space Surveillance and Tracking Radar dient der wissenschaftlichen Beobachtung und Katalogisierung von Weltraumschrott in erdnahen Orbithöhen von 300 km bis 3.000 km

Bundeswehr/Dirk Bannert

Deutschland ist mit seiner digital vernetzten Gesellschaft und Wirtschaft wie auch seinen hochtechnisierten Streitkräften von der Weltraumnutzung tiefreichend abhängig. Dienste wie zum Beispiel die satellitengestützte Navigation oder der Katastrophenschutz sind heute nicht mehr wegzudenken. Hieraus folgt andererseits eine hohe Verwundbarkeit mit enormem Schadenspotenzial bei Ausfall oder Einschränkung weltraumbasierter Dienste.

Die gesamtstaatliche Lagebeurteilungs- und Handlungsfähigkeit zum Schutz kritischer Weltrauminfrastrukturen wird damit bereits im Frieden zu einer strategischen Notwendigkeit für Deutschland. Eine Kernfähigkeit ist in diesem Zusammenhang die “Space Situational Awareness“ (SSASpace Situational Awareness), das heißt das Lagebewusstsein über den Zustand von Systemen im Weltraum. Bereits vor mehreren Jahren hat die Bundeswehr begonnen, sich dieser Herausforderung anzunehmen.

Ein erster Schritt in diesem Zusammenhang war die Aufstellung des Weltraumlagezentrums beim Zentrum Luftoperationen in Uedem. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, eigene Fähigkeiten zur Erstellung und Bewertung der Weltraumlage aufzubauen. Das Weltraumlagezentrum wird ressortübergreifend gemeinsam von der Luftwaffe und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.eingetragener Verein (DLRDeutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) betrieben.

Ressortübergreifende Zusammenarbeit

Diese ressortübergreifende Zusammenarbeit zwischen dem BMWiBundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem BMVgBundesministerium der Verteidigung setzte sich auch bei der Realisierung des Projekts GESTRAGerman Experimental Space Surveillance and Tracking fort.

Das im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.eingetragener Verein angesiedelte Raumfahrtmanagement (DLRDeutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt RFM) beauftragte das Fraunhofer Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnologie (Fhg-FHRFraunhofer Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnologie) mit der Entwicklung des „German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar“ (GESTRAGerman Experimental Space Surveillance and Tracking), eines experimentellen Weltraumüberwachungssensors. Die Bundeswehr profitiert durch die Nutzung der erzielten Daten im Weltraumlagezentrum. Als Gegenleistung wurde die Bereitstellung eines militärischen Standorts für die Aufstellung des Systems zugesagt. Nach der Betrachtung von über 430 Standorten, fiel die Wahl abschließend auf die Schmidtenhöhe. Die notwendigen Maßnahmen zur Herrichtung des Standorts umfassten umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen, die dank einer hervorragenden Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen zeitgerecht fertig gestellt werden konnten.


Zwei große Lastkraftwagen haben kuppelförmige Gebilde auf den Anhängern

Die beiden Radome werden auf Schwerlasttransportern auf die Schmidtenhöhe gefahren. Die Schmidtenhöhe ist ein ehemaliger Standortübungsplatz der Bundeswehr.

Bundeswehr/Dirk Bannert
Ein Lastkraftwagen hat einen großen Container auf dem Anhänger

Die IT-Komponenten werden in großen Containern angeliefert. Die Container werden auf speziellen Bodenplatten abgesetzt, die Radome auf die Container gestellt und anschließend miteinander verbunden.

Bundeswehr/Dirk Bannert

GESTRAGerman Experimental Space Surveillance and Tracking ist angekommen

Am heutigen Tag konnte die Bundeswehr das GESTRAGerman Experimental Space Surveillance and Tracking schließlich auf der Schmidtenhöhe begrüßen. 

Das System besteht aus zwei Containern, die jeweils eine elektronisch gesteuerte Phased Array Antenne enthalten. Damit sind Sende- und Empfangssystem räumlich voneinander getrennt, was zu geringerer Beeinflussung und damit zu einer höheren Empfangsleistung führt. Die elektronisch gesteuerten Gruppenantennen sind in der Lage, den Weltraum rund um die Uhr großflächig zu überwachen und innerhalb von Millisekunden mit der auf neuster Halbleitertechnologie basierenden Antenne abzuscannen.

Diese Daten reichern den Bahndatenkatalog im Weltraumlagezentrum an und verbessern dadurch das Weltraumlagebild. Nach der Installation des Experimentalradars wird durch Fhg-FHRFraunhofer Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnologie eine Testphase und die dazugehörige Kalibrierung durchgeführt werden. Die offizielle Übergabe von Fhg-FHRFraunhofer Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnologie an das DLRDeutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist für Herbst 2020 vorgesehen.

Da es sich um ein Experimentalsystem handelt, verbleibt GESTRAGerman Experimental Space Surveillance and Tracking im Eigentum des DLRDeutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt und wird auch weiterhin für die Forschung und Weiterentwicklung von Technologien und Verfahren genutzt. So sind zum Beispiel bi- und multistatische Experimente mit dem Tracking and Imaging Radar (TIRATracking and Imaging Radar) des Fhg-FHRFraunhofer Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnologie und dem Radioteleskop Effelsberg geplant. Dabei sollen die Erkenntnisse über die Verteilung und Bewegung kleiner und kleinster Debris-Teilchen (Weltraumschrott) erweitert werden. Diese gewonnenen Informationen werden der deutschen Forschung zur Verfügung gestellt und bilden eine Grundlage für die zukünftige Entwicklung nationaler Fähigkeiten zur operationellen Weltraumüberwachung in Deutschland. Natürlich wird die Bundeswehr diese Daten auch für die Verbesserung des Weltraumlagebilds nutzen.


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