Steckbrief CIDCC
Ein Überblick über das PESCO-Projekt Cyber and Information Domain Coordination Centre (CIDCC).
Am 21. und 22. April traf sich zum ersten Mal das multinationale Steuerungsgremium des Cyber Information Domain Coordination Centre (CIDCC). Mit der Wahl von Generalmajor Michael Färber, Kommandeur des Kommandos Informationstechnik der Bundeswehr, zum Vorsitzenden und dem Beitritt Frankreichs als aktivem Mitglied nahm das Steuergremium seine Arbeit auf.
Generalmajor Dr. Färber ist für die nächsten zwei Jahre als Vorsitzender des CIDCC gewählt.
Bundeswehr/Stefan UjZiel des PESCO-Projekts CIDCC ist der Aufbau einer multinationalen Koordinierungsstelle in Brüssel, in der unter anderem Lagebilder des Cyber- und Informationsraumes (CIR) für EU-Operationen und EU-Missionen besser abgeglichen werden können.
Das zukünftige Aufgabenspektrum des CIDCC umfasst auch die Bewertung von verfügbaren Lageinformationen, um diese in den militärischen Planungs- und Führungsprozess von EU-Operationen und -Missionen einzubringen.
Langfristig soll das CIDCC dann als Teil der EU-Strukturen auch CIR-Operationen planen und führen können. Koordiniert wird das Projekt bisher aus dem Kommando CIR in Bonn.
Der Inspekteur CIR begrüßt Frankreich als aktives Mitglied des CIDCC.
Bundeswehr/Stefan UjWeniger als sechs Monate nach der Unterzeichnung des CIDCC-Konzepts und der Arbeitsaufnahme des durch das Kommando CIR betriebenen CIDCC-Projektbüros im November 2020 markiert die erste Sitzung des multinationalen Steuerungsgremiums, zu der nun alle stimmberechtigten Mitgliedstaaten zusammenkamen, den nächsten Meilenstein.
Teilnehmende waren Vertreter des EU-Militärstabes, der Europäischen Verteidigungsagentur, der Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit und Vertreter der aktiv beitragenden Mitgliedstaaten Frankreichs, der Niederlande, Ungarns und Deutschlands. Aufgrund der andauernden Pandemie fand das Treffen per Videokonferenz statt.
In seiner Einführungsrede begrüßte der Inspekteur CIR, Vizeadmiral Thomas Daum, die Entscheidung Frankreichs, den Statuswechsel vom Beobachter zum aktiven Mitgliedsstaat im CIDCC zu vollziehen. Auch wurde allen aktiven Mitgliedstaaten für deren Beitrag zum bisher Erreichten gedankt: „Dieses CIDCC-Konzept in so kurzer Zeit zu erstellen und von den beitragenden Mitgliedstaaten unterzeichnen zu lassen, war ein erster großer Erfolg, der nur durch gemeinsame Anstrengungen erreicht werden konnte – wozu Sie alle maßgeblich beigetragen haben.“
Virtuelles Anstoßen auf den neu gewählten Vorstand.
Bundeswehr/Stefan UjZum Vorsitzenden des Steuerungsgremiums CIDCC wurde Generalmajor Michael Färber, Kommandeur des Kommandos Informationstechnik der Bundeswehr, gewählt. Er wird dem Gremium für die nächsten zwei Jahre vorstehen. „Dieses Projekt eines multinationalen Koordinierungszentrums für den Cyber- und Informationsraum ist in der Lage, allen teilnehmenden Nationen und der Europäischen Union die Kommunikationskanäle einzurichten, die erforderlich sind, um z.B. bei EU-Missionen oder -Operationen alle relevanten CIR-Informationen zeitnah auszutauschen“, betonte Färber.
Dabei wird sich das CIDCC nicht nur mit Fragen der Cyber-Verteidigung und des Elektromagnetischen Umfeldes befassen und nicht nur die Aufgabe haben, Informationen über Cyber-Vorfälle zu sammeln und bereitzustellen. Der Aufgabenbereich des CIDCC soll breiter aufgestellt werden und beispielsweise auch informationsbezogene Funktionen und Fähigkeiten umfassen, um hybriden Herausforderungen im Informationsraum zu begegnen. Dies bedeutet, dass Informationen aus den drei Bereichen Cyberraum, elektromagnetisches Umfeld und Informationsumfeld integriert und als eine Dimension gesamtheitlich betrachtet werden sollen.
Denn heutzutage ist das in der digitalen Welt zirkulierende Narrativ eines Ereignisses oftmals wichtiger als das tatsächliche Ereignis. Daher soll dieser Bereich nicht isoliert betrachtet, sondern im gesamten militärischen Planungsprozess ganzheitlich berücksichtigt werden.
In Bezug auf das Projektziel Informationsaustausch wird das Aufgabenportfolio des CIDCC explizit das Informationsumfeld mit seinen organisatorischen Komponenten wie strategische Kommunikation, Informationsoperationen und psychologische Operationen umfassen. Dieses ganzheitliche Verständnis der Dimension CIR ist zurzeit weder in den Strukturen der EU noch der anderen Mitgliedstaaten umgesetzt. Auch daran arbeiten die Projektkoordinatoren des CIDCC.
Zudem werden verschiedene Produkte entwickelt, die dann vom CIDCC zur Verfügung gestellt werden, etwa eine Art CIR-Almanach mit Länder- oder regionalem Bezug und mit konkreten Länderinformationen inklusive aller Geo- und Sicherheitsinformationen, um damit die Operationsführung einer EU-Mission oder -Operation zu unterstützen. Das wären beispielsweise eine CIR-bezogene Situation oder Bedrohungsbild oder Lageberichte zu speziellen Themen.
„Mit der Etablierung des CIDCC wird deutlich, dass der Bedeutung des Cyber- und Informationsraums als militärischer, aber auch gesamtstaatlicher Operationsraum zunehmend Rechnung getragen wird“, wies Vizeadmiral Daum nochmals auf die Relevanz des EU-Projektes hin.
Das multinationale Steuerungsgremium wird künftig zweimal jährlich zusammenkommen und sich hierbei auch über neue Entwicklungen und Produkte austauschen. Ein nächster Schritt bei der weiteren Implementierung des CIDCC wird die Verlegung des Projektbüros 2023 nach Brüssel sein.
Ab 2026+ soll das CIDCC dann für den vollen Informationsaustausch und das Planen und Führen von CIR-Operationen mit einem ständigen Element am Standort Brüssel in EU-Strukturen integriert sein. Auch die Einsatzbereitschaft zur Unterstützung aller EU-Missionen und Operationen soll dann hergestellt sein.
von Martina Pump E-Mail schreiben
Ein Überblick über das PESCO-Projekt Cyber and Information Domain Coordination Centre (CIDCC).