Heer

Vielseitiger Überlebensspezialist

Vielseitiger Überlebensspezialist

  • Multinationalität
  • Heer
Datum:
Ort:
Poggio Renatico
Lesedauer:
3 MIN

Mit seinen Fähigkeiten und Kenntnissen könnte er wohl auch militärischer Berater in einem Actionfilm über abgeschossene Piloten im Feindesland werden. Hauptfeldwebel Pete Blank ist einer der wenigen SERE-Instruktoren in der Bundeswehr. Ein Spezialist, der andere Soldaten auf den schlimmsten Fall vorbereitet – wenn sie auf sich allein gestellt sind, hinter den feindlichen Linien.

Ein bärtiger Soldat mit Brille und in beigem Wüstentarnanzug schaut in die Kamera.

Hauptfeldwebel Pete Blank gehört zu den wenigen SERE-Instruktoren in der Bundeswehr. Er weiß, wie man als Soldat hinter feindlichen Linien überlebt.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Pete Blank ist 39 Jahre alt und Soldat in der Bundeswehr seit 2002. Seine militärische Laufbahn begann er bei den Fallschirmjägern in Oldenburg. Von 2002 bis 2010 blieb er der Fallschirmjägertruppe treu, wobei er seit 2008 auch die Erweiterte Grundbefähigung für Spezielle Operationen (EGBErweiterte Grundbefähigung) besitzt. Der Fallschirmjäger war unter anderem mit der Task Force 47 im Afghanistaneinsatz und von 2010 bis 2019 in Pfullendorf stationiert.

Jahrelange Erfahrung und viel Praxis

Ab 2010 bildete Blank auch EGBErweiterte Grundbefähigung-Soldaten selbst aus. Er ist zu diesem Zeitpunkt als Ausbilder für verschiedene Überlebenslehrgänge tätig und unterrichtet hier sowohl Spezialkräfte, Spezialisierte Kräfte als auch andere Heeressoldaten. Zudem verfügt er über eine Vielzahl von Kenntnissen. So ist er auch im Räumen von Minen geschult und kann als Breacher, Zugangstechniker, eingesetzt werden. Durch seinen soldatischen Werdegang und die zahlreichen Lehrgänge und Qualifikationen, die er erworben hat, ist er inzwischen ein gefragter und erfahrener Ausbilder und Trainer (engl.: instructor) im Bereich SERE, die Abkürzung für Survival, Evasion, Resistance, Extraction.

SERE bedeutet:

  1. als versprengter oder isolierter Soldat auf sich allein gestellt überleben (Survival),
  2.  dabei feindlichen Kräften ausweichen (Evasion)
  3. Taktiken und Verhaltensweisen gegen Gefangennahme oder mögliche Verhöre entwickeln (Resistance)
  4. und letztlich zur eigenen Truppe zurückkehren (Extraction).

Blank betont: „Als SERE-Instructor sollte man alle Fragen aus eigener Erfahrung beantworten können. Dadurch wirkt man authentisch und der Soldat merkt, dass der Instructor auch weiß, wovon er spricht. Das war für mich immer der Antrieb, mich in allen Bereichen stets weiterzubilden, auch wenn es mal anstrengend war.“

Ein Ausbilder der Ausbilder

Seit 2019 ist Hauptfeldwebel Blank im European Personnel Recovery Centre (EPRC) in Italien tätig. Dort ist er derzeit der einzige SERE-Instructor im EPRC, denn dieser Dienstposten wird dauerhaft durch einen deutschen Unteroffizier mit Portepee besetzt. Als SERE-Instructor dient er dort als Experte im Bereich Überlebenstechnik in sämtlichen Vegetationsarten und Gegebenheiten. „Inzwischen bilde ich nicht mehr direkt selbst aus, aber stehe mit den Verantwortlichen der Überlebensschulen aus 21 Nationen im Kontakt“, sagt Blank. Als Vorsitzender der SERE School Leaders Working Group (SSLWG) ist er verantwortlich dafür, dass das Wissen und die Praxis der Überlebenstechniken unter Lehrenden ausgetauscht und weiterentwickelt werden.

Blanks Fähigkeiten sind gefragt, denn SERE-Instruktoren sind in der Bundeswehr sehr selten, da sie einen hohen Ausbildungsgrad haben. Dementsprechend unkonventionell sind dann auch die Unterrichtsstunden: Hier wird das Befreien von Fesseln, das Knacken von Schlössern, der Bau von Notunterkünften, die Herstellung provisorischer Kleidung sowie die Zubereitung und Konservierung von Nahrung in freier Wildbahn geübt. Denn: „Das Wichtigste ist, dass die Soldaten das Gelernte praktisch beherrschen, damit sie im Ernstfall überleben und zurück zur eigenen Truppe kommen“, unterstreicht der 39-Jährige. Er berät zudem Soldaten, wie sie sich und relevante Informationen bei einer Gefangennahme schützen können.

Vorbereitung von Übungsszenarien

Auch an Übungen ist Blank beteiligt. So bespricht er bei Personnel Recovery-Übungen (dt.: Personenrückführung) gemeinsam mit den Piloten der Hubschrauber und Flugzeuge die möglichen Landezonen und die Gegebenheiten vor Ort. Er ist beteiligt an der Planung verschiedener Übungsszenarienabläufe – so macht er zum Beispiel Vorschläge für verschiedene Rettungsszenarien mit unterschiedlichen Schwierigkeitsbereichen und Anforderungen. Außerdem erklärt er den Isolated Persons, also den isolierten Personen, die gerettet werden müssen, wie sie sich während des Übungsszenarios verhalten sollen.

von Henning Schmitz und Maximilian Schulz