Sicherheit im Cyber- und Informationsraum für Europa
Im November wurde das CIDCC in Brüssel aufgestellt für ein gemeinsames Lagebild im CIR und die europaweite Koordination bei Cyberangriffen.
In den Missions- und Operationsgebieten der EU nimmt der Cyber- und Informationsraum eine immer größere Rolle für die beteiligten militärischen Kräfte ein. Zusätzlich müssen gegnerische Akteure, die versuchen, auf EU-Missionen einzuwirken – etwa durch gezielte Streuung von Propaganda und Desinformation, Aktionen im elektromagnetischen Spektrum oder Cyberattacken – erkannt und abgewehrt werden.
Generalmajor Dr. Michael Heinz Färber (Stirnseite r.) übergab seine bisherige Rolle als Chairperson an seinen niederländischen Nachfolger Generalmajor Hans Folmer (Stirnseite l.), Chief of Staff bei der NATO Communication and Information Agency
Bundeswehr/Stefan UjDas Tätigkeitsspektrum des 2022 aufgestellten Cyber and Information Domain Coordination Centre (CIDCC) umfasst die Analyse von CIR-typischen Lageinformationen bei EU-Missionen und -Operationen sowie deren Bewertung. Eine zentrale Aufgabe ist die Zusammenführung und Fusionierung von Daten und Information aus dem Cyber- und Informationsraum (CIR), die von EU-Mitgliedstaaten bereitgestellt werden.
Besondere Herausforderungen sind die unterschiedlichen Fähigkeiten und Arbeitsstrukturen der beitragenden Nationen. Daher sind in Bezug auf die verwendeten Analyseprozesse, die etablierten IT-Lösungen wie auch bei den Elementen für ein Lagebild sowohl heterogene als auch komplementäre Beiträge der Nationen gefragt.
„Was genau ist der Cyber- und Informationsraum? Land, Luft und See sind inzwischen altbekannte Aktionsfelder, der Cyber- und Informationsraum weiterhin recht neu. Was passiert dort, wie ist damit umzugehen? Aus diesem Grund ist die Investition in die Ressourcen Menschen und Technik in Bezug auf den Cyber- und Informationsraum ein großer Mehrwert und von Nutzen, um zunehmend Verständnis für dieses wichtige Thema zu generieren.“
Die Analyseergebnisse des momentan mit sechs deutschen und einem französischen Dienstposten besetzten CIDCC werden kontinuierlich in den militärischen Planungs- und Führungsprozess von EU-Operationen und -Missionen eingebracht. Neben anderen sicherheitsrelevanten und insbesondere militärischen Nutzerkreisen profitieren Verteidigungspolitikerinnen und -politiker innerhalb der EU und auch die EU-Kommission von dieser Arbeit des CIDCC.
Die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten bildet in der Europäischen Union einen bedeutenden Stützpfeiler. Eine Plattform für diese Zusammenarbeit ist PESCO, die Permanent Structured Cooperation. Hierbei werden Rüstungsprojekte von den Staaten gemeinsam realisiert und geleitet.
Eines dieser Projekte ist das CIDCC. Es steht jetzt bei 50 Prozent der Laufzeit und könnte das erste Projekt seiner Art sein, das in die EU als fester Bestandteil übernommen wird. Die bisherige Chairperson des Projekts, Generalmajor Dr. Michael Heinz Färber, der Abteilungsleiter Planung und Digitalisierung im Kommando CIR, beschreibt den Vorgang als einen gigantischen Schritt für die europäische Zusammenarbeit.
Während des 7. CIDCC Steering Board, das Ende Mai in Eitorf stattfand, wurden nicht nur die bisherigen Meilensteine und die weitere Zukunft des Projekts besprochen. Generalmajor Dr. Färber übergab während des Treffens unter Anwesenheit der vier Projektnationen, der zwölf Beobachternationen sowie eingeladener Vertreterinnen und Vertreter aller anderen EU-Nationen in einer feierlichen Zeremonie seine bisherige Rolle als Chairperson an seinen niederländischen Nachfolger Generalmajor Hans Folmer, Chief of Staff bei der NATO Communication and Information Agency (NCIA).
Der niederländische General wird sein Amt voraussichtlich bis Ende 2026 innehaben. Deutschland bleibt weiterhin führende Nation bei diesem PESCO-Projekt. Das nächste Treffen der Mitglieder ist für Herbst 2024 in Frankreich geplant.
Die Zusammenarbeit des CIDCC mit den EU-Partnern soll sich langfristig nicht auf Analysen und Lagebeiträge beschränken, sondern helfen, eine auch im zivilen Bereich der EU bestehende Fähigkeitslücke im Cyber- und Informationsraum zu schließen. Auf diese Weise können übergreifende, multinational wirksame Effekte erzielt werden, die vor allem eine verbesserte Resilienz der EU in dieser fünften Dimension erzeugen.
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