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Multinationale Vermessungsübung unter Einsatzbedingungen

Multinationale Vermessungsübung unter Einsatzbedingungen

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Das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr nahm mit zwei Teams bei der Vermessungsübung „international Survey Networking Exercise“ (iSNEx) in Österreich teil. Elf Vermessungsteams aus neun Nationen stellten sich vom 17. bis 28. April der herausfordernden Aufgabe, eine Waffenstillstandslinie im alpinen Gelände anzulegen.

Gruppenfoto der iSNEx 23 Teilnehmenden.

Neun Nationen beteiligten sich an der Vermessungsübung iSNEX 23

Bundesheer

Die Multinational Geospatial Support Group (MN GSGMultinational Geospatial Support Group) hat den Auftrag, NATO und EUEuropäische Union bestmöglich mit Geoinformationen zu unterstützen. Neben den im Reachback zu erbringenden Leistungen stellen einige der derzeit 20 Mitgliedsnationen der MN GSGMultinational Geospatial Support Group verschiedene Fähigkeiten für den Abruf von Geospatial Support zur Verfügung. Eine dieser Fähigkeiten ist die geodätische Vermessung im Einsatz, die durch die jeweiligen nationalen Vermessungsteams gewährleistet wird. Damit die nationalen Vermessungsteams ein fachlich standardisiertes Niveau für die Unterstützung von NATO oder EUEuropäische Union erreichen, wird jedes Jahr die Vermessungsübung iSNEx durchgeführt. Diese wird durch die MN GSGMultinational Geospatial Support Group koordiniert und geplant und durch eine Host Nation ausgetragen. Der Schwerpunkt liegt auf der Sicherstellung der Interoperabilität sowie dem Wissensaustausch zwischen den einzelnen Nationen.

Vermessungsübung unter alpinen Bedingungen

Die iSNEx 23 fand auf dem alpinen Truppenübungsplatz Hochfilzen in Österreich statt. Der Truppenübungsplatz liegt in einem von zwei Bergmassiven umschlossenen Tal und wird regelmäßig auch durch multinationale Kräfte genutzt. Dieses Jahr nahmen elf Teams aus neun verschiedenen Nationen an der Übung teil. Zusätzlich wurden die Vermessungsteams von sechs Observern aus vier Nationen begleitet. Deutschland nahm mit je einem Team aus dem Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr Dezernat Einsatzvermessung sowie dem Dezernat Kinematische Datenerfassung teil. Zusätzlich stellte Österreich eigene Kräfte aus dem Bereich Navigation Warfare zur Übung ab, um hier die jeweiligen Fähigkeiten ausreichend zu testen.

Aufgabe: Vermessung einer Waffenstillstandslinie

Drohnenaufnahme von Sprengkratern.

Die Vermessung der Sprengkrater erfolgte mit eine kinematischen Vermessungsausstattung und wurde überwacht von Sicherungskräften sowie einer Drohne

Bundesheer

Die Gastnation hatte im Sinne ihres eigenen nationalen Engagements als militärisches Szenario die Vermessung einer Waffenstillstandslinie ausgewählt, die auf politischer Ebene in einer Karte im Maßstab 250.000 mit einem Filzstift festgehalten wurde und anschließend durch die jeweiligen Vermessungsteams in das Gelände übertragen werden sollte. Österreich hat auf Grund seiner Missionen auf den Golanhöhen in Israel und auf Zypern bereits langjährige Erfahrung in dieser Thematik. Auf taktischer Ebene wurden Bedrohungslagen wie Minenfelder sowie Navigation Warfare in Form von Spoofing und Jamming eingespielt. Neben der Einmessung der Waffenstillstandslinie sollten auch Infrastruktur, etwaige Minenfelder, Patrouillenwege und Beobachtungspunkte eingemessen werden.

Seit das heute überall verwendete GPSGlobal Positioning System -Positionierungssystem eingeführt wurde können auch Vermessungskräfte unter Abstützung auf GP-Signale um ein Vielfaches schneller vermessen. Die Signale der Satelliten können jedoch durch Störsender entweder gestört (Jamming) oder verändert werden (Spoofing). Dies kann so gezielt erfolgen, dass es zum Teil nur zu kaum merklichen Ablagen kommt, welche aber die Vermessungsergebnisse ruinieren. Diese Störversuche muss die Truppe erkennen und durch geeignete Maßnahmen gegensteuern.

Navigation Warfare-Bedingungen und unwegsames Gelände

Esel und Pferde tragen Vermessungsgeräte.

Für die meisten Teams absolutes Neuland: der Einsatz von Tragetieren im Gelände

Bundesheer

Die erste Woche war neben den im Schwerpunkt liegenden Vermessungsarbeiten auch als Trainingswoche geplant, in der die Teams in die Einwirkungen von Navigation Warfare-Bedingungen eingewiesen wurden und sie Eindrücke, beispielsweise bei dem Verhalten von gestörten Drohnen, gewinnen konnten. 

Auf Grund der äußeren Bedingungen – alpines Gelände, Schnee, schnelle Wetterumschwünge – gab es jeden Tag ein Briefing durch geschulte Bergführer, die auf die Wetterverhältnisse sowie mögliche Gefahren aufmerksam machten. Zusätzlich gab es in der ersten Woche eine Einweisung in die Tragtiereinheit des Österreichischen Bundesheeres, die am Standort mit Haflingerpferden und Eseln stationiert ist. Die Vermessungsteams haben die Pferde und Esel für einzelnen Aufträge genutzt, um ihr Vermessungsmaterial in unwegsamen Gelände transportieren zu können. Für die meisten Teams war dies das erste Mal, dass sie mit dieser Transportmöglichkeit in Berührung kamen.

In Woche zwei lag der Fokus zum einen bei der weiteren Vermessung der Waffenstillstandslinie, diesmal unter Navigation Warfare Bedingungen ohne Kenntnis wann diese eintreten und zum anderen auf den besonderen Übungseinlagen am Visitor´s Day.

Sprengung einer 120-Kilo Roadsidebomb

Kontrollierte Sprengung einer 120-Kilo-Bombe im alpinen Gelände.

Eine große Sprengung simulierte einen Anschlag mit einer „Roadsidebomb“, deren Krater anschließend vermessen wurden

Bundesheer

Am Visitor´s Day nahmen Besucher verschiedener Nationen teil, die sich ein Bild von den Fähigkeiten der einzelnen Vermessungsteams machten. Spektakulärer Höhepunkt war die kontrollierte Sprengung einer Roadsidebomb mit einer Sprengkraft von 120 Kilogramm. Der Sprengkrater wurde dann durch die kinematische Vermessungsausstattung vom ZGeoBwZentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr auf dem geschützten Fahrzeug Eagle IV unter Begleitschutz von zwei österreichischen Dingos aufgenommen. Die Aufnahme mit Drohnen seitens des tschechischen und des polnischen Teams überwachte den Vorgang und lieferte ergänzende Daten. Anschließend konnten sich die Besucher am Nachmittag mit den jeweiligen Teams zu Vermessungsthemen austauschen. 

Aus Sicht der MN GSGMultinational Geospatial Support Group war die iSNEx 23 ein voller Erfolg. Die vorherrschenden Bedingungen aus Gelände, Wetter und Aufgabenstellung waren für viele Vermessungsteams Neuland, in dem sie ihre Fähigkeiten testen, aber auch Neues dazu lernen konnten. Zudem konnten die Teams einen Eindruck von den verschiedenen Einflüssen seitens Navigation Warfare-Bedingungen erlangen. Außerdem stellten sie fest, dass die fachlich versierten Vermessungsteams in solchem Gelände ihre Fahrzeuge stehen lassen müssen und auf Unterstützung durch Tragetiere und Bergführer angewiesen sind sowie harmonisch mit anderen spezialisierten Kräften zusammenwirken müssen. Damit hat sich die iSNEx von einer reinen Fachübung zu einer militärischen Einsatzvorbereitungsübung weiterentwickelt.

Die MN GSGMultinational Geospatial Support Group richtet bereits jetzt den Blick auf die iSNEx 24, die in der Nähe von Montreal, Kanada, stattfinden wird. Hier soll die Übung in eine Geschwader-Übung eingebunden werden, sodass der Schwerpunkt dann auf einsatznahen Verfahrensabläufen mit Gefechtstand, Befehlsausgaben und auf das Szenario abgestimmten Vermessungsaufträgen liegt.

 

von Patrick Spieß  E-Mail schreiben

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