Sanitätsdienst

China-Rückkehrer in Germersheim

China-Rückkehrer in Germersheim

Datum:
Ort:
Rheinland-Pfalz
Lesedauer:
5 MIN

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Als Vorsichtsmaßnahme im Kampf gegen das Corona-Virus befinden sich derzeit 122 Personen in der Germersheimer Südpfalz-Kaserne unter Quarantäne. Oberstarzt Dr. Thomas Harbaum, Oberfeldarzt Dr. Sascha Streicher und Dr. Christian Jestrabek koordinieren die Präventivmaßnahmen vor Ort. Ein Expertengespräch klärt die wichtigsten Fragen:

China-Rückkehrer in Germersheim

Oberstarzt Dr. Harbaum ist Unterabteilungsleiter beim Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr.

Bundeswehr/Matthias Frank

Herr Oberstarzt Dr. Harbaum, Sie sprechen von einem Nullrisiko, das von den in Germersheim untergebrachten Rückkehrern aus China ausgeht. Warum?

Bei diesen Menschen besteht in keiner Form der Verdacht, sich mit dem Corona-Virus infiziert zu haben. Des Weiteren werden sämtliche Schutzmaßnahmen eingehalten, die uns durch die Gesundheitsbehörden vorgegeben sind. Deshalb besteht keine Gefahr, die von diesem Haus oder den Personen, die sich darin aufhalten, ausgehen könnte.

China-Rückkehrer in Germersheim

Dr. Jestrabek ist der Amtsarzt des Landkreis Germersheim.

Bundeswehr/Matthias Frank

Herr Dr. Jestrabek, Sie sind der Amtsarzt des Landkreises Germersheim. Die Situation vor Ort ist eine besondere. Die Bundeswehr hat hier ein Unterkunftsgebäude zur Verfügung gestellt, doch die Quarantäne-Maßnahme bleibt in Verantwortung des zivilen Gesundheitssystems. Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr aus Ihrer Sicht?

Um es kurz zu sagen: Wunderbar und hoch kompetent! Ich möchte mich recht herzlich für die Unterstützung und die kollegiale Zusammenarbeit, insbesondere mit Oberfeldarzt Dr. Streicher bedanken.

Oberfeldarzt Dr. Streicher ist aus Koblenz nach Germersheim gekommen und unterstützt hier vor Ort mit seinem Erfahrungsschatz. Er steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite?

Er ist als Pendant auf der militärischen Seite als Amtsarzt tätig. Es ist wunderbar mit ihm zusammen zu arbeiten, weil er die Strukturen und die Komplexität einer militärischen Liegenschaft exzellent kennt.

China-Rückkehrer in Germersheim

Oberfeldarzt Dr. Sascha Streicher ist Amtsarzt bei der Bundeswehr.

Bundeswehr/Matthias Frank

Herr Oberfeldarzt Dr. Streicher, wie verhält es sich mit den in dieser Kaserne stationierten Soldatinnen und Soldaten? Besteht die Gefahr einer Ansteckung mit dem Corona-Virus?

Den Soldatinnen und Soldaten am Standort kann ich guten Gewissens versichern, dass sie sich hier nicht mit dem Corona-Virus anstecken werden. Die räumliche Trennung der Rückkehrer aus China vom Rest der Kaserne durch einen Zaun bietet diese Sicherheit.

Ihre Aufgabe ist es, den zuständigen Amtsarzt des Landkreises bei der Durchführung der Quarantäne-Maßnahme, die nicht in der Zuständigkeit der Bundeswehr liegt, zu unterstützen. Wie sehen diese Unterstützungsleistungen aus?

Ich bin das Verbindungselement zwischen dem zivilen Gesundheitsamt und dem Kommandeur des hier ansässigen Luftwaffenausbildungsbataillons. Maßnahmen, die der Amtsarzt anweist, trage ich dem Kommandeur vor. Dass ich dies auch aus militärischer Sicht betrachten kann, hilft mir dabei, sowohl den zivilen Amtsarzt, als auch den Kommandeur adäquat beraten zu können. Auch der Umstand, dass der abgetrennte Bereich hier in der Kaserne nach meinen Vorgaben eingerichtet wurde, brachte mich in die Lage, den zivilen Amtsarzt von den bereits getroffenen Maßnahmen präzise unterrichten zu können. Für die bereits durch die Bundeswehr getroffenen Vorbereitungen war die zivile Seite sehr dankbar. Schon einen Tag vor dem Rückholflug begannen hier die Vorbereitungen für die Unterbringung der aus China heimgebrachten Bürgerinnen und Bürger. Dadurch hatten wir rund 60 Stunden Vorbereitungszeit.

Herr Dr. Jestrabek, wie ist Ihre Prognose? Wie geht es für die Bürgerinnen und Bürger in Quarantäne weiter?

Prognosen sind schwierig. Aber wir sind guter Hoffnung, dass man nach 14-tägiger Quarantäne die Maßnahmen wieder aufheben kann. Insbesondere für die Kinder und Familien ist das natürlich eine extrem belastende Zeit. 

Herr Oberfeldarzt Dr. Streicher, was raten Sie den Soldatinnen und Soldaten? Wie kann man sich vor dem Virus schützen?

Vor dem Corona-Virus schützt man sich wie vor einer Erkältung auch. Waschen Sie sich vor und nach dem Essen oder bei Verschmutzung 30 Sekunden die Hände gründlich mit Seife. Befolgen Sie die Hustenhygiene. Husten oder niesen Sie immer in die Armbeuge oder ein sauberes Taschentuch. Ein Handschlag zur Begrüßung muss auch nicht immer sein.

Die Übertragungswege des Grippe- und Coronavirus ähneln sich?

Die sind ähnlich. Corona-Viren zirkulieren eigentlich immer und verursachen Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Aber nochmal, von den Bürgerinnen und Bürgern, die hier untergebracht sind, geht durch die strikte räumliche Trennung für die Soldatinnen und Soldaten, die vor Ort täglich Dienst tun, keine Gefahr aus. Ansonsten würde es am Standort keinen Dienstbetrieb geben. Zusätzlich sind wir durch die Kompanien gegangen und haben den verunsicherten Soldatinnen und Soldaten die Gelegenheit gegeben, Fragen zu stellen. Dadurch konnten wir gerade in den Grundausbildungskompanien bei den Rekruten die meisten Ängste abbauen.

Herr Oberstarzt Dr. Harbaum, wie geht es der Crew des Flugzeugs, die die Bürgerinnen und Bürger aus China abgeholt hat?

Alle Crewmitglieder sind direkt nach dem Flug nach Hause gefahren und haben sich ausgeschlafen. Die Crew war aber auch schon über 24 Stunden im Dienst. Dadurch, dass wir auch während des Fluges, unter Aufsicht eines Facharztes für öffentliches Gesundheitswesen, streng darauf geachtet haben, dass die Schutzmaßnahmen bei jedem Umgang mit den Passagieren eingehalten wurden, besteht weder für die Crew, noch für das medizinische Personal, und damit natürlich auch nicht für deren Umgebung irgendein Risiko. Die Beteiligten wurden noch einmal darüber informiert. Außerdem haben wir eine zentrale Ansprechstelle eingerichtet, an die sich beispielsweise Schulen oder Kindergärten wenden können, wenn Vorbehalte bestehen. Wir können die Sorgen aller verstehen und wir stehen jederzeit bezüglich verbindlicher Fachinformationen zu Verfügung.

Herr Oberfeldarzt Dr. Streicher, was ist das Besondere am neuen Corona-Virus?

Die atypischen Lungenentzündungen und die teilweise schweren Verläufe, über die berichtet wird, sind neu. Sonst verursachen die Viren den sogenannten „Männerschnupfen“ und man ist nach drei bis vier Tagen wieder im Dienst. Beim neuen Corona-Virus gibt es eben zum Teil tödliche Verläufe bei einer bestimmten Patientenklientel. Das löst bei den Menschen Urängste aus. Auch wenn niemand von uns die Pest oder die Spanische Grippe selbst erlebt hat, ist die Angst vor einem tödlichen Keim, dem man schutzlos ausgeliefert ist und der sich rasant verbreitet, tief im Menschen verwurzelt.

von PIZ Sanitätsdienst 

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