Sanitätsdienst

Am seidenen Faden

Am seidenen Faden

  • Ausbildung
  • Sanitätsdienst
Datum:
Ort:
Dornstadt
Lesedauer:
3 MIN

Die Übungslage ist fordernd: Ein Infanteriezug eines Gebirgsjägerbataillons ist im winterlichen Hochgebirge unterwegs. Plötzlich rutscht einer der Soldaten ab, stürzt zehn Meter in die Tiefe und verletzt sich schwer. Unter der Sicherung seiner Kameradinnen und Kameraden handelt der Notfallsanitäter sofort, leitet erste medizinische Maßnahmen ein.

Soldat beim Abwinchen aus einem Hubschrauber

Soldatinnen und Soldaten des Sanitätsregiment 3 üben das Abwinchen im Zentrum für Ausbildung und Sicherheit in Bad Tölz

Bundeswehr/Minh Vu

Schnell wird klar, dass der Verletzte unverzüglich klinische Versorgung benötigt. Während der Rettungshubschrauber unterwegs ist, leistet der Notfallsanitäter qualifizierte Notfallbehandlung und bereitet den luftgebundenen Abtransport vor. Er erhält die Information, dass das schwierige Gelände eine Landung des Hubschraubers in der Nähe nicht zulässt. Die Evakuierung des Verletzten muss also mittels Seilwinde erfolgen. Jetzt muss jeder Knoten und Handgriff sitzen, denn nicht nur das Leben des Verletzten steht auf dem Spiel, sondern auch das des Retters.

Im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) der Stiftung Bergwacht üben Sanitätsoldatinnen und -soldaten des Sanitätsregiment 3 aus Dornstadt die Abläufe für zukünftige Trainings. Dort geht es um die Fähigkeitserweiterung für Sanitätspersonal in extremem Gelände und unter widrigsten klimatischen Bedingungen. In diesen Trainings wird Sanitätspersonal zusätzlich befähigt, die Versorgung von Verletzten und Verwundeten unter herausfordernden Bedingungen sicherstellen zu können. Damit wird eine belastbare Rettungskette auch in solchen Situationen ermöglicht.

Letzte Vorbereitungen

Soldat beim Sichern der persönlichen Ausrüstung

Oberstabsfeldwebel Dirk Heinisch (rechts) zeigt der Ausbildungsgruppe, wie man die Ausrüstung für den Abtransport sichert

Bundeswehr/Minh Vu

Die Federführung übernimmt das Ausbildungs- und Simulationszentrum des Sanitätsregiment 3 (Ausb-/SimZ SanRgtSanitätsregiment 3), das von einer Luftrettungsmeisterin der Bundeswehr und von Personal der Bergwacht Bayern unterstützt wird. Jetzt wurde geprüft, ob das Ausbildungsziel des simulationsgestützten Abschnitts mit einem Personalansatz von zwölf Teilnehmenden an einem Tag erreichbar ist. „In einem Zirkeltraining sollten die Teilnehmenden das Ein- und Aussteigen sowie das Ab- und Aufwinchen mit und ohne Verletzten und Ausrüstung trainieren und verinnerlichen“, so Oberstabsfeldwebel Dirk Heinisch, Heeresbergführer-Obmann des Sanitätsregiment 3 und Ausbilder. „Wir prüfen, ob die Trainingsinhalte in einem Tag mit den Vorgaben der Luftwaffe und dem SARSearch and Rescue-Team übereinstimmen und zeitlich funktionieren.“

Zivil-Militärische Zusammenarbeit

„Extremes Gelände und widrigste Klimabedingungen bergen hohe Schwierigkeiten und Gefahren, auch für eingesetztes Rettungs- und Sanitätspersonal. Die Rettungsverfahren und Behandlungsmaßnahmen müssen intensiv trainiert werden“, erklärt Oberfeldarzt Martin Teufel, Leiter des Ausb-/SimZ SanRgtSanitätsregiment 3. „Die Bergwacht ist hier durch ihre Expertise in der Rettung unter solchen Bedingungen, wie auch in der Ausbildung dazu, ein gesuchter und wertvoller Partner. Ebenfalls verfügt die Bergwacht Bayern durch das ZSA über eine im europäischen Umfeld nahezu einzigartige Trainingseinrichtung und ist national wie international sehr gefragt.“

„Das ZSA ist ein weltweit einzigartiges Simulationszentrum für sogenannte HEC-Operationen (Human External Cargo), die mit dem Hubschrauber durchgeführt werden“, erklärt Tobias Vogl, Betriebsleiter des ZSA. Für die Bundeswehr sei der Ausbildungsort interessant, weil man neben Themen der Luftrettung wie Rettungswinde, Fast-Rope-Verfahren und Rettungstau auch die sanitätsdienstliche Versorgung unter den zu erwartenden extremen Umgebungsbedingungen realitätsnah simulieren könne, so Tobias Vogl weiter. Zudem könne man hier auch alpinistische Techniken und weiterführende Behandlungen in den weiteren Stufen der Rettungskette trainieren.

Simulationsbasiertes Training

Soldatin ist in großer Höhe und hält ein Seil in der linken Hand, am Seil hängt ein Soldat mit Helm

Luftrettungsmeisterin Oberstabsfeldwebel Simone Glöckle-Dörr beim Abwinchen der Teilnehmenden

Bundeswehr/Minh Vu

Die Luftrettungsmeisterin Oberstabsfeldwebel Simone Glöckle-Dörr sieht einen klaren Vorteil in einer simulationsbasierten Ausbildung: „Wir können die Verfahren ganz ohne die weiteren Stressbedingungen, die im Realflug hinzukommen - wie Wettereinflüsse, Wind, Lautstärke, Höhe und die eigene Aufregung - durchführen.“ Das alles ließe sich in der ZSA der Bergwacht ausblenden und ohne diese Stressfaktoren trainieren. Hier gäbe es die Möglichkeit, Verfahren „zurück zu spulen“, wenn etwas auf Anhieb nicht funktioniere. „Voraussetzung für den Realflug ist, dass die Handgriffe sitzen und, dass das simulationsbasierte Training erfolgreich abgeschlossen wird.“

Lessons learned, Lessons identified

Oberstabsfeldwebel Heinisch zeigt sich nach dem Tag zufrieden: „Die Erkenntnis des heutigen Tages ist, dass wir den Anforderungen der Luftrettung und den Vorgaben der SARSearch and Rescue umfänglich Rechnung tragen. Es hat sich bestätigt, dass im Vorfeld Zeit investiert werden muss, um die nötigen Grundkompetenzen zu vermitteln.“ Handzeichen und Handhabung der persönlichen Ausrüstung müssten im Vorfeld sitzen, wie das einhändige Öffnen eines Karabiners. Das könne bereits in der Trockenausbildung am eigenen Standort geübt werden, um keine wertvolle Zeit zu verlieren.

Im Video: Auf- und Abwinchen

Erweiterte Befähigung zum Abwinchen

von Minh Vu

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