Umweltschutz in den Streitkräften und im Einsatz

Umweltschutz in den Streitkräften und im Einsatz

Ort:
Bonn
Lesedauer:
3 MIN

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Der Umweltschutz in der Bundeswehr verfolgt nicht nur das Ziel, die umweltpolitischen Vorgaben zu erfüllen und damit einen rechtskonformen Dienstbetrieb zu gewährleisten. Als integraler Bestandteil bei der Erfüllung des Auftrags zielt er auch darauf ab, die Angehörigen und Verbündeten sowie die Bevölkerung vor umweltbedingten Gefahren zu schützen.

Leere Getränke-Dosen.

Mülltrennung im Einsatz.

Bundeswehr/Andrea Bienert

Auf Grundlage des Urteils zu Auslandseinsätzen des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Juli 1994 stellt sich die Bundeswehr im Umweltschutz insbesondere der Aufgabe, in Erfüllung ihrer Fürsorgepflicht Leben und Gesundheit ihrer Angehörigen zu schützen und gleichzeitig den Schutz von Natur und Umwelt auch in den Auslandseinsätzen auf Grundlage des deutschen Umweltrechts zu beachten.

Umweltschutz ist Teil der Führungsverantwortung

Die wesentlichen Aufgaben im Umweltschutz haben sich in der Praxis häufig auf Grundlage von in der NATONorth Atlantic Treaty Organization standardisierten Vereinbarungen in den unterschiedlichsten Auslandseinsätzen und Einsatzarten kontinuierlich bis zum heutigen hohen Standard des Umweltschutzes in der Bundeswehr fort- und weiterentwickelt. Umweltschutz ist Teil der Führungsverantwortung in der Bundeswehr und wird auf allen Ebenen wahrgenommen. Die Regelungen des Umweltschutzes, wie das Bundesbodenschutzgesetz, das Wasserhaushaltsgesetz, die Naturschutzgesetzte und das Immissionsschutzgesetz, werden durch bundeswehrinterne Anweisungen und Vorschriften konkretisiert. Diese gelten sowohl im Inland als auch im Zuge der Selbstverpflichtung bei den Einsätzen im Ausland. In den Einsätzen der Bundeswehr ist neben der rechtskonformen Umsetzung des Umweltschutzes mit besonderem Vorrang der Schutz eigener und verbündeter Soldaten sicher zu stellen. Hier können Umweltgefahren und umweltrelevante Probleme auftreten, die in Deutschland so nicht vorkommen.

Müllansammlungen und defekte Autos auf einer unbefestigten Straße.

Müllansammlungen in Niger.

Bundeswehr/Jana Neumann

Gefahren durch unsachgemäß entsorgtem Abfall

Durch den nicht sachgemäßen und sorglosen Umgang von  eigenen oder verbündeten Kräften mit Gefahrstoffen und Abfällen kann nicht nur die eigene Truppe, sondern auch die örtlich lebende Bevölkerung gefährdet werden. Dies kann zu einer negativen Außenwirkung bis hin zu einem Sicherheitsrisiko führen. Eine Verunreinigung des Grundwassers, z.B. durch unsachgemäß deponierten Abfall, kann die Trinkwasserversorgung eines Feldlagers und damit letztendlich auch die Durchhaltefähigkeit der Truppe erheblich beeinträchtigen. Hinzu kommt, dass eine Lagerung oder Sammlung von nicht gekennzeichneten Gefahrstoffen und Chemikalien, extrem teuer in der Entsorgung werden kann. Weitere Gefahren, die sich aus einer unsachgemäßen Abfallentsorgung ergeben könnten sind das Auftreten von Ungeziefer und Krankheiten.

Ein Rind steht im Müll und frisst diesen.

Müll lockt Ungeziefer und damit Krankheiten für Tier und Mensch an.

Bundeswehr/Jana Neumann

Erkrankungen vermeiden

Im Jahr 2007 waren mehrere deutsche Soldaten in Afghanistan an Leishmaniose erkrankt. Die Erkrankung wird durch Sandfliegen übertragen. Die daraufhin erkrankten Soldaten waren über Wochen nicht oder nur eingeschränkt einsatzfähig. Hier konnte der Gefährdung durch zielgerichtete Maßnahmen im Umweltschutz, u.a. durch den Bau einer Mauer, die die Sandfliege nicht überwinden kann, begegnet werden. Dank einer zielorientierten Ausbildung der Soldaten wurde der Umweltschutz kontinuierlich verbessert. Durch die Auswertung gemachter Erfahrungen nach durchgeführten Einsätzen, dem Selbstverständnis für die Wahrnehmung des Umweltschutzes im täglichen Dienstbetrieb und besonders bei Übungen, wurden zum Beispiel mobile Müllverbrennungsanlagen, Kläranlagen, mobile Tankstellen, Tank- und Entsorgungsfahrzeuge in den Einsatzgebieten der Bundeswehr eingerichtet.

Wasser ist lebenswichtig

Emissionen spielen für die Umwelt und somit auch für die Einsatzbereitschaft und insbesondere für die Gesundheit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ein Dauerbrenner in jedem Einsatz ist das Thema „Wasser“. Der Bedarf an Wasser liegt pro Person und Tag in Abhängigkeit des jeweiligen Einsatzlands und seinen klimatischen Verhältnissen bei etwa 400 Liter. Diese hohe Menge kann nicht alleine durch den Kauf von Trinkwasserflaschen gedeckt werden.

Stadtansicht in Monrovia.

Der sorglose Umgang mit Müll begünstigt Krankheiten wie Cholera.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Das Personal der Bundeswehr in den Einsatzländern ist daher auch auf Brunnen und Gewässer bzw. das daraus aufbereitete Trinkwasser angewiesen. Hier spielt vor allem die Berücksichtigung des Gefährdungswegs „Gefahrstoff – Boden – Grundwasser – Mensch“ eine entscheidende Rolle. Daher ist es besonders wichtig, dass der Umgang mit Abfällen – hauptsächlich mit infektiösen und gefährlichen Materialien, mit Chemikalien und Gefahrstoffen, die Einrichtung und der Betrieb von Betriebsstofflagern und Tankstellen/mobilen Tanklagern, die den Boden, das Grundwasser sowie Gewässer beeinträchtigen können, verantwortungsbewusst wahrgenommen wird.

Eine weitere Herausforderung ist der Umgang und die Behandlung des anfallenden Abwassers. Die Ableitung von Abwasser in Flüsse wird durch die Bundeswehr in den Einsatzräumen wie auch anderswo nicht durchgeführt. Die Folgen unsachgemäßer Abwasserentsorgung können Krankheiten wie Cholera sein, die sich schnell zu Epidemien entwickeln können. Sie stellen damit auch für die Bundeswehr in ihren Einsatzräumen eine Herausforderung dar. Der Boden- und Gewässerschutz ist somit auch elementarer Bestandteil des Umweltschutzes der Einsatzkräfte.

von  PIZ IUD  E-Mail schreiben

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Bundeswehr und Umweltschutz – gelebte Partnerschaft seit über 50 Jahren.

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